Reportage von Rita Knobel-Ulrich
Sendung vom Dienstag, 5.1.2010 | 22.30 Uhr | SWR Fernsehen
Mehr als drei Millionen Kinder leben bei alleinerziehenden Müttern, manchmal auch Vätern. Jede zweite Ehe wird in Deutschland geschieden, und dann bleiben Eltern oft nicht am gleichen Ort. Ein neuer Job, eine neue Liebe, und schon trennen Hunderte Kilometer die einst intakte Familie. Aus Angst, dass sie den entfernt lebenden Vater gar nicht mehr sehen, nehmen viele Kinder dann in Kauf, in überfüllten Fliegern oder Zügen zu hocken: Freitags zu Papa, sonntags zurück zu Mama. Tapfer tragen sie die Konsequenzen aus dem Scheitern der Ehe ihrer Eltern.
Nikolai zum Beispiel. Der Sechsjährige sitzt am Flugsteig 19 des Hamburger Flughafens zwischen abgehetzten Geschäftsleuten, das Namenschild um den Hals, von der Stewardess mit Malstiften versorgt. Nikolai kennt das alles schon. Jeden vierten Donnerstag im Monat fliegt der Erstklässler zu Papa nach Stuttgart. Die Bonus-Meilen auf seiner Vielflieger-Karte würden manchen Erwachsenen neidisch machen.
Oder Max und Till aus Berlin, deren Vater in Süddeutschland wohnt. Sie dürfen an "Vater-Wochenenden" früher aus der Schule weg, damit sie den "Kinder-IC" der Bahn erreichen. Hausaufgaben erledigen sie schnell im Zug. Die Begleiter der Bahnhofsmission kümmern sich um sie, haben Spiele dabei, können zuhören und trösten. Und passen auf, dass kein Kind verloren geht. Oft sind die Züge verspätet und die Kinder erst spät abends am Ziel.
SWR-Reporterin Rita Knobel-Ulrich hat kleine Pendler auf ihren Reisen begleitet.
Letzte Änderung am: 22.12.2009, 15.51 Uhr
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