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14:29 min | Mo, 8.6.2015 | 12:45 Uhr | 3sat

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Fes, Marokko, Folge 64

SWR

Wer heute die Altstadt von Fes betritt, fühlt sich in die Zeit der Geschichten aus 1001 Nacht zurückversetzt. Handwerk und Handel machten Fes zu einer blühenden Stadt. Der Reichtum versteckte sich hinter unscheinbaren Fassaden. Bis heute ist Fes die kulturelle und geistige Hauptstadt Marokkos. So viele Moscheen und Koranschulen wie Fès hat keine andere Stadt im Land.

Filmtext

Fremder, kommst du nach Fes, sieh dich vor. Viele Wege führen in die Altstadt von Fes. Wenige nur, sagt man, führen dich wieder heraus. Überleg es dir gut, bevor du das Tor durchschreitest, das Blaue Tor. Dahinter liegt eine andere Welt. Eng und verschlungen sind da die Wege. Ein Labyrinth. Ohne rettenden Faden. Wer hilft dir wieder heraus?

Blau ist die Farbe von Fes. Blau wie das Meer. Und ein Meer voll Geschichten ist diese Stadt. Du musst sie nur finden.

Blau ist die Farbe von Fes. Grün ist die Farbe des Glaubens. Überleg es dir gut, welcher Farbe du folgst. Folgst du zu lange dem Blau, führt dich das Blau, vielleicht, in die Irre.

Hörst du den Ruf des Muezzin? Er ruft zur Besinnung. Er ruft zum Gebet. Aber auch hier, an heiligem Ort, wartet auf dich eine Geschichte. Hier ist noch eine Rechnung offen. Seit über 600 Jahren. Die Medrassa Bou Inania nämlich, in die du den Fuß gesetzt hast, die bis heute als Hochschule dient und als Moschee, die einzige Moschee in ganz Marokko, in die auch ein Ungläubiger hineindarf, die Medrassa ist bis auf den heutigen Tag nicht bezahlt.

Schönheit lässt sich nicht mit Geld aufwiegen, sprach der Sultan, der sie bauen ließ, Abou Inan, bekannt für seine Zeugungskraft und seine Sparsamkeit. Als ihm die Handwerker die Rechnung präsentierten, zerriss er die und warf die Schnipsel in den Fluss, von dem die Stadt den Namen hat.

Vom Sultan Abou Inan kannst vielleicht auch du noch lernen. Und Fes womöglich hat von ihm gelernt. Denn Fes war keine arme Stadt. Ein Quell des Reichtums war das Wasser, das hier an allen Ecken sprudelt.

Ein Quell des Reichtums war das Handwerk und der Handel. Zu welchem Luxus dieser Reichtum führt, wirst du auf deinem Weg erleben, wenn du Glück hast.

Erzähler:

...da gab es diese Stadt noch nicht, nicht diese engen Gassen, dunklen Gänge, wo Finsternis dich zu verschlucken droht. Zwölfhundert Jahre ist das her und nicht vergessen. Am Ende des achten Jahrhunderts kam Idriss der Erste hierher, auf der Flucht vor Harun al Raschid, dem Kalifen von Bagdad. An einem Fluss mit Namen Fes ließ er sich nieder. Um eine Stadt zu bauen. Er wollte endlich Frieden finden. Er fand hier den Tod, er wurde ermordet. Von Abgesandten des Kalifen, vor dem er sich hier sicher wähnte. Doch wie es ist und kommt, weiß nur Allah.

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Fes - Labyrinth und Paradies

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Fremder, kommst du nach Fes, sieh dich vor. Viele Wege führen in die Altstadt von Fes. Wenige nur, sagt man, führen dich wieder heraus. Überleg es dir gut, bevor du das Tor durchschreitest, das Blaue Tor. Dahinter liegt eine andere Welt. Eng und verschlungen sind da die Wege. Ein Labyrinth. Ohne rettenden Faden. Wer hilft dir wieder heraus?

Fremder, kommst du nach Fes, sieh dich vor. Viele Wege führen in die Altstadt von Fes. Wenige nur, sagt man, führen dich wieder heraus. Überleg es dir gut, bevor du das Tor durchschreitest, das Blaue Tor. Dahinter liegt eine andere Welt. Eng und verschlungen sind da die Wege. Ein Labyrinth. Ohne rettenden Faden. Wer hilft dir wieder heraus?

Wer heute die Altstadt von Fes betritt, fühlt sich in die Zeit der Geschichten aus 1001 Nacht zurückversetzt. Handwerk und Handel machten Fes zu einer blühenden Stadt.

Dein Weg hat dich immer tiefer geführt, immer weiter hinein in die Altstadt von Fes, immer tiefer hinab. Jetzt bist du am tiefsten Punkt dieser Stadt angekommen. Hier werden die Felle enthaart und gebeizt, gegerbt und gefärbt.

Hier werden die Felle enthaart und gebeizt, gegerbt und gefärbt. Hier herrschen Schmutz und Gestank. Gerüche, Gerüchte, der Lärm und die Farben. Alles vermischt sich. Was hier geschieht, mehrte zu allen Zeiten den Reichtum der Stadt.

