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SENDETERMIN Mo, 16.11.2015 | 12:45 Uhr | 3sat

Europa: Italien Sardinien

Die Geheimnisse der Nuraghen und des Cantu a tenore

Über siebentausend Rundtürme aus tonnenschweren Steinbrocken sind über ganz Sardinien verstreut. Oft sind nur noch die Stümpfe dieser megalithischen Bauten vorhanden, die nuraghi genannt werden. Die ersten wurden um 1400 v. Chr. erbaut. Zwischen die mächtigen Blöcke wurden kleine Steine gesteckt, eine Bauweise, die die Steintürme einsturzsicher machte. Allesamt sind sie geheimnisvolle Zeugen, die einer der größten frühgeschichtlichen Inselkulturen des Mittelmeerraumes ihren Namen gaben: Der Nuraghenkultur.

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Über den Innenhof erreicht man zwei Seitentürme der Nuraghe Su Nuraxi.

Über den Innenhof erreicht man zwei Seitentürme der Nuraghe Su Nuraxi.

Die alten Sarden haben keine schriftlichen Zeugnisse hinterlassen. Ungeklärt ist, ob sie überhaupt eine Schrift benutzten. So bleibt vieles im Dunkeln. Auch was es mit den gewaltigen Turmbauten auf sich hat. Die meisten der nuraghi finden sich im Inselinnern. Dort besetzen sie in strategisch günstiger Lage die Spitzen von Hügeln, oft sind mehrere in Sichtweite aufgereiht. So spricht vieles dafür, dass sie vor allem der Verteidigung dienten, Schutz boten vor Seeräubern und anderen Eindringlingen, Schafdieben und missgünstigen sardischen Nachbarn. Einige bildeten wie der zum UNESCO-Welterbe erklärte Komplex Su Nuraxi dorfartige Siedlungen. Neben der Burg befanden sich etwa 150 auf Steinfundamenten errichtete Hütten.

Von der Religiosität der Nuragher erzählen Wasserheiligtümer wie das von Santa Cristina. Eine präzis ausgeführte Treppe führt unter die Erde in einen ebenso perfekt gearbeiteten Brunnenraum. Beeindruckend ist auch die Deckenkonstruktion in Form einer umgekehrten Treppe. Hier wurden wohl Reinigungs- und Fruchtbarkeitsrituale veranstaltet. Und wie Grabungen der Archäologen nahelegen, auch Bronzestatuetten als Votivgaben geopfert, um die Gunst der Götter zu gewinnen. Mit ihren Werken behandelten die nuraghischen Modelleure Themen des Alltagslebens und des Kultes. Auch waren die Bronzetten damals begehrte Handelsobjekte wie Grabfunde in Ägypten und Etrurien zeigen. Und Jahrtausende später haben die langgliedrigen Figurinen Künstler der Moderne wie Alberto Giacometti inspiriert.

Wie die nuraghi stellt auch der Cantu a tenore, Sardiniens immaterielles Kulturerbe der Menschheit, die Wissenschaftler vor Rätsel. Manche vermuten die Wurzeln des archaischen Gesangs in der Nuraghenkultur. Sicher ist, dass der Cantu a tenore tief in der Welt der sardischen Hirten verwurzelt ist. In ihm spiegelt sich die Einsamkeit der Hirten in den Bergen, ihr enger Kontakt mit der Natur. Seit Menschengedenken wird auf Sardinien der Cantu a tenore von Generation zu Generation über Zuhören und Mitsingen weitergegeben.

Daten & Fakten

Kulturdenkmal
Unesco-Ernennung: 1997

Nuraghe (Bronzezeitliche Turmbauten) von Barumini

15. Jh.v. Chr. - 2. Jh. n. Chr.
in verschiedenen Phasen Bau der Nuraghen

1500-500 v. Chr.
eigentliche Nuraghenkultur

1460 (+/- 200) v. Chr.
Durch Radiokarbon-Untersuchung eines im Gewölbe von Su Nuraxi eingeklemmten Restes eines Wacholderstammes Nachweis über den Bau, mit einst wohl 19 m hohem Turm

1940
erste Probebohrungen

1949-56
archäologische Untersuchen von Su Nuraxi

Copyrightvermerk für Daten & Fakten
© Chronik Verlag im Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH Gütersloh/München 2000 - 2014




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