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Monte Alban, Mexiko, Folge 158

Über viele Jahrtausende schon zogen Menschen über die Handelsstraßen Mesoamerikas, dem heutigen Gebiet Mexikos und Zentralamerikas. Der Knotenpunkt dieser Handelsstraßen war das Tal von Oaxaca. Ein dichtes Netz von Handelsbeziehungen war hier entstanden, das dem Einflussbereich der jeweiligen Stammesgötter unterlag. Um die Götter positiv zu stimmen, brauchten die Fürsten im Tal einen besonderen Ort. Zu ihrer Kultstätte erkoren sie den Monte Alban, den "weißen Berg", der an der Stelle einer Bergspitze mit einem natürlichen Plateau geschmückt war. So entstand um das Jahr 500 v. Chr. ein Zeremonialzentrum, das sich im Laufe der Zeit zu einem der größten Warenumschlagplätze Mittelamerikas entwickeln sollte.

Schätze der Welt,  9.7.2000 | 14:48 min

Filmtext

Über Jahrtausende schon zogen Menschen über die Handelsstraßen des alten Mesoamerikas, im heutigen Gebiet von Zentralamerika und Mexiko. - sie zogen vom Hochland im Nordwesten bis in die Tiefebene im Südosten. Der Knotenpunkt dieser Handelsrouten war das Tal von Oaxaca. Weil die Handelskarawanen auf der weiten Reise großen Gefahren ausgesetzt waren, hatten die Stammesfürsten von Oaxaca das Bedürfnis, den besonderen Schutz der Götter zu erbitten. Zu ihrer Kultstätte erkoren sie einen Berg, der an Stelle einer Bergspitze mit einem natürlichen Plateau abschloss: den Monte Alban, übersetzt: "Der weiße Berg", nur einen Fußmarsch von der heutigen Stadt Oaxaca entfernt. Um das Jahr 500 v. Christus entstand ein Zeremonialzentrum, das Warenumschlagplätze Mesoamerikas entwickeln sollte.

Die ersten Herrscher auf dem Monte Alban waren eine Art von Schamanen, geschickte Stammesfürsten, die es verstanden, ihre Vormachtstellung kunstvoll in Szene zu setzen. Hier oben waren sie dem Himmel am nächsten und somit auch den Göttern, von denen sie die Legitimation erhielten, die wirtschaftlichen Geschicke auf dem Monte Alban zu leiten. Auf Grund seiner zentralen Lage wurde der Monte Alban immer mehr in den Fernhandel Mesoamerikas verwickelt. Bis in den Süden - dem Einflussbereich der Maya in den Urwäldern Petens reichten ihre Handelsbeziehungen. Doch mit den neuen Handelspartnern kamen auch fremde politische Ideale, die dem Sonnenkult einen besonderen Platz einräumten. Bald wurde die Sonne zum Sinnbild der ersten Staatsform. Ein Priester als Vertreter der Sonne lenkte gemeinsam mit einem Rat von Weisen die Geschicke des Landes. Ein Observatorium wurde erbaut, um den Verlauf der Sonne auch exakt vorausberechnen zu können - unabdingbar für das neue Weltbild. Das Observatorium war dabei so konstruiert, dass zwei Mal im Jahr am 8. Mai und am 5. August, wenn die Sonne ihren höchsten Punkt erreicht, alle vier Wände im Innern des Observatoriums für den Bruchteil von Sekunden gleichzeitig von der Sonne beleuchtet werden. Das waren die Festtage auf dem Monte Alban. Und durch solche Lichtwunder war für das ungebildete Volk klar, dass der Auftraggeber dieses Bauwerks mit Gott in Verbindung stehen musste, denn wer sonst könnte solch einen Augenblick auf den Tag genau voraussagen. Die Macht der Sonnenpriester war gefestigt. Es war der Beginn der Hochkultur der Zapoteken, die hier oben für mehr als 1000 Jahre ihr geistiges Zentrum errichteten. Andere Städte in Mesoamerika hatten inzwischen ihre Staatsform ebenfalls nach der Sonne ausgerichtet. Eine davon war Teotihuacan. Eine große und mächtige Stadt im Nordwesten - die bald in Kunst, Architektur und Brauchtum zum neuen Vorbild wurde für den Monte Alban. Es begann eine Phase intensiver Bautätigkeit, in der alle Gebäude nach dem solaren Kosmos angeordnet wurden. Sie markierten z.B. wichtige Sonnenuntergangspunkte, die einen bestimmten Zeitpunkt im Kalender darstellten. Die Tempel und Plätze wurden mit in Stein gehauenen Symbolen der Sonne geschmückt. Immer häufiger wurden religiöse Sonnenfeste gefeiert, die oft mehrere Tage dauerten. Der Höhepunkt solcher Festlichkeiten war das Ballspiel, das mit einem Ball aus Kautschuk fast überall in Mesoamerika gespielt wurde. Das Volk schaute diesem Spiel von der Tribüne eines eigens dafür gebauten Ballspielplatzes aus zu. Das Ballspiel verlief hier wahrscheinlich friedlich, anders als z.B. bei den Maya, wo die Ballspieler nach einem Wettkampf den Göttern geopfert wurden.

