Sendung vom Sonntag, 4.12.2011 | 20.15 Uhr | SWR Fernsehen
Die Pfahlbauten in Unteruhldingen, die Höhlenkunstwerke der Schwäbischen Alb oder der Fund von mehr als 450 säuberlich zerteilten Leichen in Herxheim in der Pfalz - all das sind Hinterlassenschaften aus der Steinzeit. Auch wenn viele noch denken, der Neandertaler sei dumpf gewesen, hätte nur Mammute erlegt und in Höhlen gelebt. Tatsächlich waren die Steinzeitmenschen vergleichsweise hochmoderne Materialspezialisten, die damals grundlegende Dinge wie das Rad erfanden. Wie lebendig die Steinzeit vor allem im Südwesten heute noch ist, darüber unterhält sich Markus Brock diesmal am "SonntagAbend" mit seinen Gästen.

Pfahlbauten-Museum Unteruhldingen
Vor 40.000 Jahren lag die Durchschnittstemperatur auf der Schwäbischen Alb bei minus einem Grad, Gletscher breiteten sich über der Landschaft aus, Tundra bedeckte das alte Tal der Urdonau, die längst ihr Bett verlassen hatte und nach Westen abgeflossen war. Es gab keine Wälder, nur vereinzelt ragten Krüppelkiefern oder Zwergbirken auf. Mammuts, Pferde und Rentiere zogen in Herden durch die Ebene auf der Suche nach Nahrung.
Über Jahrtausende hatten Neandertaler unter Bergvorsprüngen und in Höhleneingängen Schutz gesucht. Sie hatten Feuer und schlugen aus Stein Faustkeile, Keilmesser oder Schaber. Als sich vor etwa 38.500 Jahren das Klima erwärmte und die Umwelt so günstige Bedingungen bot, wie seit langem nicht, wanderten vom Südosten die Homo sapiens sapiens ein. Sie begannen mit Ackerbau und Viehzucht, sie bauten Speere, verzierten Höhlen mit wunderschönen Kunstwerken und begannen sogar, ihre Toten zu begraben.
Am Höhleneingang von Hohle Fels auf der Schwäbischen Alb fanden Archäologen grandiose Funde wie einen aus Mammutelfenbein geschnitzen Wasservogel, und ganz in der Nähe davon einen Löwenmenschen aus demselben Material, ein kleines aufrecht stehendes Wesen mit Tierkopf. Kaum vorstellbar, dass diese Dinge von Menschen geschnitzt wurden, die vor 35.000 Jahren lebten.
Als dann vor exakt 20 Jahren der mumifizierte Steinzeitmensch "Ötzi" in den Alpen entdeckt wurde, war das eine weitere Sensation. Da die Leiche des jungsteinzeitlichen Mannes die ganze Zeit gefroren war, blieb sie über die Jahrtausende gut erhalten. Selbst seine Kleidung, das Werkzeug, das er bei sich trug und sein Rucksack wurden bei ihm gefunden. Für die Wissenschaft boten sich nun ganz neue Erkenntnisse zu Gesundheit, Techniken und Lebensstil der Jungsteinzeit.
Was war Ötzi für ein Mensch? Wie lebten die Menschen in der Steinzeit? Was haben die Menschen damals gegessen? Was fasziniert die Menschen bis heute an der Steinzeit? Was ist bis heute von der Steinzeit geblieben? Warum schlummert in vielen der Wunsch, in der Steinzeit zu leben? Wie zivilisiert waren die Menschen vor tausenden von Jahren? Gemeinsam mit seinen Gästen wird sich Markus Brock auf die Antwort nach diesen und vielen anderen Fragen machen.
Letzte Änderung am: 28.10.2011, 23.30 Uhr