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Mario Adorf über die schwarzweißen Jahre
Der Schauspieler Mario Adorf wurde 1930 in Zürich geboren und wuchs in Mayen (Eifel) auf. Anfang der 50er Jahre studierte er in Mainz Philosophie und Theaterwissenschaften. 1953 ging Adorf zunächst nach Zürich, dann nach München, wo er Schauspiel studierte. Im Interview erinnert sich der Weltstar an die schwarzweißen Jahre und verrät, warum er in Mayen Boxen lernte.

Mario Adorf im Jahr 1951
SWR.de: Herr Adorf, Sie haben von 1950 an in Mainz studiert. Wie haben Sie diese Zeit in Erinnerung behalten?
Mario Adorf: Ich habe viele lebhafte Erinnerungen daran. Ich habe vier Semester in Mainz studiert und auch zum Teil in den Semesterferien hier gejobbt. Die Zeit war sehr wichtig für mich und meine spätere Berufswahl. Denn als ich nach Mainz kam, wusste ich noch nicht, was ich werden sollte oder was ich studieren sollte. Viele Möglichkeiten waren versperrt durch einen Numerus Clausus, beispielsweise Medizin, was mich auch als Fach interessiert hat. Man musste sich arrangieren. Zudem gab es keine finanzielle Unterstützung wie BAFöG und ich hatte kein Geld, also musste ich in den Semesterferien jobben. Diese Erfahrungen haben sich bei mir eingeprägt. Das waren zwei der wichtigsten Jahre meines Lebens.
Sie haben einmal gesagt, Sie hätten auch während des Studiums noch sehr oft Hunger gelitten.
Ja, man musste laufend daran denken, dass man etwas zu essen bekam. Man hatte wirklich sehr, sehr wenig. Ich konnte mir es manchmal leisten, einmal sonntags für 1,05 Deutsche Mark ein Mittagessen in einem Restaurant zu mir zu nehmen. Ansonsten lebten und überlebten wir von der Hoover-Speisung. Das waren schon harte Zeiten.
Trotzdem: Was war Ihr schönstes Erlebnis in dieser Zeit?
Da gibt es sicher einige. Wir hatten viel Spaß beim Sport, beim Fußballspielen - es gab nicht nur das trockene Studium. Ich denke vor allem an meine Endkämpfe im Boxen bei der Studentenmeisterschaft, meine erste Theaterpremiere im Studententheater oder auch an den schönen Mainzer Karneval. An der Uni wurden damals große Feste gefeiert. Und ich denke an Gustav Heinemann, der gegen die Wiederbewaffnung war. Wir waren da auf seiner Seite. Es war schon eine sehr interessante Zeit.
In der Nachkriegszeit haben Sie gelernt, wie man boxt. Warum?
Das war noch in meiner Heimatstadt Mayen in der Eifel. Wenn man sich nicht wehren konnte, wurde man brutal ausgeraubt, wenn man mal etwas erstanden oder gehamstert hatte. Man musste sich nolens volens verteidigen können, sonst war man schlecht dran.
Sie haben über vierzig Jahre in Rom gelebt, heute wohnen Sie in St. Tropez. Was bedeutete Ihnen noch die Stadt Mayen?
Mayen ist meine Heimat. Ich sage immer: "Man kann an vielen Orten zu Hause sein, aber man hat nur eine Heimat". Und Heimat, das ist dort, wo man aufgewachsen ist, wo man die ersten Kinderlieder gesungen hat, wo man die erste Liebe erlebt hat - und das ist für mich Mayen.
Herr Adorf, vielen Dank für das Interview.
Die Fragen stellte Leonie von Bremen.
Letzte Änderung am: 30.12.2009, 14.45 Uhr