Auf dem Monte Alban galt es lediglich als Symbol für den Verlauf der Sonne und den immer wiederkehrenden Zyklus der Gestirne. Bald strömten Massen von Priestern, Handwerkern und Händlern aus allen Himmelsrichtungen herbei, um am religiösen Leben teilzunehmen und vom wirtschaftlichen Wachstum des Monte Alban zu profitieren. Auf ein bestimmtes Ereignis wurde ganz besonders hingefiebert. Wie im Observatorium geschieht das Unglaubliche nur am 8. Mai und am 5. August. In dem Moment, wo der Schatten der Sonnenuhr nicht mehr zu sehen ist, fängst sich für wenige Minuten ein Sonnenstrahl in einem etwa 4 Meter tiefen Schacht, der ins Innere des Tempels führt. Für wenige Minuten entsteht eine Lichtsäule, die ein magisches Schauspiel vollführt, um dann nach kurzer Zeit die Kammer bis zum nächsten Höchststand der Sonne wieder in Dunkelheit zu tauchen. Um das Jahr 550 neigte sich der Sonnenkult allmählich dem Ende zu. Lange hat die Sonne das religiöse Leben auf dem Monte Alban bestimmt, nun wurden auch andere Gestirne in den Götterkosmos einbezogen. Himmel, Erde und Unterwelt fanden ein neues Gleichgewicht. Wie fast überall in Mesoamerika war die Zeit der Venus angebrochen. 260 Tage geht sie als erster Stern am Abendhimmel auf und 260 Tage als letzter am Morgenhimmel unter. Die Venus symbolisiert das Gleichgewicht der göttlichen Kräfte und wurde in der Kunst in verschiedenen Darstellungen bedacht.

Bald zogen neue Herren auf den Monte Alban. Sie standen in Verbindung mit den Tolteken, einem großen Staat im Nordwesten, der um das Jahr 700 n. Christus vom Vater des legendären Quetzalcoatlkönigs gegründet wurde. Neue Tempel und Palastanlagen wurden gebaut. Sie waren Venus geweiht - dem Abendstern. Die neuen Herrscher waren jedoch nicht allein. Andere Familien auf der Südseite des großen Platzes erhoben ebenfalls Machtansprüche. Ihre Tempelanlagen waren auch der Venus geweiht, als dem Morgenstern. Der Monte Alban erlebte einen neuen Aufschwung. Der Handel erstreckte sich vom Westen und Norden Mexikos bis hinein ins Gebiet von Yukatan und Honduras im Süden. Die Herrscher auf dem Monte Alban erlangten Reichtum und Anerkennung. Von hier oben überwachten sie die gesamte Wirtschaft Mesoamerikas. In regelmäßigen Abständen waren im ganzen Land Läufer stationiert, die Warenbestelllisten im Staffellauf in die entlegensten Gebiet brachten. Sie waren die Boten der Handelsherren auf dem Monte Alban, die mit einem ausgeklügelten System den Warenfluss in Mesoamerika regelten. Die Handelsherren bestellten das, was in einer Region des Landes wuchs oder traditionell hergestellt wurde, um es gegen Provision in andere Gebiete weiterzuverkaufen. Ein Staat konnte sich glücklich schätzen, Handelspartner des Monte Alban zu sein, hatte er doch auf diese Weise Zugang zu fremdartigen Waren - Leopardenfellen, Früchten oder Pfeilspitzen aus Obsidian.

