Navigation

Volltextsuche

Seite vorlesen:

Filmtext & Video

Um das Video abspielen zu können, benötigen Sie Javascript. Bitte aktivieren Sie dies in Ihrem Browser.

Castel del Monte, Italien, Folge 183

Steinerne Krone Apuliens

14:30 min

Filmtext

Im Lichtstrom wird hier die Zeit zum Raum. Der Bauherr: der Stauferkaiser Friedrich der Zweite, aus normannisch-deutschem Geschlecht: 'Verheißen der Welt, Erneuerer der Zeiten und Reiche'.

Kaum ein Herrscher wurde je so widersprüchlich beurteilt, hat gleichermaßen Bewunderung und Hass auf sich gezogen. Mehr als parteiische Zeugnisse, scheint dieses Bauwerk, über den Kaiser auszusagen, der es 1240 zu errichten befahl und in 10-jähriger Bauzeit eine Burg wurde gebaut, die den Vorstellungen des Bauherrn vollkommen entsprach, und die sein Vermächtnis werden sollte: Castel del Monte.

Aus welcher Richtung man das Kastell auch betrachtet, von vollkommener Symmetrie erscheint der Körper, wie bei einem geschliffenen Kristall, das man immer wieder- bewundernd- dreht in den Händen, denn erst in der Bewegung erschließt sich die Form,... Wuchtig und - leicht wirkt der Bau, umkränzt mit achteckigen Türmen. In sich geschlossen und unbezwingbar. Das Mittelalter sprach in der Sprache der Bilder und Zeichen, die die Menschen zu lesen verstanden, wie die Sprache der Worte.

Aus schöngeglätteten Sandsteinquadern ließ der Kaiser sein mächtiges Castel auf der Felshöhe errichten, mit hart geschnittenen Kanten. Ein Mann von unbeugsamer Willen, wie sein Vater, Kaiser Heinrich der sechste.

Der starb früh, doch hatte er dem Sohn schon bald nach seiner Geburt eine Krone gesichert: Er ließ den 'Knaben aus Apulien', wie man ihn nannte, Puer Apuliae, - von den deutschen Fürsten zu ihrem künftigen König wählen.

Castel del Monte, das Sinnbild der Macht des Stauferkaisers sollte später das Symbol der Ohnmacht seiner Nachkommen werden, - der Kerker, in dem der Sieger über die Staufer, der Franzose Karl von Anjou, den Enkel Friederichs über 20 Jahre in Haft hielt. Dann: eine Fluchtburg in Zeiten der Pest, schließlich ein Unterschlupf für Schäfer und ein Stall für die Herden. Ein achteckiger Turm an jeder Brechung der Mauern.

So vervielfacht der mächtige Block seine Grundform, die auf den Gesetzen der Zahlenmystik beruht. Nirgends wurde bei einem Bau eine geometrische Figur jemals so vollständig verwirklicht. Nach Osten gerichtet: Der Eingang-Triumphbogen und Kathedralenportal. Wer hier eintritt, durchquert einen Raum, um wieder ins Freie zu treten, in den achteckigen Hof, wo der Schatten die Zeit nach Sonnenstand misst. Formvollendet, - doch es ist nicht die Form weltlicher Bauten: so wurden Taufkapellen und Mausoleen gebaut, - sakrale Räume. Oktogonal ist die Pfalzkapelle Karls des Großen in Aachen, in der Friedrich die deutsche Krone empfing.. Die Steine von Castel del Monte sprechen von Macht - und von Mystik - Magie eines Bauwerks, in dem mathematische Berechnung sich mit christlicher Symbolik vereinigt. Von skeptischem Wissendrang getrieben, suchte der Stauferkaiser auch den Geheimnissen des Himmels auf den Grund zu gehen. - als Erlöser gepriesen und als Antichrist verflucht: 'Stupor Mundi' - 'das Staunen der Welt' - wurde er genannt, doch auch: 'Der Schrecken der Welt. Mit selbstverständlichem Hochmut verkündet Friedrich: ' Zu solchem Zweck hat Gott Unser Reich erhaben über den Königen des Erdballs errichtet, und über der Welt verschiedene Zonen unsere Macht geweitet, dass auf die Mehrung seines Namens und die Verbreitung des Glaubens unter den Völkern Unsere Fürsorge sich richte...." Ob der Kaiser das Kastell je betrat, darüber gibt es kein Zeugnis, - doch es war von ihm erdacht, - war es zum Wohnen gedacht? Ein von Gott erwählter Herrscher wohnt nicht, er herrscht ... seine Bauwerke sollen auch dort, wo er nicht ist, von seiner Gegenwart künden. Vom Erdgeschoss des Kastells führen in 3 der 8 Türme Wendeltreppen in das obere Stockwerk.

