Mercedes übernimmt die Mehrheit am Formel-1-Rennstall Brawn GP und gründet ein eigenes Team. Wie Daimler-Chef Dieter Zetsche weiter bekanntgab, soll es von der kommenden Saison an unter dem Namen Mercedes Grand Prix an den Start gehen.
Das Stuttgarter Unternehmen erwirbt einen 75,1-Prozent-Anteil an Brawn GP, davon 30 Prozent durch den Daimler-Anteilseigner Aabar. 24,9 Prozent bleiben bei den bisherigen Besitzern, unter anderem Ross Brawn und Team-Direktor Nick Fry. In diesem Jahr lieferte Mercedes die Motoren für den britischen Rennstall. Das Team von Brawn holte mit Jenson Button den Fahrer-Titel und wurde zudem Konstrukteurs-Weltmeister.
Der bisherige Mercedes-Partner McLaren wird laut Zetsche in den kommenden zwei Jahren die 40 Prozent Anteile der Schwaben zurückkaufen, aber bis voraussichtlich 2015 weiterhin Motoren erhalten. Mit dem Deal könne Mercedes sein Formel-1-Engagement künftig "sehr viel effizienter gestalten". Demnach werde der Autobauer seine Kosten für den Start in der Königsklasse auf bis zu ein Viertel des bisherigen Werts senken können. Die Interessen der beiden Unternehmen hätten nicht mehr zu 100 Prozent übereingestimmt. McLaren habe zunehmend den Aufbau eines Automobil-Unternehmens angestrebt. "Daher ist es folgerichtig, dass wir daraus miteinander die Konsequenzen gezogen haben", sagte Zetsche.
Die Bekanntgabe der beiden Fahrer des neuen Teams Mercedes GP werde "noch ein bisschen dauern", sagte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug. "Das müssen wir sorgsam klären." Im Gespräch ist ein deutsches Piloten-Team mit dem Wiesbadener Nico Rosberg und dem Mönchengladbacher Nick Heidfeld. Teamchef soll der Brite Ross Brawn bleiben. Für die Trennung von McLaren sei "eine friedliche Lösung gefunden worden", betonte Haug. Zuvor war spekuliert worden, dass für Champion Button nun kein Platz mehr bei seinem bisherigen Team sein könnte. Button steht offenbar vor einem Wechsel zu McLaren als zweiter Pilot neben Lewis Hamilton.
Daimler-Betriebsratschef Erich Klemm hat sich gegen die Übernahme des Formel-1-Team Brawn GP durch Mercedes ausgesprochen. "Der Ausstieg bei McLaren wäre für Mercedes eine Chance gewesen, den insgesamt kostspieligen und in seiner Wirkung umstrittenen Formel-1-Zirkus zu verlassen", so Klemm. "Wir haben kein Verständnis dafür, dass der Vorstand mit dem Ausstieg gleich wieder ein neues Formel-1-Abenteuer beginnt."
Der Betriebsratsvorsitzende betonte: "In den Fabriken wird derzeit jeder Cent dreimal umgedreht. Die Beschäftigten nehmen in der Krise aufgrund von Arbeitszeitverkürzung und Kurzarbeit erhebliche Einkommensverluste hin." Das Unternehmen sollte in den wirtschaftlich schwierigen Zeiten deshalb besser in das Marketing seiner realen Autos investieren.
Daimler kämpft seit mehr als einem Jahr mit der Branchenkrise. Zetsche hatte deshalb im Frühjahr einen massiven Sparkurs eingeschlagen. Bundesweit sind 27.400 Mitarbeiter in Kurzarbeit, für weitere 89.000 Beschäftigte in Deutschland gelten verkürzte Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich. Tausende Jobs wurden bereits gestrichen, weitere 1.000 in Deutschland sollen bis zum Frühjahr 2010 folgen.
Letzte Änderung am: 16.11.2009, 13.41 Uhr