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Basketballer Paul Zipser | Interview Ein Heidelberger rockt Chicago

Der Start in die NBA Play-Offs ist geglückt. Jetzt stehen die Chicago Bulls kurz davor, NBA-Geschichte zu schreiben. Auch dank eines Neueinkaufs: der Heidelberger Paul Zipser verstärkt seit dieser Saison die US-amerikanische Traditionsmannschaft. Im SWR-Interview erklärt er, warum es gerade so gut läuft für ihn bei den Bulls - und was die Unterschiede zur Bundesliga sind.

Paul Zipser gegen Philadelphia 76ers

Paul Zipser ist bei den Chicago Bulls angekommen

Mit zwei Auswärtssiegen bei den Boston Celtics, dem besten Team aus dem Osten der NBA, haben die Chicago Bulls um Paul Zipser einen Traumstart erwischt. Mit zwei weiteren Siegen wären die Bulls das sechste Team der NBA-Geschichte, das es schafft, als Achter der regulären Saison gegen den Ersten weiterzukommen. Zuletzt erreichten das 2012 die Philadelphia 76ers, damals übrigens gegen die Chicago Bulls. Der Heidelberger Paul Zipser spielt dabei längst eine wichtige Rolle im Team. Wir haben ihn in Chicago angerufen und als erstes wissen wollen:

Wie fühlt sich das an?

Das fühlt sich sehr gut an, als Underdog in Boston zu gewinnen und ich denke, ich habe auch ganz gut gespielt. Es gilt gerade in den Playoffs: Die anderen, in dem Fall Boston, wissen, was wir am besten machen und wer unsere besten Spieler sind. Unsere drei (Dwyane Wade, Jimmy Butler, Rajon Rondo) haben auch einen sehr guten Job gemacht, den Ball loszuwerden, wenn es gilt ihn loszuwerden. Wir haben einfach als Team gut gespielt und dann kommen auch mehr Würfe für mich. Ich muss dann einfach ready sein, die Würfe auch zu nehmen.

Jetzt haben Sie zuhause alles selbst in der Hand. Was ist drin in dieser Saison?

Das werden wir sehen. Ich denke wir haben einen sehr guten Start in die Playoffs erwischt und jetzt wollen wir auf jeden Fall das Spiel drei, gerade zuhause, gewinnen. Am besten dann das nächste auch. Aber jetzt schauen wir erst mal auf morgen, das ist das wichtigste Spiel der Saison, und danach sehen wir weiter.

Am Anfang der Saison lief es noch nicht so gut. Sie hatten deutlich weniger Einsatzzeiten, als jetzt. Warum läuft es jetzt bei ihnen persönlich so gut?

Am Anfang lässt man erst mal die Spieler ran, die schon Erfahrung in der Liga haben. Das ist nicht die Zeit, wo die Rookies viele Minuten bekommen. Ich denke, die Chancen, die ich nach ein paar gespielten Spielen bekommen habe, habe ich genutzt und habe gezeigt, dass ich dem Team helfen kann. Es freut mich natürlich, dass ich das Vertrauen von den Trainern immer noch bekomme und dass ich dem Team weiterhelfen kann.

Sie haben noch gar keinen richtigen Spitznamen. Wie nennt man Sie denn?

Ich denke ich habe mehrere Spitznamen, aber das sind eher Kürzel. "Paul Zipser", beide Namen werden hier nicht oft benutzt. "Zip", oder irgendwas Kurzes, was man auf dem Spielfeld schnell sagen kann. So werde ich jetzt vielleicht auf dem Spielfeld genannt. Aber ansonsten "Nicknamen", da können sich andere Leute den Kopf darüber zerbrechen. Da gibt es manchmal ganz witzige Sachen.

Bastian Schweinsteiger spielt jetzt bei Chicago Fire bei ihnen um die Ecke. Haben Sie viel Kontakt zu ihm?

Wir haben uns am Anfang, als er angekommen ist, kurz unterhalten. Bei ihm beginnt die Saison, wir haben die Playoffs, also haben wir beide viel Stress gerade. Wir haben aber noch den ganzen Sommer vor uns und nach dem Ende der Saison schaue ich mal bei den Fires im Stadion vorbei und schau mal, ob das mit der Stimmung der deutschen Liga mithalten kann, was ich bezweifle.

Wie viel Kontakt haben Sie zur Familie und Freunden aus der Heimat?

Das ist mir extrem wichtig. Ich habe so gut wie alle meine Freunde drüben und ich halte den Kontakt mit meinen Freunden in Heidelberg und München. Meist über Handy und Social Media. Da hat sich jetzt nicht viel geändert zwischen München und Chicago. Das macht es jetzt nicht schwerer.

Verfolgen Sie die Bundesliga im Basketball? Ihr altes Team, der FC Bayern, ist ja auf einem guten Weg.

Ja, klar. Spiele schauen ist manchmal schwierig von den Zeiten beziehungsweise den Angeboten her. Aber ansonsten schaue ich genauso noch der Bundesliga zu wie vor ein, zwei Jahren, als ich selbst noch gespielt habe.

Was sind denn die größten Unterschiede zwischen der Bundesliga und der NBA?

Es gibt viele Unterschiede. Vom Spielfeld, vom Spielstil her: es gibt mehr Platz. Es ist viel athletischer, schneller, physischer und individueller. Man versucht, die Schwächen beim Gegner rauszufinden und die dann zu attackieren und seine Taktik irgendwie durchzubringen. In Europa ist das eher so, dass man versucht sein System, egal was kommt, durchzubringen.

Was war das für ein Gefühl als Sie das erste Mal gemeinsam mit gestandenen NBA Spielern wie Dwyane Wade oder Jimmy Butler auf dem Feld standen?

Klar, ein super Gefühl. Dafür bin ich in die Liga gekommen. Um mit oder gegen solche Leute zu spielen. Dass dann mit Wade oder mit Rondo nochmal so zwei nach Chicago gekommen sind, das freut mich dann noch mehr.

Die Chicago Bulls spielen in der Nacht vom Freitag auf Samstag um 1:00 Uhr, deutscher Zeit, in Spiel Drei der best-of-seven Serie gegen die Boston Celtics.

Das Interview führte Felix Schönhöfer

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