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Europa: Großbritannien, Deutschland Der Limes

Grenze zu den Barbaren

Sendung vom Mittwoch, 11.12.2013 | 8.45 Uhr | SWR Fernsehen in Baden-Württemberg

Fast 550 Kilometer zieht sich der Obergermanisch-Raetische Limes - die Grenze Roms zu den Barbaren - quer durch Deutschland. Der Limes lag auf dem Gebiet des heutigen Hessen, Baden-Württemberg und Bayern und grenzte die nördlich der Donau liegenden Teile der römischen Provinz Raetia und die rechtsrheinischen Teile der Germania Superior nach Osten ab.

Teile des Limes-Grenzwall

Teile des Limes-Grenzwall

Zunächst nur ein Postenweg, wurde der Limes ab Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. zu einer imposanten Grenzanlage mit Palisaden, Gräben, Wällen und Wachtürmen ausgebaut, in Raetien später dann noch durch eine Mauer verstärkt. Die Besatzungen der über 900 Wachtürme hatten Sichtkontakt. Denn der Limes war nicht als ein militärisches Bollwerk konzipiert, sondern als eine ausgeklügelte Überwachungs- und Fernmeldeanlage. Bei Einfällen der Barbaren konnten die über 120 kleineren und größeren Kastelle im Rückraum der Grenze rasch mit Licht- und Hornsignalen alarmiert werden. Deren schnelle Eingreiftruppen schnitten dann den Eindringlingen mit einem Zangenangriff den Rückzug ab.

Rekonstruktion römischer Militäranlagen

Schnurgerade zog sich der Limes hunderte von Kilometern durch die Landschaft. Eine gewaltige Ingenieurleistung, von der aber nur noch wenige Spuren erhalten sind. So geben vor allem die Grabungen der Archäologen Auskunft über das Leben am Limes. Auf der Basis ihrer Erkenntnisse wurden auch Wachtürme samt Palisaden, Graben und Wall rekonstruiert. Die früheste und wohl berühmteste Rekonstruktion einer römischen Militäranlage am Limes ist die Saalburg bei Bad Homburg. Seine Majestät höchstpersönlich, der preußische Kaiser Wilhelm II, machte sich die Idee zu Eigen, in den Wäldern des Taunus ein Grenzkastell teilweise wiederaufzubauen. Heute hilft der Computer, sich eine Vorstellung von bedeutenden Stätten des Limes zu machen - wie von dem Kastell Aalen, dem größten römischen Reiterlager nördlich der Alpen.

Der Limes als Wohlstandsgrenze

Doch trotz 200 Jahren wissenschaftlicher Forschung am Limes bleibt vieles im Dunkeln, wurde schon immer über den Zweck der Anlage spekuliert. So kommen immer mehr Wissenschaftler zu der Auffassung, dass der Limes neben seiner militärischen Bedeutung vor allem als territoriale Grenzlinie zur wirtschaftlichen Kontrolle gesehen werden muss. Der Limes als Wohlstandsgrenze - es zeigt sich, welche Aktualität das größte Bodendenkmal Europas hat. 2005 wurde der Obergermanisch-Raetische Limes in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen.

Bildergalerie

Bildergalerie

Teile des Limes-Grenzwall

Der Limes - Grenze Roms zu den Barbaren. Zwischen Rhein und Donau wurden die Provinzen Germania Superior und Raetien durch den Limes nach Osten und Norden hin abgegrenzt.



Festung am Limes

900 Wachtürme gab es auf dem nahezu 550 Kilometer langen Grenzwall zwischen Donau und Rhein. Nur noch Bruchteile des Grenzwalls sind erhalten.



Wachturm am Limes

Wachturm am Limes: Die Besatzungen der Wachtürme hatten untereinander Sichtkontakt. Mit Licht- und Hornsignalen konnten sie bei Einfällen der Barbaren schnelle Eingreiftruppen im Hinterland alarmieren, die den Eindringlingen dann den Rückzug abschnitten.



Statue des Antonius Pius an der Pforte des Kastell Saalburg

Statue des Antonius Pius an der Pforte des Kastell Saalburg.



