Bitte warten...

SENDETERMIN Di, 4.4.2006 | 23:32 Uhr | SWR Fernsehen

Asien: Türkei Troia

Schicksalshügel der Archäologie

Troia: Wer kennt nicht ihre Geschichte, von Homer in der Ilias besungen, die so tragisch in völliger Zerstörung geendet haben soll. Zwei Jahrtausende galt Troia als sagenumwobene Metropole ägäischer Hochkultur.

Um das Video abspielen zu können, benötigen Sie Javascript. Bitte aktivieren Sie dies in Ihrem Browser.
Der Schliemann-Graben zieht sich quer durch den ganzen Hügel. Vieles wurde dabei zerstört.

Der Schliemann-Graben zieht sich quer durch den ganzen Hügel. Vieles wurde dabei zerstört.

Dort, wohin Paris, Sohn des Priamos, die schöne Helena entführte, die Frau des Menelaos, König von Mykene. Wohin der Betrogene mit Agamemnon, Achilleus, Odysseus und anderen großartigen Helden Griechenlands schwerbewaffnet zog. Wo um die schöne Helena ein zehnjähriger Krieg entbrannte. Worüber sich sogar die Götter stritten, Athene gegen Aphrodite kämpfte und Göttervater Zeus selbst hin- und hergerissen war zwischen Bestrafen und Vergeben. Ein literarischer Ort, den es wirklich gegeben haben soll. Und den es tatsächlich gegeben hat, wie sich jetzt mehr und mehr herausstellt. Troias Ruinen liegen auf dem Hügel Hisarlik bei Canakkale an den Dardanellen in der Türkei. Ein Schicksalsberg der Archäologie.

Heinrich Schliemann gehörte zu den ersten, die Homer beim Wort nahmen. Er war überzeugt von einer griechischen Metropole in Nahost. Und er fand Troia.

Heinrich Schliemann gehörte zu den ersten, die Homer beim Wort nahmen.

Heinrich Schliemann war überzeugt, das dichterische Troia vor sich zu haben. Doch nicht nur das. Neun Siedlungsschichten lagen übereinander, von der frühen Bronzezeit bis ins Römische Reich, mit mehreren Blütezeiten. Heute zählt Troia zu den modernsten Ausgrabungsstätten unserer Zeit. Geschichte wird neu geschrieben: Homers Troia gehörte zum Hethiterreich. Das antike Epos, Grundlage und Quelle europäischer Literatur, könnte ein Zeugnis anatolischer Hochkultur sein. Noch dazu ein ziemlich genaues. Der Schicksalsberg birgt noch viele Überraschungen: ein sagenhafter Ausflug vom Mythos zur Wahrheit.

Daten & Fakten

Kulturdenkmal: nach Homer »Ilias» unter König Priamos eine blühende Handelsmetropole; Ausgrabungsstätten von 46 Bauphasen Troias, u.a. Südtor, Theater, Ostmauer und Turm, Osttor, Megaronhaus, Vorplatz des Athena-Tempels, Propylon, Megaronbauten sowie römisches Odeion
UNESCO-Ernennung: 1998
3500-3000 v. Chr.
Gründungsperiode von »Troia»
2500-2300 v. Chr.
Troia II und »Schatz des Priamos»
1700 v. Chr.
Stadt mit einer Ausdehnung von 18000 qm
334 v. Chr.
Eingliederung in das Reich Alexanders des Großen
85 v. Chr.
fast vollständige Zerstörung
1871-94
Ausgrabungen durch die Archäologen Heinrich Schliemann und Dr. Wilhelm Dörpfeld
1890
Tod Heinrich Schliemanns
1932-38
Ausgrabungen durch den amerikanischen Archäologen Carl William Blegen
1988
Wiederaufnahme der Ausgrabungen unter Prof. Dr. Manfred Korfmann (Universität Tübingen) mit Schwerpunkten Bronzezeit und Archäobiologie
1998
Grabungskampagne mit 70 wissenschaftlichen Mitarbeitern

Copyrightvermerk für Daten & Fakten
© Chronik Verlag im Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH Gütersloh/München 2000 - 2010

Aktuell im SWR