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Das Dreifaltigkeitskloster von Sergijew Possad, Rusland, Folge 31

Schätze der Welt,  17.3.1996 | 14:02 min

Filmtext

Schwerlich dürfte sich unter Rußlands Klöstern eines finden, das bekannter ist als das Kloster der Heiligen Dreifaltigkeit und des Heiligen Sérgij, - gelegen rund 80 km nordöstlich von Moskau in der Stadt Sergijew Posad, die von 1920 bis 1992 "Sagorsk" hieß.

Dort entstand im 14. Jahrhundert eines der Zentren der russisch-orthodoxen Kirche. Das Kloster ist eine Residenz des Patriarchen von ganz Rußland. Heute ist die russich-orthodoxe Kirche wieder offiziell anerkannt. Zur wichtigsten Feier des Klosters, dem Dreifaltigkeitsfest, kommen Gläubige aus der ganzen Umgebung, manche sogar aus weit entfernten Regionen, zur Heiligen Ölung.

Das Dreifaltigkeitskloster wurde zu einer Lawra erhoben. Das heißt: es ist ein Kloster höchsten Ranges. Die Anlage gleicht einer Festung: acht Wehrtürme und eine Mauer boten immer wieder Schutz gegen monatelange Belagerungen. Innerhalb der Mauern: neun Kirchen, der riesige Glockenturm, das Refektorium, der Palast des Metropoliten, die Theologische Akademie im ehemaligen Zarenpalais, die Schatzkammer und die Mönchsklausen. Alle Bauten stehen heute unter Denkmalschutz.

Immer wieder mußte das Kloster verteidigt werden: gegen Tartaren, Litauer, Schweden und Polen zum Beispiel. Über dem Heiligen Tor, dem Haupteingang des Klosters, dokumentieren Fresken diese Geschichte.

Gegründet wurde das Kloster Mitte des 14. Jahrhunderts vom Heiligen Sérgij von Rádônesh. Er war ein Mann von außerordentlicher Autorität. Er machte das Land urbar und übte großen Einfluß auf das geistige Leben aus. Und was eine Lichtgestalt am nächtlichen Himmel ihm verkündet hatte, wurde wahr: "Genauso wie die Zahl der Vögel, die jetzt zu dir gekommen sind, sich vermehrt, genauso wird sich die Zahl deiner Lehrlinge vermehren, und auch nach dir werden sie deinen Spuren folgen." Und da die Ideen des Heiligen Sérgij von seinen Schülern weitergetragen wurden, gewann das Kloster immer mehr an Einfluß. Bis ins 18. Jahrhundert hinein wurde es immer weiter ausgebaut, und bis heute sind alle Bauten erhalten geblieben.

Der berühmteste Wehrturm ist der Ententurm. Als Peter der Große sich während des Machtkampfes gegen seine Schwester Sofia im Kloster verborgen hielt, soll er von hier aus Enten gejagt haben.

Zaren und Bojaren sollen jedes Jahr zu Fuß von ihren Prunkschlössern zum Dreifaltigkeitskloster gepilgert sein, unten ihnen sogar Iwan der Schreckliche. Im Klosterhof vor dem Glockenturm ein Brunnen, der Heiliges Wasser spendet. Man glaubt daran, daß dieses Wasser Krankheiten kuriert und für das seelische und körperliche Wohlbefinden gut ist. Bis heute kommen Menschen von nah und fern, um dieses Wasser zu holen. Die Dreifaltigkeitskirche. Sie ist die älteste Kirche des Klosters und wurde über dem Grabmal des Heiligen Sérgij errichtet. Wenn man sie durch den bescheidenen Vorraum betritt, erblickt der Besucher die prächtige Ikonostase, die den Altar von der Kirchengemeinde trennt. Die Ikonenreihen soll man von oben nach unten und von links nach rechts lesen. Sie erzählen im Bild die biblische Geschichte. Der Mönch Andrej Rúbljow hat Ikonostase und Innenraum ausgeschmückt. Rechts von dem zum Königreich Gottes führenden "Zarentor" hängt die Haupt-Ikone: die Dreifaltigkeits-Ikone.