Auf den Handelslisten waren den einzelnen Produkten bestimmte Symbole zugeordnet, die allgemein bekannt waren. Ein Symbol stand für 100, acht Symbole für 800. Vier Federn in einem Quadrat bedeuteten vier Kisten mit Wolldecken. Grünstein und Perlenketten kamen aus Copan im Südosten des Landes; die Wolldecken aus Yukatan im Nordosten. Wie die Spinne im Netz überwachten die Herren auf dem Monte Alban den Handel. Ihre einzigartig strategische Lage ließen sie sich mit üppigen Provisionen und Wegezöllen bezahlen. Der Wohlstand mehrte sich. Sie wurden reich, stolz und eitel. Die Herrscher begannen zum ersten Mal in der Geschichte des Monte Alban, sich in schön verzierten Stelen zu verewigen und ihre Namen und Taten zu preisen. Ihr Ruhm sollte Unsterblichkeit erlangen. Sie ließen sich mit Wandmalereien reich ausgestattete Gräber bauen. Doch um das Jahr 800 nach Christus gab es in ganz Mesoamerika große Veränderungen. Vor allem im Süden begann das große Sterben. Mächtige Städte, wie Copan, Tikal oder Palenque wurden verlassen. Das Netz der Handelsbeziehungen brach auseinander. Die Folge war wirtschaftlicher Kollaps, verstärkt durch innenpolitische Zerwürfnisse. Die Mächtigen verließen den Monte Alban, der bald nur noch als Begräbnisstätte genutzt wurde. Aus sicherer Entfernung wurde der Monte Alban ein halbes Jahrtausend später stiller Zeuge der spanischen Eroberung und Christianisierung. Unter der Führung von Hernan Cortez im Jahr 1524 wurde das Tal von Oaxaca unterworfen.

Als den Spaniern die alten Handelslisten der Indianer in die Hände fielen, entdeckten sie darauf auch ein Metall, das ihre Fantasie ganz besonders erregte. Gold. - Tribut der Unterworfenen. Der Einfachheit halber übernahmen die Eroberer die alten Handelslisten der Indianer, ergänzt mit ihren spanischen Notizen. Ein System, das ursprünglich dem Handel diente, nutzten die spanischen Eroberer zur Ausbeutung und Unterwerfung der Indianer. Bald waren alle Bewohner des Tals von Oaxaca christianisiert. Im Umkreis der Dominikanerkirche Santo Domingo entstand die Stadt Oaxaca. Sie präsentiert sich dem Besucher auch heute noch in einer Mischung aus indianischer Tradition und spanischem Christentum. Oaxaca, nur eine halbe Autostunde vom legendären Monte Alban entfernt.

Buch und Regie: Markus Vetter

Letzte Änderung am: 09.08.2011, 08.29 Uhr

Mittelamerika: Mexiko

Filmmusik & Stab

Kraft, Oliver
Schätze der Welt II
Dähn, Christian
Monte Alban

Buch und Regie: Marcus Vetter
Kamera: Christoph Feller

Sendezeit

3sat
Sonntags:
19.40 Uhr

SWR Fernsehen
Samstags:
6.00 Uhr

Filmrolle SWR Fernsehen | Service Mitschnittdienst

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