Der deutsche Dandy und sein Garten
Sendung vom Samstag, 20.2.2010 | 14.20 Uhr | SWR Fernsehen
Man muss auf den Hügel mit den alten Linden steigen und sich auf die alte Granitbank setzen, dann den Blick über die Schilfwiese zum Tal der Neiße schweifen lassen, kurz bei den drei Pappeln auf der Schlosswiese verweilen, um schließlich am Südflügel des Schlosses just auf den Fenstern, hinter denen die Gemächer des Fürsten lagen, hängen zu bleiben.

Der Muskauer Park aus der Vogelperspektive betrachtet
Dahinter zeichnete ein Besessener Gartenpläne, schrieb feurige Liebesbriefe, dinierte mit den Großen seiner Zeit, grübelte über Schuldscheinen, machte großartige Reisepläne und verfasste Weltliteratur: Hermann Fürst von Pückler-Muskau.
Inspiriert durch eine Reise begeistert Pückler sich für den englischen Landschaftspark, für die unauffällig gebändigte Natur. Im Frühjahr 1817 beginnt der "Erdbeweger" auf dem Familiensitz in der Lausitz 800.000 Bäume und 42.000 Sträucher zu pflanzen, Wiesen werden entwässert, die Neiße umgeleitet und ein ganzes Dorf umgesiedelt. Die Muskauer Bürger fragen sich, ob "es mit meinem Verstande noch seine Richtigkeit habe".
Genug Geld hatte Pückler nie, aber der Park bringt ihn an den Rand des Ruins. Dabei hatte er doch eigens zur Verwirklichung seiner Pläne die ältere, geschiedene Reichsgräfin von Pappenheim geheiratet. Aber auch deren Vermögen versinkt in Windeseile in Erdlöchern. Da sie seine Leidenschaft für den Garten teilt, willigt Lucie in eine Scheidung ein, um den Weg für eine begüterte Nachfolgerin frei zu machen. Pückler sucht drei Jahre lang in England. Kommt ohne Frau zurück, aber mit Bücher füllenden Reiseberichten.
Der Fürst plant, träumt und gestaltet weiter - und Lucie mit ihm. Er schillert durch Politik und Gesellschaft. Wer den republikanisch gesinnten Aristokraten verstehen will, den realistischen Schwärmer, der muss die gewunden Wege wandeln, ihn zwischen Baumgruppen suchen und im Spiegel der Neiße aufschimmern sehen. Der Muskauer Park ist seine Seelenlandschaft.
Und sein Herz schlägt heute wieder mitten in Europa. Die kleine Holzbrücke über die Neiße ist wieder geöffnet. Deutsche und Polen bemühen sich gemeinsam, das nach dem Krieg zertrennte Erbe Pücklers zu pflegen. Dem ewigen Nomaden, dem Reiseschriftsteller, dem Wanderer zwischen den Welten hätte das gefallen.
Daten & Fakten
Kulturdenkmal: Landschaftspark Fürst-Pückler-Park (Park Muzakowski), Deutschland/Polen
UNESCO-Ernennung: 2004
30.10.1785
Geburt von Hermann Fürst Pückler
1807-1810
zahlreiche Reisen durch Europa
1811-1815
Hermann Fürst Pückler Muskau erbt die Standesherrschaft in der Oberlausitz; erste Pläne für die Umgestaltung der Muskauer Landschaft
1814
Englandreise, dort studiert er die englischen Gartenanlagen, insbesondere Stourhead Garden, welcher Vorbild für den Muskauer Park wird
1817
Heirat mit Lucie von Pappenheim
um 1820
Gestaltung und konzentriertes Arbeiten am ca. 750 ha großen Parkgelände
1822
Erhebung in den Fürstenstand, Pückler war zuvor nur Graf
1826
Scheidung der Eheleute Pückler; Fürst Pückler hofft durch eine Neuheirat seine Geldschwierigkeiten zu lösen
1826
Zweite Englandreise, eine neue Ehe kommt nicht zustande
1834
Die "Andeutungen über Landschaftsgärtnerei" werden publiziert.
1834 - 1840
große Orientreise
1845
Verkauf von Muskau aus großer Geldnot, Muskau kommt in den Besitz des Prinzen Friedrich der Niederlande
1846
Beginn der Parkanlage Schloss Branitz
08.05.1854
Tod der Fürstin Lucie
04.02.1871
Tod des Fürsten Pückler
1945
Teilung der Parkanlage,durch die neue deutsch/polnische Grenze
Seit den 1990er Jahren
Intensivierung der Zusammenarbeit der deutschen und polnischen Verwaltungen
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Letzte Änderung am: 23.06.2010, 16.38 Uhr