Filmtext & Video

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14:52 min | Sa, 12.2.2011 | 13.50 Uhr | SWR Fernsehen

Filmtext


Anmutig, friedvoll, weit und frei, eine Natur im Gleichgewicht. Als hätte es nie eine derart massive Eingriffnahme durch den Menschen in ihren biologischen Rhythmus gegeben. Vor 200 Jahren begannen die Planungen zu einer künstlichen Wasserstraße, die im Südosten Kanadas die Städte Ottawa mit Kingston am Ontario See verbinden sollte, der RIDEAU CANAL. Eine glückliche Liaison zwischen Technik und Natur.

Der Englische Leutnant und Ingenieur Colonel John By wird beauftragt einen Kanal zu bauen, dessen Verlauf den Rideau Fluss mit den unzähligen Seen in der Provinz Ontario verbinden soll. 43 Schleusen lässt John By dazu auf einer Länge von 202 Kilometern in die unberührte Wildnis des Rideau bauen.

Seit 1832, als das Bauwerk eingeweiht wurde, hat sich am längsten Kanal des amerikanischen Kontinents kaum etwas verändert. Nur damals, während des Baus, hat der Rideau Kanal das soziale Gefüge der Umgebung nachhaltig beeinflusst.

Eine neue Wasserstraße, ein Handelsweg, eingefügt in die einst fisch- und wildreichen Jagdgründe der indianischen Stämme Nordamerikas. Nur mühsam erhalten sie bis in unsere Zeit ihre uralten Rituale, nachdem Engländer und Franzosen die ausgedehnte Wald- und Seenlandschaft kolonisierten und damit europäisierten. Verlockend sind die Handelsangebote der Europäer an den Stamm der Algonquin, die in der Provinz Ontario leben. Sie verkaufen große Teile ihres Landes. Indianisch geblieben ist bloß der Name der kanadischen Hauptstadt Ottawa – Odawa, das, bezeichnender Weise, so viel wie „Handel treiben“ heißt.

Es ist vorwiegend das Englische Militär, das die Inbesitznahme der kanadischen Wildnis vorantreibt, um die junge Kolonie Kanada zu verteidigen und stark zu machen. Die Feinde sind aber nicht die eingeborenen Indianer, sondern die Amerikaner. So beginnt die Geschichte des Rideau Kanals im äußersten Südosten Kanadas. Vor den Toren von Kingston am Ontario See wird die Britische Festung Fort Henry gebaut. Dort, wo der breite St. Lawrence Strom und parallel dazu der Rideau Fluss in den Ontario See münden.

Auf der Landzunge dazwischen entsteht Fort Henry nur wenige Kilometer von der Amerikanischen Grenze entfernt. Der St. Lawrence Strom, damals Hauptversorgungsweg für alle, war zu gefährlich geworden. Also beschloss das Englische Militär den Ausbau des Rideau -Flusses und seiner Seenlandschaften zum sicheren Transportweg für Waffen und Menschen. Das war 1824, zehn Jahre nach dem Amerikanisch-Kanadischen Krieg, aber die Spannungen mit den USA sind noch immer bedrohlich.

Fort Henry und die imposanten Wehrtürme am Ontario See sind heute bedeutende Denkmäler der kanadischen Geschichte. Mit gewisser Distanz blicken sie noch immer auf die nahen Vereinigten Staaten von Amerika, von denen sich Kanada stets betont absetzen möchte. Und der Bau des Rideau Kanals war auch damals als Garant dieser Unabhängigkeit gedacht.

An Krieg denkt hier schon lange niemand mehr. Ein archaisches Ambiente und eine schlichte, aber funktionale Technik verleihen dem Rideau Kanal seinen einzigartigen Charakter. Auf eigenwillige Weise verschmelzen Vergangenheit und Gegenwart.
Wer hierher kommt muss Zeit mitbringen, das beruht nicht zuletzt auf einem Kanal-System, das auf stilles und nicht schnell fließendes Wasser aufgebaut ist. Die von Hand geschlagenen Schleusen-Steine zeigen noch immer die für den Transport gebohrten Löcher. Und wie eh und je werden die tonnenschweren Holztore mit eisernen Kettengewinden von Hand geöffnet und geschlossen.

