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SENDETERMIN Mo, 8.6.2015 | 21:45 Uhr | 3sat

Asien: Türkei Göreme

Felsenstadt der frühen Christen

Als der spanische Schriftsteller Juan Goytisolo durch die Täler von Göreme in der Türkei wanderte, war er sicher: der Architekt Gaudí muss hier gewesen sein und das alles gebaut haben! Tausende von Kegeln, Pilzen, Kaminen, Türmchen und steinernen Ornamenten, hinter jedem Felsvorsprung tauchen neue Formen auf.

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Wer den nächsten liebt wie sich selbst

"Wer den nächsten liebt wie sich selbst, besitzt nicht mehr als der nächste." so Basilios der Große.

Der Canyon im türkischen Hochland ist eine märchenhafte Vulkanlandschaft, in der Wind, Wasser und Kälte die Baumeister waren. Unterschiedlich hartes Tuffgestein der verschiedenen Lawaströme vor mehreren Millionen Jahren ließen Hütchen und Dächer auf den weicheren Kegeln darunter zurück, die sich wunderbar aushöhlen ließen. Das nutzten die ersten Mönche und Nonnen Vorderasiens, die sich im vierten Jahrhundert unter der Anleitung von Bischof Basileios von Kayserei in die bizarren Formationen der Täler Kappadokiens zurückgezogen hatten. Eine unglaubliche Bautätigkeit begann, in das Tuffgestein hinein: Felsenklöster, Kirchen, Zellen, Kapellen über der Erde und ganze Städte unter der Erde von weltweit unvergleichlichem Ausmaß.

"Geschwungene Verzierungen"

"Geschwungene Verzierungen"

Die ersten Christengemeinschaften fanden in den Tälern bei Göreme andächtige Stille für ihr bescheidenes und autarkes Leben und Schutz vor den damals zahlreichen Feinden, seien es Perser, Römer oder Araber. Und sie verstanden, ihre Kirchen und Kapellen zu schmücken! Heute findet der Besucher in jedem Tal des Nationalparks von Göreme kostbare Schätze byzantinischer Kultur. Die nahezu vollständig erhaltenen oder restaurierten Ikonographien aus dem 7.-11. Jahrhundert können sich mit der Kunst der byzantinischen Zentren messen - nur dass die Natur in Kappadokien ein unvergleichliches Erlebnis daraus macht: eine Reise in eine andere Welt.

Daten & Fakten

Kultur- und Naturdenkmal: erodiertes Plateau in einer ehemals vulkanisch aktiven Region; Folge der Verwitterung sind Säulen, Türmchen, Obelisken, Felsnadeln; Höhlenkirchen wie Eustathios-Kirche, Kiliçlar-Kirche und Elmali-Kirche
UNESCO-Ernennung: 1985
vermutlich im 4. Jh.
erste Einsiedeleien und »Kirchenbauten«
um 1100
»Bau« der Yilanli-Kirche und der Barbara-Kirche
um 1200
»Bau» der Çarikli-Kirche
1923/24
Aufgabe der Siedlungen von Göreme
1957
Entdeckung der Kirche Johannes des Täufers
1980
Abschluss der Restaurierung der Tokali-Kirche
1981
Beginn der Restaurierung der Karanlik-Kirche
Flora und Fauna:
Vegetation u. a. mit Reseda armena, dem Sandelholzgewächs Thesium scabriflorum und dem Bleiwurzgewächs Acantholimon ssp., zudem 110 endemische Arten wie Acanthus hirsutus; Säuger wie Grauwolf, Rotfuchs, Otter, Steinmarder, Europäischer Dachs; Vogelarten wie Felstaube und Steinhuhn

Copyrightvermerk für Daten & Fakten
© Chronik Verlag im Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH Gütersloh/München 2000 - 2010

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