Afrika: Sudan

Filmtext & Video

Gebel Barkal

Um das Video abspielen zu können, benötigen Sie Javascript. Bitte aktivieren Sie dies in Ihrem Browser.

14:41 min | Sa, 16.6.2012 | 6.00 Uhr | SWR Fernsehen

Filmtext

Seine Wasser entspringen in der regenreichen Mitte Afrikas, besiegen die flimmernde Hitze und Trockenheit der Sahara, um sich dann, immer noch voller Kraft ins Mittelmeer zu ergießen.

Ein grünes Paradies, trennt den Fluss von den endlosen Wüsten, manchmal mehrere hundert Meter breit oft nur wenige Schritte.

Der Nil hat in antiker Zeit aus seinen fruchtbaren Schlammfluten zwei Hochkulturen geboren: die der hellhäutigen Ägypter und in ihrem archäologischen 'Schatten', die der schwarzafrikanischen Nubier. 'Ta-seti', 'die vom Bogenland', nennen die Ägypter die Nachbarn am oberen Nil, im heutigen Sudan. Ihre Karawanen liefern aus dem Innersten Afrikas Elfenbein, Sklaven und Gold.

Sudan Landschaft

Blick vom Gebel Barkal auf das umliegende flache Land.

Bald macht die Gier nach diesen 'Rohstoffen' die Pharaonen zu Aggressoren. Sie fallen in die schwarzen Königreiche ein. Der Name 'Nubien' taucht da zum ersten mal auf, nach dem altägyptischen Wort 'Nub' für Gold. Doch dann lässt ein Berg die materiellen Begehrlichkeiten hinter spiritueller Faszination verblassen.

Thutmosis III hat sich um 1500 v.Chr. bis an den vierten Nil-Katarakt vorgekämpft, bis ins Zentrum des nubischen Reiches. Und da trifft er auf dieses Zeichen, siebzig Meter hoch, einem Berg vorgelagert. Als eine riesige, sich aufbäumende Uräus-Schlange, eine Kobra, versteht der Ägypter die Felsnadel, als Signum des Königtums, der Präsenz Amuns und des Sonnengottes Re.

Thutmosis lässt einen Tempel bauen, den die 'steinerne Schlange' bewacht. 1916 ausgegraben, ist vieles längst wieder vom Sand verweht. Am anderen Nilufer gründen die Ägypter, in der damals noch von Savanne geprägten Landschaft, die Stadt 'Nápata' oder 'Sánam'. Nur noch Grundrisse sind geblieben und die geben Rätsel auf.

Wie die Menschen dort vor 3500 Jahren gelebt haben, darüber ist bis jetzt wenig bekannt. Vielleicht gar nicht so anders als heute. Der 'Gebel Barkal', der 'Reine Berg' mit seinen Tempelanlagen, entwickelt sich auch für das ferne Ägypten zu einem verehrungswürdigen religiösen Ort. Nubien aber wird für Jahrhunderte Kolonie, einerseits versklavt, ausgebeutet, und doch finden Einzelne immer wieder in eine privilegierte Sonderrolle, werden Aufseher, Soldaten ja sogar Heerführer.

Die gemeinsamen religiösen Wurzeln am Gebel Barkal verknüpfen das Schicksal beider Völker auf geheimnisvolle Weise. Als Tausend v.Chr. die Kolonialmacht der Pharaonen zu zerfallen beginnt, entsteht in Ober-Nubien wieder ein unabhängiger Staat, das Reich 'Kusch'. Hauptstadt wird Nápata, dem Heiligen Berg gegenüber. Noch liegt im Dunkel, warum seine schwarzen Herrscher plötzlich nach pharaonischer Sitte bestattet werden und den Amun-Kult annehmen, während in Ägypten die Tempel verfallen.

Ein König mit Namen 'Kaschta' eint um 750 v.Chr. die nubischen Stämme. Unterhalb des heiligen Berges zeugen noch heute Grundrisse von Tempeln und Palästen von seiner Bautätigkeit.

