Eine portugiesisch – afrikanische Ehe
Sendung am Samstag, 23.6. | 10.45 Uhr | SWR Fernsehen

Wenige Jahre nach der Entdeckung landeten hier auch Vasco da Gama und Kolumbus...
Strand, Surfen und „Sodade“, Musik für die Seele - das sind wohl die gängigen Assoziationen zu den Kapverdischen Inseln. Sonne an 350 Tagen im Jahr, Temperaturen zwischen 20 und 30 Grad. Das klingt nach Paradies. Heute.
500 Jahre zuvor klang Cabo Verde nach Sklavenhandel, Hunger, Verbannung, nach Weggehen. Aber was ist Kap Verde eigentlich? Ein Land? Eher eine Idee. Ein Archipel höchst unterschiedlicher Inseln – Sandhügel, Passatwind geplagte Flecken, bizarre Vulkanformationen.
Es waren Schiffe unter portugiesischer Flagge, die auf einer Erkundungsreise zur westafrikanischen Küste die Inselgruppe auf der Höhe des heutigen Senegal entdeckten. Auf der südlichen Insel Santiago fanden sie in den Ausläufern eines Tals eine ideale Anlegestelle, Wasser und keine Menschenseele, die einer künftigen Besiedlung widersprach. Das reichte, um mitten im Atlantik die erste europäische Hauptstadt südlich der Sahara entstehen zu lassen. Geopolitisch eine geniale Entscheidung, denn das ausgehende 15. Jahrhundert veränderte das Gesicht der Welt.
Kap Verde lag im Schnittpunkt der Verbindungslinien zwischen Europa, Afrika und Amerika. Und Ribeira Grande spielte 150 Jahre lang eine schreckliche und glanzvolle Rolle im Welthandel.
Heute erinnert nur noch eine Säule vor dem beschaulichen Hafen an die Sklaven, die von der westafrikanischen Küste kommend hier weiter verschifft wurden. Manche blieben.
Als Arbeiter auf den Plantagen von Ribeira Grande, als Gefährtinnen der hier stationierten portugiesischen Soldaten und Beamten. Und so entstand mitten im Wettlauf der europäischen Mächte um den Handel mit Menschen, mit Gold, Kaffee und Zuckerrohr eine Kultur: Crioulo, die Vermischung der Schwarzafrikaner mit den weißen Portugiesen. Die erste Kreolgesellschaft.
Ribeira Grande verlor nach diversen brutalen Piratenangriffen im 18. Jahrhundert seine Schlüsselstellung, wurde zu Cidade Velha, die „alte Stadt“. Es blieb nur ein Fort, das die Menschen nicht schützen konnte, eine Kathedrale als Ruine, es blieben Dürre und Hunger. Aber Crioulo lebte weiter, in der Sprache, in der Musik, in den Menschen. Ihr Kampf ums Überleben trieb sie auf andere Inseln, nach Europa, rund um die Welt. Kap Verde, das ist die Melodie einer langen Reise.
Daten & Fakten
Cidade Velha (Ribeira Grande) - ehemalige Hauptstadt der Kapverden
Unesco-Ernennung: 15.07.2005
1462:
Erste Siedlung Ribeira Grande auf den kapverdischen Inseln
1466:
Königliches Monopol auf Sklavenhandel
1532:
Die Stadt wird Bischofssitz
1497:
Vasco de Gama legt mit Schiff an
1498:
Christoph Columbus legt mit Schiff an
1585 und 1586:
Sir Francis Drake überfällt die Stadt
17. Jhd.:
Versorgungshafen und Zentrum des portugiesischen Sklavenhandels
1712:
Zerstörung und Plünderung der Stadt durch den Franzosen Jaques Cassart
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Ein Film von Eva Witte
Letzte Änderung am: 12.01.2012, 08.47 Uhr