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Europa: Ukraine Lemberg

Auferstanden aus Erinnerungen

Schätze der Welt - Erbe der Menschheit vom Samstag, 7.5.2011 | 13.50 Uhr | SWR Fernsehen

Lemberger Opernhaus

Lemberger Opernhaus

Es ist der Klang, der alle Zeitenwenden überlebt hat: Quietschend, schabend rumpeln die alten Straßenbahnen durch die Stadt. Am Schalthebel oft Frauen, die ihre Führerhäuschen liebevoll ausgestattet haben, als trügen sie ihr Schneckenhaus mit sich.

Die Gleise verbinden die Zeiten in Lemberg, die stolzen Barockpaläste mit den Jugendstilhäusern und dem ärmlichen jüdischen Viertel, die Plattenbauten und die Parks. An manchen Stellen wölben sich die Schienen bedrohlich, als wollten sie aus dem Pflaster springen, als wollten sie sagen: hier passt nichts so recht zusammen.

Lwow, L'vov, Lviv. Wo liegt Lemberg? In Galizien, Lodomerien, Wolhynien? Sagen wir: in der Ukraine.

Ostslawische Fürsten, Polen, Österreicher, Ruthenen, Armenier und Italiener, Juden prägten die Stadt. Es gibt zwei Lesarten dieses Miteinanders: eine multikulturelle Erfolgsgeschichte und eine regelmäßige Wiederkehr von Aufständen, Pogromen. Je nach dem wie sich das europäische Machtgefüge und die Landkarten veränderten.

Reisebeginn am Friedhof

Am besten beginnt man die Reise dort, wo die Geschichten enden: auf dem Friedhof Lytschakiv. Mausoleen mit kyrillischer Inschrift, die neben gefallenen Engeln thronen, die wiederum einen polnischen Helden beweinen. In schwarzen Marmor gemeißelte Porträts streng blickender sowjetischer Offiziere neben lieblichen Frauenköpfen über österreichischen Adligen.

Nebeneinander und in Frieden - so wie in den legendären Zeiten, in denen Lemberg Zentrum war. Zentrum für Handel zwischen Ostsee und Schwarzem Meer, zwischen Europa und Asien. Zentrum der Wissenschaften. Zeiten, zu denen Lemberg Tor war und nicht Sackgasse. Bunt und nicht grau.

Ein Hauch von Süden

Vom Friedhof fährt eine direkte Straßenbahn in die Stadtmitte zum Rynok, dem Ringplatz mit seinen herrlichen Renaissance- und Barockbauten. Ein Hauch von Süden und Kaffeeduft liegt über dem Platz, aber man spricht ukrainisch. Nur noch eine Sprache.

Zwei große Kriege und ihre Folgen haben zwar die Fassaden stehen lassen, aber die Menschen dahinter vertrieben, ermordet, zwangsverschleppt.

Nach Jahren der Sowjetherrschaft entdecken die Lemberger erst nach und nach ihre Wurzeln: die polnischen Fresken in der armenischen Kirche, den Kaiser Franz Joseph hinter Tortenauslagen und die ureigenen in einer sehr lebendigen Literaturszene.

Bildergalerie

Daten & Fakten

Kulturdenkmal: L'viv (Lwiw) - Lemberg (polnisch Lwów)
UNESCO-Ernennung: 1998
1256
Bau einer Burg durch Danilo Ramonovic
1340-1772
Lemberg wird polnisch, polnischer Name Lwów
1356
Magdeburger Stadtrechte durch kasimir den Großen
1375-1772
Lemberg/Lwów ist Hauptstadt der Vewaltungseinheit Ruthenia
1661
Gründung der Universität
1772
1. polnische Teilung - Lemberg wird österreichisch, Hauptstadt von Galizien und Lodomerien
1918 - 1939
Lemberg wieder polnisch: Lwów
22.-24.11.1918
Progrom an der jüdischen Bevölkerung Lembergs
1939-1941
Besetzung durch Sowjetrussland
1941
Besetzung durch das nationalsozialistische Deutschland
1939-1945
2. Weltkrieg: Ermordung oder Vertreibung der Lemberger Juden, Gräueltaten an polnischen Mitbürgern
1944
Vertreibung der polnischen Bevölkerung, sowjetische Herrschaft in Lemberg
seit 1991
Lemberg ist Teil der Ukraine: L'viv

Copyrightvermerk für Daten & Fakten
© Chronik Verlag im Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH Gütersloh/München 2000 - 2010

Letzte Änderung am: 23.09.2011, 10.45 Uhr

Europa: Ukraine

Sendezeit

3sat
Sonntags:
19.40 Uhr

SWR Fernsehen
Samstags:
6.00 Uhr

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