Holzdorf im Wolfsland
Sendung vom Samstag, 19.3.2011 | 6.00 Uhr | SWR Fernsehen
Zwischen Himmel und Erde, Dichtung und Wahrheit, zwischen Niederer und Hoher Tatra liegt das Dorf Vlkolinec in der östlichen Slowakei. Nachts, so erzählen die Alten aus Erfahrung und die Kinder voller Respekt, höre man die Wölfe heulen.
Die Ahnung stimmt, die Gegend ist eine der wenigen in Europa, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen und tatsächlich noch Bären und Wölfe hausen. Die wilden Jäger haben dem Ort schließlich seinen Namen gegeben - Wolfsdorf. Auf einem Hochplateau vor der grandiosen Kulisse des Bergkegels Sidorovo gelegen, hat sich Vlkolinec seit Jahrhunderten aus dem Weltgetriebe ferngehalten. Keine Straße, kein Strom, kein Wassernetz, keine Revolutionen haben bis vor kurzem den Charakter der Siedlung tangiert und die Enklave aus ihrem mittelalterlichen Kulturschlaf geweckt.
So konnte sich die einmalige Architektur des Ortes bewahren, eine Wohn- und Arbeitswelt ganz aus Holz geschnitzt, ein geschlossenes Ensemble aus rund 50 Bauten, fein, geduckt und bunt bemalt - einmalig in Mitteleuropa. In Vlkolinec leben heute noch 35 Bewohner ständig. Viele sind um die achtzig Jahre alt und gehen hier einem Leben nach im Einklang mit der Natur. Tiere, Pflanzen und Menschen in einer Symbiose, die uns fern entrückt erscheint - 800 Meter über dem Meer, zwischen Erde und Himmel. In der hohen Stille heulen nur der Wind und die Wölfe.
Daten & Fakten
Kulturdenkmal: Ensemble von 45 kaum veränderten Bauernhäusern mit steinernen Sockeln, Lehmwänden und Holzschindelbedachung in dem 718 m hoch gelegenen Haufendorf Vlkolínec, dessen Name von »vlk« (»Wolf«) abgeleitet ist
UNESCO-Ernennung: 1993
1376
erstmalige urkundliche Erwähnung
1551
Dorf mit nur vier Anwesen
1630
Verordnung zur Einrichtung von Wolfsgruben
1770
Bau des Glockenhauses
1775
Bau der hölzernen Kirche der Heimsuchung der Jungfrau Maria
1944
teilweise Zerstörung im Zuge von Vergeltungsmaßnahmen der deutschen Wehrmacht
1977
unter Denkmalschutz gestellt
Copyrightvermerk für Daten & Fakten
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Letzte Änderung am: 26.09.2011, 08.29 Uhr