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14:18 min | So, 30.10.2016 | 7:00 Uhr | SWR Fernsehen

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Der Kilimandjaro, Afrika, Folge 73

SWR

Im Grenzgebiet zwischen Tansania und Kenia erhebt er sich majestätisch aus der ostafrikanischen Ebene heraus. Gekrönt wird der Kilimandjaro das ganze Jahr über von einer Haube aus Schnee auf seinem Gipfel. Doch meist ist dieser von Wolken verhangen. Und so machen sich jährlich Tausende auf den Weg zum Gipfel, um zu sehen, ob so nahe am Äquator tatsächlich Schnee liegt. Oder ob sich möglicherweise doch eine weiße Schlange um die 5895m hohe Spitze windet, wie es die Legende besagt.

Filmtext

Der Gouverneur in Mombasa hatte den deutschen Missionar gewarnt, um Himmels Willen den Berg nicht zu besteigen. Er sei von bösen Geistern bewohnt...Johannes Rebmann bestieg ihn nicht, aber er war 1848 der erste Europäer, der ihn gesehen hat: den großen Kilimandscharo und seinen eisbedeckten Gipfel, den Kibo.

Rebmann wurde ausgelacht. Schnee in Afrika, nur 300km vom Äquator entfernt? - Eine solche Vorstellung konnte nur in einem Kopf entstehen, der zu lange der Hitze des schwarzen Kontinents ausgesetzt war. Wahrscheinlich hätten sich die geographischen Gesellschaften noch eher mit der alten afrikanischen Vorstellung angefreundet, um den Gipfel des Kilimandscharo winde sich eine riesige weiße Schlange. Der Kibo aus der Ebene ist ein seltener Anblick. Meist ist der weiße Gipfel wolkenverhangen. Um ihn zu sehen, muss man sich schon in die Luft begeben - oder den mühsamen Aufstieg wagen.

Erste Etappe: der Dschungel, der Regenwald, der morgens ein Nebelwald ist. Die Wanderung durch den Dschungel dauert heute längst nicht mehr so lang wie vor hundert Jahren, als die ersten europäischen Expeditionen den Gipfel stürmen wollten. Und das liegt nicht nur an modernerer Ausrüstung - der Regenwald ist viel kleiner geworden. Mancherorts ist der grüne Gürtel um das Kilimandscharo-Massiv nur noch einen Kilometer breit. Der Rest wurde abgeholzt. Holzplantagen stehen an seiner Stelle. [Künstliche Kargheit und Brückenköpfe menschlicher Besiedlung statt dichter Vegetation und ungestörtem Tierleben.]

Der Wald wird mit zunehmender Höhe zu dichtem Gestrüpp. Ab ungefähr 3800 Metern lässt das Klima nur noch eine Gras- und Heidelandschaft zu, die Moorlands. Wir sind auf dem Shira-Plateau. Der Shira ist eigentlich einer der drei Gipfel des Kilimandscharo-Massivs. Abgeflacht durch die Jahrtausende stehen aber nur noch Teile des Kraterrandes. Hier endlich hat man Wolkendecke und Bäume hinter sich gelassen, und ein ungestörter Blick auf den Kibo eröffnet sich. Der Berg hüllt sich nur noch in ein paar dünne Schleier, (um seinen nackten Gipfel interessanter zu machen.)

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Der Thron der weißen Schlange

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Der Gouverneur in Mombasa hatte den deutschen Missionar gewarnt, um Himmels Willen den Berg nicht zu besteigen.

Der Gouverneur in Mombasa hatte den deutschen Missionar gewarnt, um Himmels Willen den Berg nicht zu besteigen.

Er sei von bösen Geistern bewohnt...Johannes Rebmann bestieg ihn nicht, aber er war 1848 der erste Europäer, der ihn gesehen hat: den großen Kilimandscharo und seinen eisbedeckten Gipfel, den Kibo.

Rebmann wurde ausgelacht. Schnee in Afrika, nur 300km vom Äquator entfernt? - Eine solche Vorstellung konnte nur in einem Kopf entstehen, der zu lange der Hitze des schwarzen Kontinents ausgesetzt war.

Wahrscheinlich hätten sich die geographischen Gesellschaften noch eher mit der alten afrikanischen Vorstellung angefreundet, um den Gipfel des Kilimandscharo winde sich eine riesige weiße Schlange.

Der Kibo aus der Ebene ist ein seltener Anblick. Meist ist der weiße Gipfel wolkenverhangen. Um ihn zu sehen, muss man sich schon in die Luft begeben - oder den mühsamen Aufstieg wagen.

Mancherorts ist der grüne Gürtel um das Kilimandscharo-Massiv nur noch einen Kilometer breit. Der Rest wurde abgeholzt. Holzplantagen stehen an seiner Stelle.

Lava-Tower. Bis hierher war es vergleichsweise einfach. Nur die Höhe machte zu schaffen. 1887 versuchte der Leipziger Geograph Hans Meyer zum ersten Mal, den Kibo zu besteigen.