Daten & Fakten

Kulturdenkmal:Limes - Grenzwall des Römischen Reiches
UNESCO-Ernennung: 2005 ergänzend zur Ernennung des Hadrianswall, Großbritannien, 1987
Obergermanisch-Rätischer Limes
Antike Grenze zwischen dem Römischen Reich und den Germanischen Stämmen auf einer Länge von 550 km. Der Limes in Deutschland führt entlang des Rheins, des Neckars und der Donau bis in die Region um Regensburg.
Architektur
Der Limes bestand aus Palisaden, Gräben, Wällen und Kastellen
ab ca. 122
gleichzeitig mit dem Bau des Hadrianswall in Nordengland wird an den Grenzanlagen zu Germanien gearbeitet
159-260
Endausbau des obergermanisch-raetischen Limes, der nun etwa 548 Kilometer lang ist und sich von Rheinbrohl (nördliches Rheinland-Pfalz) zunächst nach Osten, dann aber in einem scharfen Knick nach Süden bis zum Städtchen Lorch erstreckt.
259/260
Mit dem großen Alemanneneinfall geht der Limes unter.
1780
Ein bayerischer Chronist berichtet, die dortige Mauer sei auf weite Strecken deutlich zu sehen, doch "holten sich die Anwohner fuderweise Steine von da"
frühes 19.Jh.
In Köln stehen noch etliche Türme der römischen Stadtmauer, die nach und nach abgebrochen werden.

Copyrightvermerk für Daten & Fakten
© Chronik Verlag im Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH Gütersloh/München 2000 - 2010



Ein Film von Willy Meyer

Letzte Änderung am: 23.09.2011, 09.03 Uhr



Europa: Großbritannien, DeutschlandFilmtext & Video

Der Limes

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Der Limes- Grenzwall des Römischen Reiches, Deutschland, Folge 343

Grenze zu den Barbaren

Schätze der Welt - Erbe der Menschheit,  11.12.2013 | 14:57 min

Filmtext


"Du aber Römer, denke daran, die Völker mit Deinem Befehl zu beherrschen. Dies sollen Deine Künste sein: ordnend zum Frieden zwingen, die Unterworfenen zu schonen und die Stolzen zu unterwerfen." - So postulierte der römische Dichter Vergil in dem Heldenepos Aeneis den Anspruch des Imperium Romanum auf die absolute Herrschaft über die Völker der Erde.

Zwei Jahrtausende später wuchern Gras und Gestrüpp über die letzten Spuren des Limes - der Grenze Roms zu den Barbaren. Anfang des 1. Jahrhunderts hatte das römische Reich nach Chaos und Bürgerkrieg zu Geschlossenheit und militärischer Stärke zurückgefunden. Die siegreichen Heere in Nordafrika, an Donau und Rhein verliehen Rom den Nimbus der Unbesiegbarkeit. Und dennoch begannen die Römer, Grenzen auf einer Länge von 7000 Kilometern anzulegen. Zwischen Rhein und Donau wurden die Provinzen Germania Superior und Raetien durch den Limes nach Osten und Norden hin abgegrenzt. Zunächst nicht mehr als ein Postenweg, wird er ab Mitte des zweiten Jahrhunderts zu einer imposanten Grenzanlage ausgebaut - eine gewaltige Demonstration der Macht... Im Nordosten des Imperiums bestimmte die Donau den Verlauf des römischen Limes. Der Fluss verband als wichtige Handels- und Verkehrsstraße das Schwarze Meer mit Zentraleuropa. In Castra Regina, dem heutigen Regensburg, wachte eine Legion mit 5000 Mann über die Wassergrenze. Weiter südlich nahe dem Donaudurchbruch bei Weltenburg zweigten die römischen Geometer dann den Limes am so genannten Haderfleck geradewegs nach Westen ab... ... im Endausbau reihten sich über 900 Wachtürme auf der nahezu 550 Kilometern zwischen Donau und Rhein.

Nur noch Bruchsteine erinnern heute an die massive, bis zu vier Meter hohe Mauer, die in der Provinz Raetien die Wachtürme der Römer verband. - Mit ihrem weißen Kalkputz und roten Fugenstrichen eine imposante zivilisatorische Geste, beherrschten die Völker jenseits der Mauer lediglich das Bauen mit Holz. Und noch im Mittelalter gab es für die Überreste des rätselhaften Bauwerks nur eine Erklärung - die Teufelsmauer konnte nur ein Werk des Antichrist sein...

