SENDETERMIN Sa, 26.1.2013 | 6.00 Uhr

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Europa: Österreich

Semmering

Eisenbahn und Zauberberg

Ein Film von Ute Gebhardt

An alles hatten Karl Ritter von Ghega, der Planungschef der österreichischen Staatsbahn, und seine Mitarbeiter gedacht, als die Semmeringbahn am 18. April 1854 feierlich von Kaiser Franz Josef eröffnet wurde. Nur an eines nicht: der Schornstein der Lokomotive war für die Gloggnitzer Bahnhofshalle zu hoch.

Im Juni des Revolutionsjahres 1848 fiel die Entscheidung für den Bau der Semmeringbahn.

Im Juni des Revolutionsjahres 1848 fiel die Entscheidung für den Bau der Semmeringbahn.

Bei der Einfahrt krachte er herunter und hüllte die feine österreichische Gesellschaft in Rauch und Ruß. Der Kaiser aber behielt die Nerven und Karl Ritter von Ghega durfte triumphieren. Die erste Hochgebirgsbahn der Welt konnte ihren Betrieb aufnehmen.

Nur sechs Jahre früher, im Revolutionsjahr 1848, entschloss man sich zu ihrem Bau. Es war eine verwegene Unternehmung. Über den Gebirgspass Semmering führte der kürzeste Weg von Wien an die Adria. 42 Kilometer galt es zu überwinden. Von Wien gab es schon eine Eisenbahn ins niederösterreichische Gloggnitz. Und auf der anderen Seite des Gebirges führte die Strecke vom steirischen Mürzzuschlag nach Graz und von dort weiter nach Süden.

Viele Monate wanderte Karl Ritter von Ghega durch den Semmering um all die Schluchten und Berge kennen zu lernen. Die Bahnstrecke musste über Gräben hinweg, durch Berge hindurch und an Felswänden entlang gebaut werden. Ghega plante 15 Tunnel und 16, zum Teil zweistöckige, Viadukte. Zeitweise bauten bis zu 20.000 Arbeiter an der Bahnstrecke.

Die erste Hochgebirgsstrecke der Welt

Die erste Hochgebirgsstrecke der Welt

1998 wurde die Semmeringbahn und damit diese tollkühne technische Meisterleistung von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt.

Der Film zeigt die heute noch faszinierende Bahnstrecke, er erinnerte auch an die K und K - Zeit als der Semmering zum Zauberberg wurde. In den Villen und Palästen feierten die Sommerfrischler rauschende Feste, die Künstler des Fin de Siècle pilgerten in eine Landschaft die sich ausbreitet als sei sie inszeniert. Der Semmering war zum Mythos geworden und der Traum von der Adria wahr.

Daten & Fakten

Kulturdenkmal: eine 41 km lange Eisenbahnverbindung über den Semmering mit 16 Tunneln, 16 Viadukten und 129 Brücken; Verwendung von 64,5 Mio. Ziegeln für die Erstellung der Kunstbauten; 1048 Menschen verstarben während der Bauzeit der Semmeringbahn infolge Krankheit oder Unfall; Semmering als literarisches Thema in Stefan Zweigs »Brennendes Geheimnis« und Karl Kraus' »Die letzten Tage der Menschheit«
UNESCO-Ernennung: 1998
1803
Reisen des Baumeisters Karl Friedrich Schinkel und des Schriftstellers Johann Gottfried Seume zum Semmering
1839-41
Bau einer Straße über den Semmering
1848-54
Bau der Semmeringeisenbahn
1851
Lieferung von vier Lokomotiven, u. a. der »Seraing« der Firma John Cockerill (Belgien)
1851
der »Vater der Semmeringbahn«, Karl Ghega, wird geadelt
15.5.1854
Freigabe der Strecke für den Güterverkehr
17.7.1854
Freigabe für den Personenverkehr
1882
Bau des luxuriösen Südbahnhotels
1948
nach den Kriegs- und Nachkriegswirren Wiedereröffnung des Südbahnhotels
1989
Planung, aber bisher keine Realisierung der Untertunnelung der historischen Semmeringbahn für die Hochgeschwindigkeitsstrecke der Südbahn

Copyrightvermerk für Daten & Fakten
© Chronik Verlag im Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH Gütersloh/München 2000 - 2010

Stand: 01.06.2011, 12.59 Uhr