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1. FC Kaiserslautern | Differenzen mit Aufsichtsrat FCK-Vorstandschef nimmt seinen Hut

Nun ist es offiziell: Stefan Kuntz steigt zum Saisonende aus seinem Vertrag als Vorstandsvorsitzender des FCK aus. Zwischen der Club-Ikone und dem Aufsichtsrat kriselte es.

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1:46 min | Mo, 18.1.2016 | 18:00 Uhr | Landesschau aktuell Rheinland-Pfalz | SWR Fernsehen RP

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Umbruch beim FCK | Vorstandschef geht

Ende einer Ära - Stefan Kuntz verlässt den 1. FC Kaiserslautern

"Ich hatte hier beim FCK immer das Gefühl, der richtige Mann zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Und dieses Gefühl ist jetzt weg", sagte Kuntz auf einer Pressekonferenz am Montagnachmittag. "Wir sind zu der Entscheidung gekommen, dass es besser ist, wenn man sich trennt", so Kuntz.

Es habe in letzter Zeit unterschiedliche Auffassungen über die weitere Ausrichtung und die Strategien des Vereins gegeben. "Und wenn die Strategien des Vorstandsvorsitzenden und des Aufsichtsrates auseinandergehen, dann steht der FCK über allem", erklärte Kuntz, der auf der PK sehr gefasst wirkte.

Unüberbrückbare Differenzen

Der neue Aufsichtsratsvorsitzende Nikolai Riesenkampff bestätigte ebenfalls auf der Pressekonferenz, Kuntz gehe zum Saisonende. Es sei in den vergangenen Wochen deutlich geworden, dass der FCK-Aufsichtsrat und Stefan Kuntz unterschiedliche Ansichten hätten und unterschiedliche Strategien verfolgten. Das Aufsichtsorgan wolle lieber "Kräfte sammeln und das Beste aus dem vorhandenen Kader herausholen".

Nun beginne "umgehend die Suche nach einem Nachfolger". Spätestens zum Ende der Saison will Riesenkampff, der erst im Dezember Dieter Rombach als Aufsichtsratsboss ablöste, einen neuen Vorstandsvorsitzenden vorstellen.

Es ging ums Geld

Ausschlaggebend waren Meinungsverschiedenheiten über die finanziellen Möglichkeiten des Vereins. Konkret sei es um Spielerverpflichtungen in der laufenden Transferperiode gegangenen, sagte Kuntz. "Wir wollten uns im Winter noch ein bisschen verstärken und haben dazu Vorschläge gemacht." Der Aufsichtsrat sei in dieser Frage aber weniger risikobereit und habe kein Geld ausgeben wollen, so Kuntz.

"Der Aufsichtsrat und ich haben diese Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt getroffen, damit genug Zeit bleibt, den Verein personell neu aufzustellen. Es war eine bewegte Zeit auf dem Betze, die ich nie vergessen werde."

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Stefan Kuntz und der FCK

Eine Ära in Bildern

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Als Kapitän jubelt Stefan Kuntz 1991 über die Deutsche Meisterschaft.

Als Kapitän jubelt Stefan Kuntz 1991 über die Deutsche Meisterschaft.

Im April 2008 wird Stefan Kuntz als neuer Vorstandsvorsitzender vorgestellt. Mit der Kampagne "Herzblut" begeistert er viele Fans.

Glücklich über den Aufstieg in die 1. Liga. Stefan Kuntz im April 2010 mit dem damaligen Trainer Marco Kurz.

Im März 2012 stellt Kuntz Krassimir Balakow als neuen Trainer vor. Schon im Mai wird der Vertrag wegen Erfolglosigkeit aufgelöst. Rechts der damalige Aufsichtsratschef Dieter Rombach.

Kuntz holt im Sommer 2012 Franco Foda als Trainer zum FCK. Im August 2013 wird Foda entlassen.

Stefan Kuntz fühlt sich der FCK-Tradion verpflichtet. Hier mit FCK-Ikone und 54er Weltmeister Horst Eckel.

Stefan Kuntz bei der Trauerfeier für Ottmar Walter im Juni 2013.

Im September 2013 holt Stefan Kuntz Kosta Runjaic als Trainer. Er bleibt bis September 2015 und schafft den Aufstieg nicht.

Bei den Mitgliederversammlungen wird Kuntz oft kritisiert.

Im September 2015 stellt Kuntz (l.) Konrad Fünfstück (r.) als neuen Cheftrainer vor. In der Mitte FCK-Pressesprecher Stefan Roßkopf.

Am 18. Januar 2016 erklärt Kuntz seinen Rücktritt als Vereinschef. Das Ende einer Ära.

Kuntz fehlt es an Unterstützung

Kuntz' Vertrag läuft eigentlich bis Ende des Jahres 2017. Er hatte aber offenbar nur noch wenig Unterstützung im Aufsichtsrat. Außerdem hatte sich der FCK-Chef schon länger über die Kritik und Stimmungsmache gegen ihn im Umfeld des Vereins beklagt.

Derzeit sucht der 1. FC Kaiserslautern auch einen Ersatz für Finanzvorstand Fritz Grünewalt, der Ende März ausscheidet. Als ein möglicher Nachfolger wird Manager Michael Klatt gehandelt, der im Profifußball bislang keine Rolle spielte. Er soll als Führungskraft in der freien Wirtschaft im Rhein-Main-Gebiet tätig sein. Außerdem wird nach einem weiteren Vorstand für die Geschäftsfelder Marketing und Vertrieb gesucht.

Vom Retter zum Buh-Mann

ARCHIV - Kaiserslauterns Vorstandsvorsitzender Stefan Kuntz steht im Spielertunnel.

Stefan Kuntz hört im Sommer als FCK-Chef auf (Archivbild)

Der 53-jährige Kuntz war in Kaiserslautern viele Jahre ein Idol. Als Spieler und Kapitän wurde er 1991 mit dem Verein deutscher Meister. Vorstandsvorsitzendender ist Kuntz seit April 2008. Damals war der FCK in einer schier aussichtlosen Lage. In seiner Amtszeit verhinderte Kuntz den Abstieg des Vereins in die dritte Liga. Zudem gelang der Aufstieg in die Bundesliga 2010.

In den vergangenen Jahren wuchs jedoch die Kritik an ihm und seiner Personalpolitik. Für die immer noch sehr anspruchsvollen Fans lief sportlich quasi alles falsch. Die erhoffte Rückkehr in die Bundesliga wurde vergangene Saison zum dritten Mal nacheinander verpasst.

Vor allem die finanzielle Situation des Traditionsclubs ist immer wieder Grund für interne Streitereien. Trotzdem sprach Kuntz im Dezember bei der Mitgliederversammlung von einer "wirtschaftlich positiven Entwicklung". Kritiker wie Ex-Aufsichtsratschef Dieter Buchholz bezweifeln das jedoch und nannten Kuntz' Bilanzvorlage einen Bluff.

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