Färber bei ihrer Arbeit, die Stoffe in schönem Rot leuchten zu lassen.

Blau ist die Farbe von Fes. Grün ist die Farbe des Glaubens. Überleg es dir gut, welcher Farbe du folgst. Folgst du zu lange dem Blau, führt dich das Blau, vielleicht, in die Irre.

Ein Quell des Reichtums war das Handwerk und der Handel. Zu welchem Luxus dieser Reichtum führt, wirst du auf deinem Weg erleben, wenn du Glück hast.

Außenansicht der Moschee. Hörst du den Ruf des Muezzin? Er ruft zur Besinnung. Er ruft zum Gebet.

Vom Sultan Abou Inan hat Fes womöglich gelernt. Denn Fes war keine arme Stadt.

Wo aber, Fremder, der sich verirrt, suchst du dein Heil? Wenn du kein Moslem bist, bleibt die Moschee dir verschlossen. Nicht moslemischer Hochmut, wie du vielleicht denkst, ein Gesetz der Franzosen vom Anfang dieses Jahrhunderts verwehrt dir den Zutritt. Verbannt dich aufs Dach der Medrassa El Attarin.

Schönheit lässt sich nicht mit Geld aufwiegen, sprach der Sultan, der die Moschee bauen ließ, Abou Inan, bekannt für seine Zeugungskraft und seine Sparsamkeit. Als ihm die Handwerker die Rechnung präsentierten, zerriss er die und warf die Schnipsel in den Fluss, von dem die Stadt den Namen hat.

Bis heute ist Fes die kulturelle und geistige Hauptstadt Marokkos.

Fes el-Bali, neben Marrakesch eine der wichtigen vier Königsstädte Marokkos

Wo aber, Fremder, der sich verirrt, suchst du dein Heil? Wenn du kein Moslem bist, bleibt die Moschee dir verschlossen. Nicht moslemischer Hochmut, wie du vielleicht denkst, ein Gesetz der Franzosen vom Anfang dieses Jahrhunderts verwehrt dir den Zutritt.

Erzähler:

Als aber Idriss der Erste von gedungenen Mördern des großmächtigen Kalifen von Bagdad bis in diese Gegend gehetzt und hier von ihnen gemeuchelt worden war, hinterließ er einen Sohn, der wurde geboren erst nach seinem Tod, und der wurde zum wahren Gründer von Fes. Und er lobte und pries Allah, denn er war ein Anhänger des Propheten und folgte dem Ruf zum Gebet.

Wo aber, Fremder, der sich verirrt, suchst du dein Heil? Wenn du kein Moslem bist, bleibt die Moschee dir verschlossen. Nicht moslemischer Hochmut, wie du vielleicht denkst, ein Gesetz der Franzosen vom Anfang dieses Jahrhunderts verwehrt dir den Zutritt. Verbannt dich aufs Dach der Medrassa El Attarin.

In der Medrassa darfst du dagegen gern deine Blicke schweifen lassen. Allah wird dir nicht zürnen, wenn du dich umschaust, sein Name steht hier geschrieben an Pfeilern und Säulen.

Dein Weg hat dich immer tiefer geführt, immer weiter hinein in die Altstadt von Fes, immer tiefer hinab. Jetzt bist du am tiefsten Punkt dieser Stadt angekommen. Hier werden die Felle enthaart und gebeizt, gegerbt und gefärbt. Hier herrschen Schmutz und Gestank. Gerüche, Gerüchte, der Lärm und die Farben. Alles vermischt sich. Was hier geschieht, mehrte zu allen Zeiten den Reichtum der Stadt. Dir aber wird es vielleicht, hältst du zu lang dich hier auf, die Sinne rauben.

Wie aber, Fremder, willst und wohin du jetzt deine Zuflucht noch nehmen, betäubt und verwirrt und am Ende? Zum Himmel etwa? Dass der dir einen Ausweg erfände?

Bab Boujeloud Erzähler:

Da du zum Blauen Tor, das innen grün ist wie die Hoffnung, den Weg zurückgefunden hast, als wärst du Seinem Pfad gefolgt, so danke Gott und schau nicht mehr zurück. Verlass die Stadt durch das Tor, und wenn du wiederkehrst, eines Tages, erzählt sie, vielleicht, dir neue Geschichten.

Buch und Regie: Josef Becker

Filmmusik & Stab

Büdi Siebert
Schätze der Welt I
Franz Schubert
Out of classics: Notturno, D. 897
Trio Fontenay
Anonymous
Anthology of chant: Ezan Sura II
Rabih Abou-Khalil
Arabian Waltz
Anonymous
Andalusian Music from Marocco
Moroccan Ensemble from Fez
Rabih Abou-Khalil
Arabian Waltz: Arabian Waltz
Anonymous
Anthology of chant: Ezan Sura II
Rabih Abou-Khalil
Sultan's Picnic: Solitude
Sultan's Picnic: Lamentations
Arabian Waltz: No Visa...

Buch und Regie: Josef Becker
Kamera: Holger Schüppel

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