Ganz in ägyptischer Tradition lässt er eine Allee aus Widdersphingen anlegen. Dann kommt sein Sohn 'Piye' an die Macht und die politischen Ereignisse überstürzen sich. Er erobert Theben, Memphis fällt. Eine Sensation: Als erster Schwarzer besteigt Piye den Pharaonen-Thron im fernen Ägypten. Ein weiteres Mal hat der Zauber des Gebel Barkal die Geschichte am Nil beeinflusst.

Denn ohne seine Herkunft vom Ort 'der sich aufbäumenden Kobra und des Sonnengottes Re', wäre für einen aus dem Land 'Kusch' der Thron in Theben nur eine vorübergehende Kulisse geblieben. So aber kamen die Nubier als legitime Nachfolger, als Abkömmlinge Amuns, die als Einzige dem von Gott abgefallenen Land seinen wahren Glauben zurückbringen.

Für Piye ist Wiederaufbau und Erweiterung der Tempelanlagen um den Gebel Barkal heilige Pflicht. Bei der Wandgestaltung greift er ganz selbstverständlich die Bildsprache der früheren Pharaonen auf, in der diese ihre Siege über Mittelmeervölker und auch das Reich Kusch öffentlich machten. Viele Jahrzehnte war dieses Relief im ersten Hof des Amuntempels verschüttet. Es zeigt ägyptische Würdenträger, die vor Piye, dem neuen Pharao, im Staub kriechen. Vom Herrscher selbst ist nur ein riesiger Fuß erhalten geblieben. Selbstbewusst nennt er sich König Ägyptens und 'aller Länder'.

1/1

Afrika: Sudan

Gebel Barkal - Der heilige Berg der schwarzen Pharaonen

In Detailansicht öffnen

'Ta-seti', 'die vom Bogenland', nennen die Ägypter die Nachbarn am oberen Nil, im heutigen Sudan. Ihre Karawanen liefern aus dem Innersten Afrikas Elfenbein, Sklaven und Gold.

'Ta-seti', 'die vom Bogenland', nennen die Ägypter die Nachbarn am oberen Nil, im heutigen Sudan. Ihre Karawanen liefern aus dem Innersten Afrikas Elfenbein, Sklaven und Gold.

Mit seinen Tempelanlagen entwickelt sich Gebel Barkal, der "heilige Berg" zu einem verehrungswürdigen religiösen Ort für die alten Ägypter. Als längst die Macht der Pharaonen in Nubien schwand, blieb der Kult um den Gott Amun in Nubien weiterbestehen.

Nubische Pyramiden: Pharao Tutmosis der Dritte eroberte den heutigen Sudan und unterwarf das Land am oberen Nil. 300 Jahre lang blieb es ägyptische Kolonie.

Ein König mit Namen 'Kaschta' eint um 750 v.Chr. die nubischen Stämme. Unterhalb des heiligen Berges zeugen noch heute Grundrisse von Tempeln und Palästen von seiner Bautätigkeit. Ganz in ägyptischer Tradition lässt er eine Allee aus Widdersphingen anlegen.

Eine siebzig Meter hohe Kobra, eine Uräusschlange, die Urform des ägyptischen Reichsgottes Amun, glaubte Pharao Thutmosis III im Wüstensand zusehen, als er 1500 vor Christus in das Königreich der Nubier, den heutigen Sudan, einfiel.

die kuhgesichtige Göttin Hathor hatte viele Eigenschaften. Sie war Muttergöttin, Totengöttin und Göttin der Liebe, des Friedens, der Schönheit, des Tanzes, der Kunst und der Musik und wurde in ganz Ägypten und Nubien verehrt.

Während der Dreharbeiten zu diesem Film wurde ein zehn Meter langes Relief im Amun-Tempel wieder ausgegraben. Zum Vorschein kam eine kleine Sensation: Ägyptische Herrscher kriechen vor einem schwarzen Pharao.

Als erster Schwarzer besteigt der Nubier Piye den Pharaonen-Thron im fernen Ägypten. Er ist es auch, der in Nubien Pyramiden erbauten lässt. Diese sind kleiner und steiler als die ägyptischen Vorbilder.

Anders als ihre Vorbilder, die ägyptischen Pyramiden, sind die nubischen Pyramiden wesentlich steiler und mit etwa 30 Metern Höhe auch kleiner.

