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Afrika: Botswana Filmtext & Video

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14:34 min | Mo, 2.5.2016 | 15:30 Uhr | 3sat

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Tsodilo: Die vier Hügel von Tsodilo, Botswana, Folge 360

3Sat

Vier Hügel dominieren eine riesige Ebene am nordwestlichen Rand der Kalahariwüste in Botswana. Dieses Kulturdenkmal ist eine spirituelle Kultstätte der San-Buschmänner mit Felsmalereien. Noch heute ist er für die Buschleute ein heiliger Ort, durchaus vergleichbar mit dem Ayers Rock in Australien. Tsodilo - der Fels, der flüstert. Auf und um Tsodilo gibt es über 4000 Felszeichnungen die 2001 von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt wurden.

Filmtext

Manchmal verfolgen sie ihre Beute über Tage, warten bis das Gift ihrer Pfeile Wirkung zeigt. Niemals töten sie ohne Notwendigkeit. Jagd ist Ritual, eine mythische Handlung. Die Quelle allen Lebens ist die Erde. Sie gehört weder den Menschen noch den Tieren, sondern Menschen und Tiere gehören der Erde. Jeder darf von ihrer Fülle nur soviel nehmen, wie er zum Leben braucht.

Nach dieser 'Strategie der Bescheidenheit' haben die Buschleute der Kalahari, über dreißigtausend Jahre gelebt und gehandelt.

Der 'Female Hill' im Abendlicht. Für die Buschleute ist dort der Sitz ihrer Götter

Der 'Female Hill' im Abendlicht. Für die Buschleute ist dort der Sitz ihrer Götter

'Tsodilo' oder auch 'die Berge der Götter', werden die vier Hügel ehrfurchtsvoll von den Einheimischen genannt. 450 Millionen Jahre sind sie alt.

Wie Zeichen aus einer fernen, anderen Welt ragen sie einsam aus den endlosen Weiten der Savanne Botswanas. Uralte Kultstätten der Menschheit haben hier im Verborgenen überlebt, beschützt von der Magie, die diesen Ort schon umgab, als er noch mitten in einem riesigen See lag, weit vor der Zeit der Buschleute.

Vor zwanzigtausend Jahren verschwand das Wasser allmählich. Die Tiere zogen sich in das viele Kilometer entfernte Okawangodelta zurück.

Heute leben in Sichtweite der Hügel zwei kleine Volksgruppen friedlich zusammen: Die dunkelhäutigen Hambukushu, Bauern und Viehzüchter. Vor 300 Jahren sind sie aus dem Gebiet des heutigen Angola eingewandert und die letzten Nachkommen der Buschleute, die hellhäutigen '!Kung'.

Für beide Gruppen haben die mythischen Orte um die Hügel von Tsodilo bis in die Gegenwart nichts von ihrer Ehrfurcht gebietenden Macht verloren. Die Hambukushu glauben 'Nyambe', Gott habe hier ihr Volk mitsamt seinen geliebten Rindern vom Himmel herabgelassen.

Die Löwenzeichnung auf dem, nach ihr benannten 'Lion Trail'. Nachdem es hier schon lange keine Löwen mehr gibt, muss die Zeichnung sehr alt sein

Die Löwenzeichnung auf dem, nach ihr benannten 'Lion Trail'. Nachdem es hier schon lange keine Löwen mehr gibt, muss die Zeichnung sehr alt sein

Für die !Kung liegt in den Hügeln das visuelle Manifest ihrer viel tausendjährigen Geschichte verborgen: Felsbilder, gemalt von Buschmann-Künstlern. Geschützt von Felsüberhängen und dem trockenen Klima, sollen die ältesten Zeichnungen vor über 20 000 Jahren entstanden sein, als es hier noch Rinozerosse und Wasserstellen gab.

Die !Kung glauben heute nicht mehr, dass die Bilder von Menschenhand geschaffen wurden, schließlich seien die Berge ja Sitz der Götter. In den Wirren der vergangenen Jahrhunderte, als eine große Zahl von Buschleuten im Kampf um Land getötet wurden, ging auch das Wissen um die Kunst der Felsmalerei verloren. Ein Reisender zu Mitte des vorigen Jahrhunderts verglich Tsodilo wegen seiner Felsbilder mit einem 'mit Schätzen angefüllten Louvre der Wüste'.

Auch heute noch lässt sich diese Galerie der Urzeit nur zu Fuß erwandern. Es sind Rundwege, die zu den Plätzen führen, an denen die frühen Vorfahren der Buschleute wahrscheinlich schon auf Fels gezeichnet haben, als auch im fernen Europa die Menschen mit ähnlichen Ideen die Wände ihrer Höhlen ausgestalteten .

Vielleicht liegt ja sogar der Beginn der Felsmalerei hier in Afrika, in den Hügeln von Tsodilo. Immer noch ist zu vieles unerforscht. Kaum ein Gebiet der Archäologie kennt mehr offene Fragen.

Vor dem Löwen ist keines der Tiere der Savanne sicher

Vor dem Löwen ist keines der Tiere der Savanne sicher

Nicht nur die nach dem Ursprung der Malereien bewegt die Wissenschaft. Waren es einfach Bilder, die den Betrachter erfreuen wollten, wie der Löwe oder das Zebra, oder vielleicht provozieren wollten, wie das Bild 'Tanzende Penise'. Oder waren es verschlüsselte Botschaften an andere Jäger? Waren es Symbole einer unbekannten Glaubenswelt, oder Träume von einem verlorenen Paradies, in dem es reichlich Jagdtiere und Wasser gab?