Viele Kanalabschnitte erscheinen als idealistisches Arkadien, pastorale Landschaften, gemäldehaft überhöht, wie Genrebilder früherer Jahrhunderte. Und es ist auch die manuelle Tätigkeit der Schleusenwärter, die am Kanal die Zeit bestimmt. Der Rhythmus des frühen 19.Jahrhunderts.

So beschaulich ist die Baugeschichte des Kanals nicht. Die Arbeit ist knochenhart und lebensgefährlich. Mehr als 1000 Tote werden beklagt. Die meisten sterben an Malaria in dem sumpfigen Gelände, das heute ein nostalgisches Terrain für Reisende Abenteurer ist.

Colonel By hat einen strammen Plan. Er unterteilt den Kanal in 23 Bauabschnitte, an denen zeitgleich mit Hunderten von Arbeitern britischer, schottischer, irischer oder französischer Herkunft gearbeitet wird. Steinmetze, Schmiede, Schreiner, Minenarbeiter. Alles von Hand gegraben und hergestellt. Nach nur 5 Jahren ist der Kanal betriebsbereit. Die Schleusenanlage von JONES FALLS überwindet mit vier Kammern 25 Höhenmeter und gilt als landschaftlich attraktivster Abschnitt im Kanalverlauf. Am oberen Staubecken von Jones Falls wird eine der Kanalschmieden gebaut. Sie ist noch heute für Besucher in Betrieb.

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Amerika: Kanada

Der Rideau-Kanal in Kanada

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Anmutig, friedvoll, weit und frei, eine Natur im Gleichgewicht. Als hätte es nie eine derart massive Eingriffnahme durch den Menschen in ihren biologischen Rhythmus gegeben. Vor 200 Jahren begannen die Planungen zu einer künstlichen Wasserstraße, die im Südosten Kanadas die Städte Ottawa mit Kingston am Ontario See verbinden sollte, der RIDEAU CANAL. Eine glückliche Liaison zwischen Technik und Natur.

Anmutig, friedvoll, weit und frei, eine Natur im Gleichgewicht. Als hätte es nie eine derart massive Eingriffnahme durch den Menschen in ihren biologischen Rhythmus gegeben. Vor 200 Jahren begannen die Planungen zu einer künstlichen Wasserstraße, die im Südosten Kanadas die Städte Ottawa mit Kingston am Ontario See verbinden sollte, der RIDEAU CANAL. Eine glückliche Liaison zwischen Technik und Natur.

Es ist vorwiegend das Englische Militär, das die Inbesitznahme der kanadischen Wildnis vorantreibt, um die junge Kolonie Kanada zu verteidigen und stark zu machen.

Fort Henry und die imposanten Wehrtürme am Ontario See sind heute bedeutende Denkmäler der kanadischen Geschichte.

Seit 1832, als das Bauwerk eingeweiht wurde, hat sich am längsten Kanal des amerikanischen Kontinents kaum etwas verändert.

Nur damals, während des Baus, hat der Rideau Kanal das soziale Gefüge der Umgebung nachhaltig beeinflusst.

Eine neue Wasserstraße, ein Handelsweg, eingefügt in die einst fisch- und wildreichen Jagdgründe der indianischen Stämme Nordamerikas.

Viele Kanalabschnitte erscheinen als idealistisches Arkadien, pastorale Landschaften, gemäldehaft überhöht, wie Genrebilder früherer Jahrhunderte.

Die Schleusenanlage von JONES FALLS überwindet mit vier Kammern 25 Höhenmeter und gilt als landschaftlich attraktivster Abschnitt im Kanalverlauf.

An der Schleuse CHAFFEY´S LOCK sonnen sich Schlangen und Häuser gleichermaßen am Ufer. Gelassen, mit Vorsicht und im gegenseitigen Respekt fließen hier die Dinge zusammen.

Die Weite der Kanal - Landschaft, die Dutzende von Seen mit dem Fluss verbindet, lässt oft vergessen, dass es sich überhaupt um eine von Menschen manipulierte Wasserstraße handelt.

Im Zentrum der heutigen Stadt gelegen, bildet der Rideau Kanal mit seinen acht Schleusenkammern das Herz der kanadischen Hauptstadt.

Hier entsteht nicht nur die imposanteste Schleusenanlage des RIDEAU KANALS, sondern auch 30 Jahre später auf dem benachbarten, rechten Hügel, wo zuvor die Baracken der Arbeiter standen, das kanadische Parlament.