Ein Opfertisch trägt den Namenszug des Stifters. Als Piye stirbt bringt man seinen Leichnam 30 km nilabwärts nach 'El Kurru' in die älteste Totenstadt Kuschs. Ganz in der Nähe ist noch heute ein islamischer Begräbnisplatz. Es waren einmal die ersten Pyramiden des Sudan, diese Kieshügel, vor ihrer Zerstörung. Denn Piye setzt noch in seinem Tod ein Zeichen. Er belebt die, in Ägypten längst aufgegebene Tradition des Baus von steinernen Pyramiden. Anders als ihre Vorbilder sind die nubischen Pyramiden wesentlich steiler und mit etwa 30 Metern Höhe auch kleiner.

Da sie die tief in den Untergrund gehauene Grabkammer ursprünglich völlig überdeckten, konnte mit dem Bau erst nach dem Ableben des Herrschers begonnen werden. Diese Form der Bestattung wird im Reich Kusch über ein Jahrtausend Bestand haben. Während sich die Oberschicht in allen Bereichen immer stärker der Kultur und Religion des besiegten Nachbarvolkes annähert, bleibt das Leben der Bauern und Nomaden davon weitgehend unberührt.

Der Nil gibt und gab den Rhythmus vor. Amun-Tempel, weiße oder schwarze Pharaonen, oder heute die Regierung in Khartoum, vor dem Fluß der das Leben bringt, wird alles andere unbedeutend. Die Nachfolger 'Piyes' verlassen ihre Heimat und regieren als Pharaonen von Memphis aus. Die Geschichte des Reiches Kusch vereint sich jetzt mit der Ägyptens. Erst zum Sterben kommen die schwarzen Pharaonen alle wieder an den Gebel Barkal zurück. Der Letzte und vielleicht bedeutendste unter ihnen ist 'Taharqa'.

In den 26 Jahren seiner Regierung hat das Reich die größte Ausdehnung, reicht von Libyen bis nach Vorderasien, von den phönikischen Häfen bis nach Meroe mitten im Sudan. Die vielen von Taharqa gestifteten Tempel zeigen sein besonderes Interesse an religiösen Fragen. Eindrucksvolles Beispiel der Kunst seiner Architekten ist der Ha(a)thor-Tempel direkt unterhalb des Gebel Barkal.

Als Kuh aber auch frauengesichtig mit Kuhohren wird die Mutter- oder Liebesgöttin Hathor dargestellt. Eine Inschrift weist Taharqa als Sohn des Sonnengottes und Herr über Ober- und Unterägypten aus. Das Allerheiligste liegt tief im Fels. 2700 Jahre haben die Farben überdauert. Auf einem Relief opfert Taharqa rechts, dem im Berg verborgenen Gott Amun in der Mitte. Die Nadel des Gebel Barkal als Uräusschlange mit der Sonnenscheibe. Vom Ruhm des Königs kündete einst eine goldene Tafel, weithin sichtbar an der Spitze der 70 Meter hohen Felsnadel. Doch dann verlässt das Glück den schwarzen Pharao. Die Assyrer erobern Ägypten. Verbittert stirbt er fünf Jahre später in seiner Heimat. Seine Grabpyramide in 'Nuri' am anderen Nilufer, war mit ursprünglich 60 Metern die größte je im Sudan gebaute.

Von der politischen Bühne des Mittelmeers sind die Kuschiten in Zukunft Welten entfernt. Doch in ihrem Kernland, um den heiligen Berg, herrschen ihre Könige noch über viele Generationen.

Buch und Regie: Rüdiger Lorenz und Faranak Djalali

Stand: 12.02.2010, 12.28 Uhr

Filmmusik & Stab

Musik:

Schätze der Welt II - Vor- und Abspann:
Oliver Kraft

Soundtrack Gebel Barkal (Flötenmusik):
Hafiz Abdel Rahman



Buch und Regie: Rüdiger Lorenz und Faranak Djalali
Kamera: Anton Mayer und Michaela Mergenhagen

Zurück zur Startseite von:

Sendezeit

3sat
Sonntags:
19.40 Uhr

SWR Fernsehen
Samstags:
7.15 Uhr