Die letzten !Kung können fast nichts mehr beitragen zur Klärung all dieser Fragen. Ihre Nomaden-Kultur zerstörten in wenigen Jahrhunderten eindringende schwarze Stämme und weiße Siedler. Die Kette mündlicher Überlieferung eines einstigen Nomaden-Volkes, das es dreißigtausend Jahre verstanden hatte in einer überwiegend lebensfeindlichen Savanne zu überleben, wurde damit für alle Zeiten ausgelöscht.

Am leichtesten noch lassen sich die Rezepturen der Farben entschlüsseln. Die rötlichen bis gelbbraunen Töne entstanden durch gemahlenes Eisenoxid. Weiße Farben enthalten Vogelexkremente, Silikate und Zinkoxid.

Diese Bilder sind jüngeren Datums und stammen wahrscheinlich von den Hambukushu. Sie zeigen Haustiere und Menschen.

Eine Kunst haben die !Kung Frauen wieder für sich entdeckt, die Herstellung von Schmuck aus Straußeneierschalen, Leder, Stachelschweinborsten und anderen Naturmaterialien. Den Besuchern der Felsmalereien gibt es Gelegenheit etwas Geld in dem Dorf am Fuß der Hügel von Tsodilo zu lassen.

An der Idee die dreidimensionale Welt auf die zweidimensionale des Felsens zu reduzieren, daran haben die Menschen sicher Jahrtausende experimentiert und gearbeitet. Silhouettendarstellungen sind die frühesten erhaltenen Belege auf diesem Weg. Irgendwann gelingt eine einfache Perspektive, Linien und Zeichnung werden feiner, lassen Details erkennen. Kunstwerke' entstehen.

Wären sie nicht auf massiven Fels gemalt, müsste man wahrscheinlich gar nicht mehr nach Afrika reisen um sie zu bewundern, längst hätten sie den Weg in einschlägige Museen gefunden. So aber haben die !Kung das Privileg, dass sie noch mit den Wurzeln ihrer Kultur leben dürfen. Die Ehrfurcht mit der sie ihnen heute begegnen, als einem Werk ihrer Götter, legt nahe, dass die frühen Künstler zwar keine Götter, wohl aber Priester und Schamanen gewesen sein könnten.

Einem Ort, hoch in den Felsen von Tsodilo, kommt in diesem Zusammenhang besondere Bedeutung zu: der Höhle des steinernen Python. Archäologen vermuten hier eine der ältesten Kultstätten der Menschheit überhaupt.

Bereits vor siebzigtausend Jahren soll die Oberfläche dieses steinernen Monsters künstlich behauen worden sein, wie eine Schlangenhaut. In der Mythologie der Buschleute hat der Python große Bedeutung. Er sei es einst gewesen, der auf der Suche nach Wasser die Tsodilo Hügel umkreiste und so langsam aus dem Sand hob. Versteckt vor den Augen des Besuchers liegt hinter der Schlange noch ein kleiner Raum. Hier könnte ein Priester für den Python gesprochen haben.

Ein Orakel der Vorzeit? 'Tsodilo' heißt 'der Fels der flüstert'. Dieser uralte Name wäre ein weiteres Indiz. Die Menschen kamen von weit her, um mit der Schlange zu sprechen. Das belegen Funde im Boden der Höhle.

Die Zeiten reicher Jagdbeute sind für die !Kung längst vorbei. Heute ist es meist Feuerholz, das sie von ihren ausgedehnten Streifzügen mitbringen. Im Leben der Buschleute existieren zwei Welten nebeneinander: die Reale und die Übernatürliche, zu der nur Auserwählte Zugang finden.

Gott schickt den Menschen nicht nur Gutes sondern auch Krankheiten und Streit, oder er verweigert ihnen den Regen. Tiere haben Kräfte diese Übel zu überwinden. Versetzt sich ein Schamane durch Tanzen in Trance, so kann er mit ihnen sprechen und ihre Hilfe erbitten.

Giraffen in Okapuka

Giraffen in Okapuka

Giraffen verfügen über die Fähigkeit das Wetter zu beeinflussen. Ihr langer Hals ist die Leiter in den Himmel, um von dort den Regen zu holen. Vielleicht wurde das Bild der Giraffe einst gemalt um diesen Zauber in die reale Welt zu übertragen.

Die !Kung sind die letzten Nachfahren der Ureinwohner des südlichen Afrika. Ihre Freiheit als Jäger und Sammler haben sie gegen die Sesshaftigkeit getauscht. Den Mut und die Fähigkeit Felswände zu bemalen haben sie verloren. Der Tanz ist die einzige Verbindung, die ihnen noch zu ihrer früheren Welt geblieben ist.

Buch und Regie: Rüdiger Lorenz und Faranak Djalali

Filmmusik & Stab

Musik:

Schätze der Welt II - Vor- und Abspann:
Oliver Kraft

Soundtrack Tsodilo:
Christian Polloni



Buch und Regie: Rüdiger Lorenz und Faranak Djalali
Kamera: Anton Mayer, Michaela Mergenhagen

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