Viele der Kanalarbeiter lassen sich nach Ende der Bauarbeiten in der Gegend des Rideau mit ihren Familien nieder. Der Schmied steht für Reparaturarbeiten bereit und die Steinmetze bauen die Häuser im sich nun langsam bevölkernden Rideau -Tal. Einige werden Schleusenwärter und bleiben es in der Tradition über viele Generationen. Ein Beruf, der hier immer, bis in unsere Tage, mehr ist als eine routinierte Tätigkeit. Alle, die am Kanal leben, tragen auch mit Stolz und Bewusstsein seine Geschichte weiter.

Captain Lance kennt am Rideau nicht nur jede Schleuse, sondern auch jedes Haus, jeden Baum und die aufregenden Extravaganzen der artenreichen Tierwelt. Das gelungene Zusammenspiel von Kanaltechnik, landschaftlicher Schönheit und besonderem Tierleben machen den Rideau Kanal zu den wenigen Orten auf der Erde, an denen gleichermaßen Natur und menschliche Kulturleistung unter den Schutz der UNESCO gestellt wurden.

An der Schleuse CHAFFEY´S LOCK sonnen sich Schlangen und Häuser gleichermaßen am Ufer. Gelassen, mit Vorsicht und im gegenseitigen Respekt fließen hier die Dinge zusammen. Die Weite der Kanal - Landschaft, die Dutzende von Seen mit dem Fluss verbindet, lässt oft vergessen, dass es sich überhaupt um eine von Menschen manipulierte Wasserstraße handelt.

Nur wenige Siedlungen verdichten sich am Kanal zu kleinen Gemeinden wie das verträumte Merrickville. Das ehemalige Schleusenwärterhaus – ganz im originalen Stil erhalten – markiert noch immer den Eingang zur einzigen Hauptstraße des Ortes, der zeitgleich zum Kanalbau als Handwerks- und Handelszentrum entsteht. Auch hier haben sich viele britisch und irisch stämmige Rideau-Arbeiter angesiedelt. Die robusten Häuser sind aus dem gleichen Material, von den gleichen Steinmetzen gebaut, wie der Kanal.

Das trotzige Eckgebäude von Merrickville war einst das größte Kaufhaus Kanadas. Wer vor dem Bau des Kanals von hier aus mit dem Kanu in das nahe Ottawa reisen will, muss noch die Wasserfälle von HOCK´S BACK überwinden, die der Kanal später umgeht. - Ottawa, das damals nach Schleusenerbauer Colonel By, Bytown heißt.

Hier entsteht nicht nur die imposanteste Schleusenanlage des RIDEAU KANALS, sondern auch 30 Jahre später auf dem benachbarten Hügel, wo zuvor die Baracken der Arbeiter standen, das kanadische Parlament. Aus „Barracks Hill „ wird „Parliament Hill“, aus „Bytown“ – Ottawa. Im Zentrum der heutigen Stadt gelegen, bildet der Rideau Kanal mit seinen acht Schleusenkammern das Herz der kanadischen Hauptstadt. Anziehungspunkt, Treffpunkt, Identifikationspunkt. Keiner hat je daran gedacht, das pittoreske, ganz unzeitgemäß zu bedienende Bauwerk zu beseitigen - im Gegenteil. Der Kanal wird gehegt und gepflegt und gehört seit 180 Jahren zur kanadischen Identität wie Parlament und Ahornbaum. Ein Schmuckstück aus vorindustrieller Zeit.

Obwohl einst geplant als militärisches Instrument gegen die jungen Vereinigten Staaten von Amerika, wurde der Rideau Kanal nie zu kriegerischen Zwecken genutzt. So wurde er schlichtweg von der kanadischen Bevölkerung erobert. Sie hat den Kanal umgewidmet, versöhnt mit der Geschichte, in ein Refugium der Zeitlosigkeit, wo Zivilisation und Natur eine vorbildliche Synthese eingegangen sind.

Stand: 29.04.2010, 09.52 Uhr

Filmmusik & Stab

Musik:

Schätze der Welt II - Vor- und Abspann:
Oliver Kraft

Soundtrack Rideau-Kanal:
Marc Feigenspan
Ohrenkino Stuttgart

Buch und Regie: Horst Brandenburg
Kamera: Matthias Merz

Sendezeit

3sat
Sonntags:
19.40 Uhr

SWR Fernsehen
Samstags:
6.00 Uhr