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SENDETERMIN Do, 27.4.2017 | 7:35 Uhr | SWR Fernsehen

Asien: Türkei Nemrut Daği

Der Thron der Götter

Man mag staunend vor den Pyramiden Ägyptens stehen und sich fragen, wie die tonnenschweren Steinblöcke transportiert und zu den Pharaonischen Gräbern aufeinander geschichtet werden konnten. Doch einen ganzen Berggipfel in ein Grabmal zu verwandeln, grenzt an Tollkühnheit und ist einmalig in der Weltgeschichte.

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Blick auf Nemrut, im Vordergrund Säulen

Blick auf den Berg Nemrut vom Grabhügel Karakus aus

An der Südflanke des Taurusgebirges, auf 2.159 Metern Höhe, begraben unter knapp 200.000 Kubikmeter Geröll und Felsgestein, vermuten Archäologen die Grabkammer des sagenumwobenen Herrschers Antiochos, der einst die Mythen der alten persischen Großreiche in Einklang brachte mit dem Lebensstil der Griechen und Römer.

Treppeneingang ins Hügelgrab

Im Innern des Hügelgrabes: der Eingang

Seit 1987 führt die UNESCO die Kultstätte auf dem Berg Nemrut als Weltkulturerbe. Das Grabmal gilt heute als Ikone all jener Rätsel der Vergangenheit, die ihre Geheimnisse der Forschung bislang entziehen konnten. Dutzende, bis zu neun Meter hohe Steinskulpturen auf den zwei Terrassen unterhalb des künstlich aufgeschütteten Berggipfels gelten vielen als Antwort Vorderasiens auf die Steingötzen der Osterinseln. Es sind die letzten Zeugen des kommagenischen Königreiches, einer rätselhaften Herrscherdynastie, die einst aus den Weltreichen Alexander des Großen und des Persischen Königs Dareios I. hervorging und sich über Generationen den Macht- und Gebietsansprüchen der römischen Cäsaren widersetzte.

Felsrelief, zwei Figuren darstellend - Antiochos und Herakles

Reliefstein - Darstellung des Antiochos neben Herakles, dem griechischen Held

Der gigantische, 50 mal 150 Meter messende Tumulus auf der Bergspitze des Nemrut gibt Archäologen trotz Einsatz geophysikalischer Grabungstechniken bis heute nicht zu lösende Rätsel auf. Der deutsche Historiker Friedrich Karl Dörner, der nahezu sämtliche Inschriften auf dem Nemrut entzifferte, versuchte 1956 erstmals einen Stollen zum geheimen Grab des Antiochos zu finden. Das Gelände um den Berg sei eine Goldquelle, vertraute Dörner seinen Mitarbeitern an, doch sein Innerstes hält er verborgen wie einen Schatz. Auch Theresa Goell, die amerikanische Nemrut-Pionierin, konnte sich dem Bann des kommagenischen Königs nicht entziehen. Ein Fluch, notiert sie verbittert noch kurz vor ihrem Tod und schreibt: Wenn ich schon nicht zu Antiochos vordringen kann, dann möchte ich neben ihm begraben werden. Sie starb hochbetagt im Winter 1985 und ließ ihre Asche auf dem Gipfel des Nemrut in alle Winde zerstreuen.

Staumauer des Atatürk-Stausees

Blick auf den Atatürk-Stausee

Welche unsterblichen Botschaften und Kultgegenstände hat der Regent mit in seine Gruft auf der Bergspitze genommen? Bis heute wissen wir es nicht, denn hier ist einem Architekten ein Geniestreich gelungen: ein verwirrendes Verschluss-System, dass Grabräubern, Religionsgelehrten und Altertumsforschern über 2000 Jahre erfolgreich widerstand. Irgendwann wird die Forschung vermutlich auch dieses Rätsel lösen und damit, so beklagte Theresa Goell kurz vor ihrem Tod, wird die Menschheit um einen Mythos ärmer sein, jenem von einer friedlichen Brücke zwischen Orient und Okzident.


Daten & Fakten

Kulturdenkmal: Ruinenstätte Nemrut Daği

163. v. Chr.
Unabhängigkeit des Reiches von Kommagene nach Zerfall des Seleukidenreiches

69-38 v. Chr.
Antiochos I.

72
Zerfall des Königreiches Kommagene, Teil der römischen Provinz Syria

1882
Aufzeichnungen über die Kultstätte von Karl Humann

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