Wie in allen orthodoxen Klöstern wird die Gottesmutter Maria sehr verehrt. Rechts neben der Ikonostase: ein Sarkophag. Hier ruht der Heilige Sérgij von Rádonesh. Von ihm sind viele Botschaften überliefert worden. Zum Beispiel: "Lernt von mir, denn ich bin demütig, und eure Seelen werden Ruhe finden." "Gehorsam bedeutet, daß man auf jegliches Argumentieren verzichtet, angesichts alles überstrahlender Vernunft." Und: "Wer gelernt hat, die Schwäche zu ermessen, hat Demut in Vollendung erworben."

Das Kloster hat jahrhundertelang Kunstschätze gesammelt, darunter kostbare Ikonen. Später kam hinzu, was von alten zerstörten Kirchen übrig blieb. Zum Besipiel dieses "Zarentor" aus der Schule des Andrej Rúbljow: die Ikonenmalerei gehört bis heute zur Tradition in der Umgebung von Sérgijew Posad. Das Kloster wurde von Zaren und Bojaren reich beschenkt. In diesem Buch sind die Namen der Spender verzeichnet. "Je größer die Sünden, desto reicher die Gaben." Ein Beispiel: eine gestickte Decke; sie war für einen Sarkophag bestimmt. Durch feinste Stickereien versuchte man, Damast und Brokat der Syrer nachzuahmen. - Das Geschenk einer wohlhabenden Familie, die sich vermutlich einen Platz im Paradies erkaufen wollte.

Überreich wurde das Kloster von Boris Godunow beschenkt. Angeblich soll sein schlechtes Gewissen ihn bewogen haben, die Ikone der Dreifaltigkeit verschwenderisch mit Gold und Edelsteinen verkleiden zu lassen. Boris Godunows Neigung zur Prachtentfaltung hat eine ganze Generation von Juwelieren beschäftigt, und es wurde ein völlig neuer Stil entwickelt. Zar Boris Godunow, der "Emporkömmling und Außenseiter", ist mit seiner Familie im Klosterhof beigesetzt worden.

1918 wurde das Kloster verstaatlicht. Die Mönche mußten fliehen und sich verstecken. Viele von ihnen wurden ermordet. Andere fanden Unterschlupf in den alten Mauern des nahen Klosters Chernigówski Skid. Zur Lawra gehörten einst viele Einsiedeleien und kleine Klöster, die alle in Sichtweite voneinander lagen.

Nach dem 2. Weltkrieg ist das religiöse Leben in der Lawra der Heiligen Dreifaltigkeit wieder aufgenommen worden.

Das "Dreifaltigkeitsfest" der russisch-orthodoxen Kirche hat begonnen. Die aus der ganzen Umgebung herbeigeströmten Gläubigen begleiten den Zug der Priester und Mönche über den Klosterhof.

In allen Kirchen reiht sich Gottesdienst an Gottesdienst. Die Kirchen sind mit Birkenlaub und Blumen feierlich geschmückt. Kostbare Festtags-Ikonen werden aufgestellt und grün begränzt.

Die Dreifaltigkeits-Lawra von Sérgijew Posad bietet faszinierende Beispiele der russischen Architektur des 14. bis 18. Jahrhunderts. Aber sie ist mehr als ein Denkmal, sie ist ein lebendiges Heiligtum der russisch-orthodoxen Christen.

Buch und Regie: Hannelore Kelling

Letzte Änderung am: 12.02.2010, 12.27 Uhr

Filmmusik & Stab

Siebert, Büdi
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Hymnus to the Mother of God, Take 10
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Chor USSR, TV & Radio Symphonie Orchester
Mussorgski, Modest
Boris Godunov: Chor der Mönche
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Buch und Regie: Hannelore Kelling
Kamera: Holger Schüppel
Produktionsjahr: 1994

Sendezeit

3sat
Sonntags:
19.40 Uhr

SWR Fernsehen
Samstags:
6.00 Uhr

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