Er kam den Gletschern nahe, bezwingen konnte er sie nicht. Auf 5000 Metern musste er im dichten Schneetreiben aufgeben.

Erst zwei Jahre später stand er - der Leiter einer mehrer hundert Mann starken Expedition - als erster namentlich bekannter und beglaubigter Mensch auf dem Gipfel. Dem Uhuru-Peak, dem Freiheitsgipfel. 5895 Meter hoch.

Erst jetzt mochten die Gelehrten in Europa glauben, dass es so nahe am Äquator einen Schneegipfel gibt. Allerdings mußten auch schon in früheren Zeiten Menschen zu den Kibogletschern vorgedrungen sein.

Wie hätte es sonst zu der schon im Altertum bekannten Sage vom Silberberg kommen können? Silber, das sich in Wasser verwandelt, wenn man es in die Ebene trägt.

Als Hans Meyer am 6.Oktober 1889 endlich ganz oben war, auf dem höchsten Punkt Afrikas, auf dem Gipfel des höchsten freistehenden Berges der Welt, da überkam ihn eine weihevolle Stimmung.

Er sah in den großen Krater und dachte an alle Opfer und Enttäuschungen der Jahre, in denen der Berg sein Lebensinhalt war. Und dann blickte er mit einem Glücksgefühl und einer Zufriedenheit zurück auf die Stationen des Aufstiegs, wie wohl keiner der vielen tausend Bezwinger des Gipfels nach ihm. Nur ihm und dem einzigen Begleiter, den er auf der letzten Etappe mitgenommen hatte, wollte - so war ihm - der Berg sein Geheimnis mitteilen.

Nachts ist es hier immer unter Null Grad, tagsüber kann es richtig heiß werden. Die Pflanzen haben sich angepaßt. Eine Riesenlobelie öffnet ihre fleischigen wasser- und wärmespeichernden Blätter nach durchfrorener Nacht den ersten Sonnenstrahlen. Weiter oben, am Ende der schiefen Shira-Ebene ist die Vegetation noch weiter ausgedünnt. Meterhohe Riesen- Senezien ragen vor der kargen Landschaft auf. Nach ihnen gibt es nur noch Steine und Geröll, ein paar Vögel - und den majestätischen Anblick des Silberbergs.

Schaut man hinunter, erscheint noch das Shira-Plateau als eine rauhe grüne See; dann hüllt sich alles in kalten Dunst. Niemand weiß, was Büffel in so großen Höhen suchen. Pflanzen finden sie hier nicht, nur Kälte und Tod.

Lava-Tower. Bis hierher war es vergleichsweise einfach. Nur die Höhe machte zu schaffen. 1887 versuchte der Leipziger Geograph Hans Meyer zum ersten Mal, den Kibo zu besteigen.

Er kam den Gletschern nahe, bezwingen konnte er sie nicht. Auf 5000 Metern musste er im dichten Schneetreiben aufgeben.

Erst zwei Jahre später stand er - der Leiter einer mehrer hundert Mann starken Expedition - als erster namentlich bekannter und beglaubigter Mensch auf dem Gipfel. Dem Uhuru-Peak, dem Freiheitsgipfel. 5895 Meter hoch.

Erst jetzt mochten die Gelehrten in Europa glauben, dass es so nahe am Äquator einen Schneegipfel gibt.

Allerdings mußten auch schon in früheren Zeiten Menschen zu den Kibogletschern vorgedrungen sein. Wie hätte es sonst zu der schon im Altertum bekannten Sage vom Silberberg kommen können?

Silber, das sich in Wasser verwandelt, wenn man es in die Ebene trägt.

Für Ernest Hemingway war der Kilimandscharo "weit wie die ganze Welt", und "unvorstellbar weiß in der Sonne". Das wird nicht mehr lange so sein. Die Kibo-Gletscher schmelzen ab. Ihre Masse hat seit 1972 bereits um 95% abgenommen. Der Staub, den die vielen Geländewagen in den Savannen aufwirbeln, speichert die Sonnenwärme. Brandrodungen verstärken den Treibhauseffekt. Niederschläge sind selten geworden. Im Jahr 2030 wird es wohl keinen Schnee mehr auf dem Kilimandscharo geben. Das Silber des Berges wird sich in Wasser verwandelt haben.

Als Hans Meyer am 6.Oktober 1889 endlich ganz oben war, auf dem höchsten Punkt Afrikas, auf dem Gipfel des höchsten freistehenden Berges der Welt, da überkam ihn eine weihevolle Stimmung. Er sah in den großen Krater und dachte an alle Opfer und Enttäuschungen der Jahre, in denen der Berg sein Lebensinhalt war. >>

Und dann blickte er mit einem Glücksgefühl und einer Zufriedenheit zurück auf die Stationen des Aufstiegs, wie wohl keiner der vielen tausend Bezwinger des Gipfels nach ihm.

Nur ihm und dem einzigen Begleiter, den er auf der letzten Etappe mitgenommen hatte, wollte - so war ihm - der Berg sein Geheimnis mitteilen.

Buch und Regie: Jens Dücker

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