Bitte warten...

SENDETERMIN Di, 15.11.2016 | 7:35 Uhr | SWR Fernsehen

Afrika: Kapverden Cidade Velha

Eine portugiesisch – afrikanische Ehe

Um das Video abspielen zu können, benötigen Sie Javascript. Bitte aktivieren Sie dies in Ihrem Browser.
Wenige Jahre nach der Entdeckung landeten hier auch Vasco da Gama und Kolumbus

Wenige Jahre nach der Entdeckung landeten hier auch Vasco da Gama und Kolumbus...

Strand, Surfen und „Sodade“, Musik für die Seele - das sind wohl die gängigen Assoziationen zu den Kapverdischen Inseln. Sonne an 350 Tagen im Jahr, Temperaturen zwischen 20 und 30 Grad. Das klingt nach Paradies. Heute.

„Campo da morte lenta“.

„Campo da morte lenta“...

500 Jahre zuvor klang Cabo Verde nach Sklavenhandel, Hunger, Verbannung, nach Weggehen. Aber was ist Kap Verde eigentlich? Ein Land? Eher eine Idee. Ein Archipel höchst unterschiedlicher Inseln – Sandhügel, Passatwind geplagte Flecken, bizarre Vulkanformationen.


Es waren Schiffe unter portugiesischer Flagge, die auf einer Erkundungsreise zur westafrikanischen Küste die Inselgruppe auf der Höhe des heutigen Senegal entdeckten. Auf der südlichen Insel Santiago fanden sie in den Ausläufern eines Tals eine ideale Anlegestelle, Wasser und keine Menschenseele, die einer künftigen Besiedlung widersprach. Das reichte, um mitten im Atlantik die erste europäische Hauptstadt südlich der Sahara entstehen zu lassen. Geopolitisch eine geniale Entscheidung, denn das ausgehende 15. Jahrhundert veränderte das Gesicht der Welt.

Mit der Abschaffung der Sklaverei verlor die Insel endgültig ihre strategische Bedeutung.

Mit der Abschaffung der Sklaverei verlor die Insel endgültig ihre strategische Bedeutung.

Kap Verde lag im Schnittpunkt der Verbindungslinien zwischen Europa, Afrika und Amerika. Und Ribeira Grande spielte 150 Jahre lang eine schreckliche und glanzvolle Rolle im Welthandel.
Heute erinnert nur noch eine Säule vor dem beschaulichen Hafen an die Sklaven, die von der westafrikanischen Küste kommend hier weiter verschifft wurden. Manche blieben.

Als Arbeiter auf den Plantagen von Ribeira Grande, als Gefährtinnen der hier stationierten portugiesischen Soldaten und Beamten. Und so entstand mitten im Wettlauf der europäischen Mächte um den Handel mit Menschen, mit Gold, Kaffee und Zuckerrohr eine Kultur: Crioulo, die Vermischung der Schwarzafrikaner mit den weißen Portugiesen. Die erste Kreolgesellschaft.


Ribeira Grande verlor nach diversen brutalen Piratenangriffen im 18. Jahrhundert seine Schlüsselstellung, wurde zu Cidade Velha, die „alte Stadt“. Es blieb nur ein Fort, das die Menschen nicht schützen konnte, eine Kathedrale als Ruine, es blieben Dürre und Hunger. Aber Crioulo lebte weiter, in der Sprache, in der Musik, in den Menschen. Ihr Kampf ums Überleben trieb sie auf andere Inseln, nach Europa, rund um die Welt. Kap Verde, das ist die Melodie einer langen Reise.



Daten & Fakten

Cidade Velha (Ribeira Grande) - ehemalige Hauptstadt der Kapverden

Unesco-Ernennung: 15.07.2005

1462:
Erste Siedlung Ribeira Grande auf den kapverdischen Inseln

1466:
Königliches Monopol auf Sklavenhandel

1532:
Die Stadt wird Bischofssitz

1497:
Vasco de Gama legt mit Schiff an

1498:
Christoph Columbus legt mit Schiff an

1585 und 1586:
Sir Francis Drake überfällt die Stadt

17. Jhd.:
Versorgungshafen und Zentrum des portugiesischen Sklavenhandels

1712:
Zerstörung und Plünderung der Stadt durch den Franzosen Jaques Cassart

Copyrightvermerk für Daten & Fakten
© SWR 2012

Aktuell im SWR