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SENDETERMIN So, 17.6.2001 | 21:00 Uhr | 3sat

Europa: Russische Föderation Solowetzky Inseln

Bastion Gottes

Die Solowetzky-Inseln, sechs Inseln im Weißen Meer am Eingang der Onegabucht, sind nur 160 Kilometer vom Polarkreis entfernt. Der Mönch Sawwati und der Einsiedler German waren die ersten, die auf die Inseln kamen.

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Solowetzky-Inseln: Geschichts- und Kulturdenkmäler auf den Solowetzky-Inseln am Weißen Meer: Klosteranlage

Solowetzky-Inseln: Klosteranlage

Nach Sawwatis Tod holte German einen Nachfolger nach Solowki, Sosimo, und gemeinsam mit anderen Mönchen begannen sie zu bauen, ein Kloster und Kirchen. Sawwati und Sosimo gingen in die russische Glaubenswelt ein, als die wundertätigen Gründerväter des Solowetzker Klosters. Im 16. Jahrhundert war die Bruderschaft reich geworden, die Holzkirchen wurden ersetzt durch steinerne Bauten, die Verwandlungskathedrale, die Entschlafungskathedrale, das Refektorium.

Im Reich Iwan des Schrecklichen spielte das Kloster auch eine strategische Rolle. 1571 wurden erstmals schwedische Schiffe vor Solowki gesichtet - ein Ausläufer des Kriegs um Livland. Das Kloster, die Bastion Gottes, wurde zur Festung. Peter der Große kam 1702 nach Solowki um von hier seinen Krieg gegen die schwedischen Festungen im Onega-See zu führen. Als Zar Peter die Schweden vertrieben hatte, war Russlands Weg zur Ostsee frei.

Nach Sawwatis Tod holte German einen Nachfolger nach Solowki, Sosima, und gemeinsam mit ihm und anderen Mönchen, die im Lauf der Jahre vom Festland kamen, begannen sie zu bauen.

Der Nachfolger Sosima

Andreas Christoph Schmidt erzählt in seinem Film aber nicht nur von frommen Mönchen und kriegerischen Zaren. Als Alexander Solschenizyn den Begriff Archipel Gulag prägte, dachte er an den Archipel Solowki. Das Lager Solowki war Russlands erstes großes Häftlingslager, das Modell des sowjetischen Lagersystems. War es Zynismus der neuen Herren Russlands, dass sie hier ein Lager errichteten? Waren es praktische Überlegungen? Die Klosterfestung hatte auch früher schon als Gefängnis gedient, als orthodoxes Alcatraz, von Zar und Patriarch mit Häftlingen beschickt. Viele Jahre gab es kein Haus, keine Kirche und kaum eine Hütte auf den Inseln, in denen nicht Gefangene gepfercht worden wären. Heute leben wieder Mönche auf den Inseln, nach strengen Regeln.

Der Putz blättert von den Wänden und gibt den Blick frei auf Fresken die übertüncht wurden, damit die Gefangenen ihre Schutzheiligen nicht sehen.

Daten & Fakten

Kulturdenkmal: Archipel mit einer Fläche von 347 qkm, bestehend u. a. aus den 6 großen Inseln Bolschoi Solowetsky, Anser, Bolschaja und Malaja Muksalma, Bolschoi und Malyi Sajats; Klosteranlage, gegründet von Mönchen des Kirill-Klosters, im 16./17. Jh. Zufluchtsstätte für Altgläubige
UNESCO-Ernennung: 1992
1429
Gründung einer Einsiedelei
1435
Gründung eines Klosters
1552-57
Bau der Mariä-Himmelfahrts-Kirche mit Refektorium
1558-66
Bau der Christi-Verklärungs-Kathedrale
1584-94
Ausbau des Klosters zu einer Festung
1596-1601
Bau der Mariä-Verkündungs-Kirche
1619
Bau des Wachhauses
1668-76
Belagerung des Klosters durch Truppen des Zaren
1920
Auflösung des Klosters
1923-39
Nutzung als Zwangsarbeitslager
1939-47
Nutzung durch die sowjetische Nordmeerflotte
1942-45
Nutzung als Seefahrtschule
1962
Beginn der Restaurierung
1990
Neubeginn des Klosterlebens

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© Chronik Verlag im Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH Gütersloh/München 2000 - 2010

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