Das Schicksalsrad hatte oft sich für Friedrich gedreht. Von vielen Seiten bedroht, verlief seine Kindheit und Jugend. Als 3 Jährigen hatte seine Mutter ihn schon zum König Siziliens, ihres Erbreiches, krönen lassen, dann starb sie. Unter Feinden und Neidern, die nach seiner Herrschaft gierten, und sich gegenseitig bekämpften, wuchs er auf. - und in Rom zog ein machtbesessener Papst die Fäden. So lernte er früh zeitig die Sprache von Freunden und Feinden, und auch von Fremden, - und mit der Sprache übernahm er ihr Wissen...

Das Obergeschoss des Castel del Monte mit einander verbundene Räume, wie im unteren Stockwerk, alle von gleicher Größe und Form, - Variationen des Gleichmaßes. Wie in einer Kathedrale sollten in seinem Kastell erhabene Gewölbe den Raum überspannen...

Der Aufstieg zur Macht. Als 16 jähriger war er, auf sich allein gestellt und bedroht, über die Alpen gezogen, um die Krone, die ihm zustand, und die andere ihm streitig machten, einzufordern. Er wurde der König der Deutschen und blieb 7 Jahre in dem Land, das ihm fremd war, bis seine Macht fest stand. Mit der Königswürde kehrte er nach Italien zurück und zog im Triumph in die ewige Stadt ein, nun musste der Papst ihn zum römischen Kaiser erheben...

Boccia corallina. Eingeschlossen in geschmolzene, rote Erde: Weißes Gestein von unterschiedlichster Größe, erstarrt in dramatischen Formen, - wie hatte der Kaiser diesen Stein geliebt, der so lebendig und vielfältig war in seinen Mustern- nicht nur Türfassungen und Wandfriese, auch Kapitelle und Säulen ließ er aus den korallenfarbigen Blöcken meißeln. Auch der Marmor zeigt leuchtende Farben, - doch die entstanden durch ein Versehen. Durch unsachgemäße Behandlung der Restauratoren verfärbte sich der schneeweiße Stein. Die meisten Wandverkleidungen sind schon lange geraubt, doch der Raub konnte die Wirkung des Raums nicht zerstören. Um den Raum, seine Form und Bedeutung, so fühlt man mit unbeweisbarem Wissen, war es dem Kaiser gegangen, um einen einzigartigen Entwurf, der die Zeit überdauert. Die Krone Apuliens. Castel del Monte - die steingewordene Idee eines formbesessenen Herrschers. Noch ein anderes Werk hinterließ der Staufer der Nachwelt, ein wissenschaftliches Buch, wie es kein Herrscher geschrieben: 'Über die Kunst, mit Vögeln zu jagen.' Unübertroffen an Genauigkeit der Kenntnis aller Vögel, die der Kaiser durch jahrzehntelange Beobachtung gewann.

Mehr, als eine fürstliche Laune, eine Leidenschaft war für ihn die Jagd mit den Falken, doch unbewiesen bleibt die Behauptung, Castel del Monte sei sein Jagdschloss gewesen. Er, der leidenschaftlich die Wissenschaften und Künste liebte, eine Universität in Neapel gründete, sich oft mit Magiern und Philosophen besprach, -hatte den Anders-gläubigen ihre Religion zugestanden, auch wenn er Ketzer verfolgen ließ. Widerwillig war er zum Kreuzzug aufgebrochen, den der Papst vom weltlichen Oberhaupt der Christenheit forderte, und nicht in der Schlacht, durch Verhandlungen hatte Friedrich, der arabischen Sprache mächtig, die heiligen Stätten zurückgewonnen... und die Königskrone Jerusalems trug er nicht ohne Stolz.

30 Jahre hat Friedrich geherrscht, ein Mann, in dem sich die Widersprüche zu einer Einheit verbanden, seiner Zeit blieb er unbegreiflich und fremd. Als er starb, triumphierte sein Feind auf dem Thron Petri: 'es freuen sich die Himmel und die Erde frohlockt''

Doch je weiter er sich entfernt, desto heller scheint sein Ruhm zu strahlen,... der Stein -und das Licht und der Mythos im Castel del Monte lebt der Mythos fort und nach dem Tod des Herrschers mochte das Huldigungsgedicht zu seiner Geburt wie eine Prophezeiung erscheinen:

'Lebe du strahlendes Licht, und strahle

als ewige Sonne,

der aus der Wiege du schon

hell machst den finsteren Tag."

Buch und Regie: Christian Romanowski

Letzte Änderung am: 12.04.2011, 11.13 Uhr

Europa: Italien

Filmmusik & Stab

Burger, Klaus
Castel del Monte
Kraft, Oliver
Schätze der Welt II

Buch und Regie: Christian Romanowski
Kamera: Gerd Bleichert

Sendezeit

3sat
Sonntags:
19.40 Uhr

SWR Fernsehen
Samstags:
6.00 Uhr

Filmrolle Service Mitschnittdienst

Sie haben einen Film im SWR Fernsehen verpasst? Kein Problem! Zu den meisten Sendungen gibt es Mitschnitte. [mehr zu: Mitschnittdienst]