Die Besatzungen der Wachtürme hatten untereinander Sichtkontakt. Mit Licht- und Hornsignalen konnten sie bei Einfällen der Barbaren schnelle Eingreiftruppen im Hinterland alarmieren, die den Eindringlingen dann den Rückzug abschnitten. Der direkte Schutz der Grenzlinie war Aufgabe der Auxilia, Hilfstruppen, die in über hundertzwanzig kleineren und größeren Lagern in Limesnähe untergebracht waren. So wie hier in Sablonetum, einem kleinen Kastell am westlichen Rand der Fränkischen Alb. Dieses war der Statio Biricianis vorgelagert, einem großen Reiterkastell, dessen quadratischer Umriss sich heute deutlich inmitten der Stadtlandschaft von Weissenburg abzeichnet. Einquartiert war hier die Ala Hispanorum Auriana, eine schlagkräftige, 500 Mann starke Reitereinheit, die ursprünglich in Spanien aufgestellt worden war. Das in Weissenburg weitere 1000 Soldaten - eine Kohorte mit Fußtruppen und Reitern - stationiert waren, belegen Grabungen. Und sie brachten auch die bislang größte Thermenanlage am Limes zu Tage. Kaltbad, Lau- und Heißbaderäume sowie das Sudatorium - das Schwitzbad - wurden nicht nur von Soldaten genutzt, sondern auch von den Bewohnern des angrenzenden Vicus, des Kastelldorfs. Dort blühten Handel und Handwerk - und für ein paar Asse gab es auch Wein und Damenbedienung.

Während über das Leben der Germanen vieles im Dunkeln bleibt, zeichnen römische Funde - Hausrat, Werkzeuge und Waffen - das Bild einer antiken Hochkultur, die auch gutes Essen zu schätzen wusste: Speisen mit raffinierten Würzessenzen, Datteln und Reis aus dem Orient, Olivenöl und Wein, die (in Amphoren) aus Italien importiert wurden. - Die Germanen dagegen tranken Bier, kannten weder Bäder, Steinhäuser noch urbanes Leben...

Für Rom markierte der Limes die Grenze zwischen Zivilisation und Barbarei. Seine gut ausgebildeten Soldaten beherrschten nicht nur das Kriegshandwerk - sie bestellten Felder, schlugen über hunderte von Kilometern Schneisen (in den Wald) und errichteten ein gewaltiges Grenzwerk.

Götterstatuetten, handwerklich und künstlerisch von höchster Qualität, aus dem Schatzfund von Weissenburg. Das kostbare Inventar eines Heiligtums wurde wohl auf der Flucht bei den großen Germaneneinfällen Mitte des 3. Jahrhunderts nach Christus vergraben. Bis dahin war es den Römern weitgehend gelungen, die Grenzen ruhig zu halten. Das straff organisierte Heer war den Germanen weit überlegen, ein Netz von Kundschaftern warnte vor Überfällen, Aufstände wurden mit aller Härte niedergeschlagen. Die pax romana - der römische Frieden - wurde mit Macht durchgesetzt.

Doch bis heute rätselt man, ob der Limes neben der militärischen Sicherung der Grenzen noch andere Aufgaben zu erfüllen hatte. So erkennt die Forschung heute in der Grenzanlage vor allem ein ausgeklügeltes Überwachungs- und Fernmeldesystem, das nicht nur dazu diente, Handel und Wirtschaft zu kontrollieren. Die Römer wollten vor allem auch der Einwanderung Grenzen setzen. - Der Limes, eine Wohlstandsgrenze. Von großer strategischer Bedeutung war das Kastell in Aalen. Die Ala secunda Flavia milliaria bildete mit ihren 1000 Reitersoldaten lange Zeit die schlagkräftigste Einheit der Provinz Raetien.

Nur noch die Grundmauern des Stabsgebäudes sind von dem größten Reiterlager nördlich der Alpen erhalten... ... und so hilft heute der Computer, sich ein Bild von dem gewaltigen Kastell zu machen. Zu seiner Umwehrung gehörten vier große Tore mit jeweils zwei Durchfahrten, die auf beiden Seiten von Türmen bewacht wurden. Das klar gegliederte, rein funktional ausgerichtete Lager hatte mit 277 mal 214 Metern beeindruckende Außenmaße. Im Zentrum der Anlage befand sich die Principia - das Stabsgebäude. Der Kommandeur bekleidete die höchste Rangstufe der ritterlichen Karriereleiter. Er war Herr über eintausend hoch bezahlte und bestens ausgerüsteter Reitersoldaten, von denen ein jeder über zwei Pferde verfügte, um ständig einsatzbereit zu sein. Die Aufgaben dieser Elitesoldaten waren eher taktischer Art: Fernaufklärung, aber auch Vergeltungsangriffe im Limesvorland.

Der Alltag draußen am Limes muss dagegen meist sehr trist gewesen sein. Ein Stück der römischen Demarkationslinie mit Palisadenzaun, Graben, Wall und einem steinernen Wachturm wurde auf dem Heidenbuckel, einer der höchsten Erhebungen am obergermanischen Limes, auf eindrucksvolle Weise rekonstruiert. Tage- oft wochenlang hausten die drei - bis achtköpfigen Wachmannschaften auf sich alleine gestellt in ihren Türmen. Die Hilfstruppen am Limes rekrutierten sich vor allem aus Angehörigen der unterworfenen Völkerschaften - zur Belohnung für 25 schwere Dienstjahre winkte das römische Bürgerrecht. Wenig Sichtbares ist von Europas größtem Bodendenkmal übrig geblieben. Zwar folgen noch viele Straßen und Gemarkungsgrenzen exakt dem Limesverlauf. Wall und Graben wurden aber über Jahrhunderte vom Pflug nivelliert, Mauersteine waren willkommenes Baumaterial...

Je mehr im Dunkeln blieb, umso mehr bewegte der Wunsch die Menschen, sich ein möglichst konkretes Bild vom Limes und seiner Zeit zu machen. Prominentes Beispiel ist die Saalburg im Taunus. Die Rekonstruktion des Kastells, in dem zur Limeszeit eine 500 Mann starke Kohorte stationiert war, verdankt sich der Begeisterung eines deutschen Kaisers für die römische Antike. Als Jugendlicher hatte Wilhelm II die Ausgrabungen auf dem Ruinengelände mit großem Interesse verfolgt. Jahre später - 1897 - verkündete er seinen Entschluss, das Kastell wiederaufzubauen. Schon zu Zeiten des Humanismus unternahmen Privatgelehrte archäologische Forschungen am Limes. Doch erst im 19. Jahrhundert kam die wissenschaftliche Beschäftigung mit dem römischen Erbe in Gang. Geschichts- und Altertumsvereine wurden gegründet, ab 1871 begann man unter Federführung der Reichslimeskommission mit systematischen Grabungen. So auch im Bereich der Saalburg und der nahen Grenzlinie. Seine Majestät Kaiser Wilhelm II höchstpersönlich informierte sich über den Fortschritt der Grabungen. Der letzte deutsche Kaiser machte die Saalburg zur Chefsache, warb - und sammelte Geld für ihren Wiederaufbau und hatte in dem Baurat Louis Jacobi den geeigneten Architekten gefunden.

Mit dem Römerkastell verbanden ihn nicht nur die Liebe zu Archäologie und Geschichte. Die Saalburg diente auch der Propaganda, ließen sich doch antike Kaisermacht und imperialer Anspruch der wilhelminischen Epoche in besonderer Weise verbinden.

Die "Römerveste auf der Höhe des Taunus" erregte nationales wie internationales Aufsehen und entwickelte sich rasch zum Publikumsmagneten. 1904 wurde sie zum Schauplatz des ersten internationalen Automobilrennens auf deutschem Boden, die Tribünen waren gehalten im altrömischen Stil...

"Die Götter wollen, dass Rom das Haupt der Welt sein wird, deshalb sollen sie die Kriegskunst pflegen und ihren Nachkommen überliefern, damit keine menschliche Macht römischen Waffen widerstehen kann", so Titus Livius, römischer Geschichtsschreiber in der Zeit des Augustus, des ersten gottgleichen römischen Kaisers.

Dessen Nachfolger errichteten, um die Herrschaft des Römischen Reiches zu sichern, den raetisch-obergermanischen Limes. Nach Großangriffen der Alemannen in der Mitte des 3. Jahrhunderts musste die 550 Kilometer lange Demarkationslinie aufgegeben werden - das Imperium war durch innere Kämpfe geschwächt, die Truppen den Angreifern nicht gewachsen und der Limes für einen solchen Kampf nicht gebaut. Wie noch viele Mächte nach ihnen mussten die Römer erfahren: Steine halten stets länger als die Macht.

Buch und Regie: Willy Meyer

Letzte Änderung am: 23.09.2011, 09.03 Uhr