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14:57 min | So, 20.12.2015 | 19:40 Uhr | 3sat

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Bethlehem - Heiliger Ort zwischen Mauern und Tourismus(Folge 406)

SWR

2012 hat die UNESCO erstmals ein Weltkulturerbe aus Palästina in ihre Welterbeliste aufgenommen. Die Geburtskirche Jesu Christus und den Pilgerweg in Bethlehem. Für die Christen gehören diese Orte zu den heiligsten Plätzen. Die Ursprünge von Bethlehem reichen weit in die Zeit des Alten Testament zurück.

Bethlehem - Die Pilgerstrasse. Seit beinahe zwei Jahrtausenden wanderten Gläubige diesen Weg von Jerusalem herauf zu den heiligen Stätten. Heute durchschneidet eine Mauer diese nur acht Kilometer lange Verbindung. Für Touristen und Pilger gleicht der schmale Durchlass in diesem Befestigungswall eher einem Abenteuer mit Unterhaltungswert.
Für viele Palästinenser ist er ein Hindernis, das ihr Leben zum Gefängnis macht.

Bethlehem ist eine schöne Stadt. Ihre Ursprünge reichen weit in die alttestamentarische Zeit zurück. David wurde hier zum König gesalbt. Knapp die Hälfte der 55.000 Einwohner sind Christen, auch ‚Jamal’, der Holzschnitzer. Olivenholz ist sein Material und Perlmutt. Daraus ziseliert er feine Kreuze und Broschen. Doch heute finden kaum mehr Touristen in das traditionelle Viertel am Bethlehemtor. Viele Läden bleiben geschlossen. Ganz anders dort, wo geschickte Führer die Touristenströme leiten. Da läuft das Geschäft rund. Es sind Tausende, die jeden Tag aus Israel rüberkommen. Eine gute halbe Stunde hat der Durchschnittspilger Zeit für die heiligen Stätten.

‚Demutspforte’ nennt sich der, nur einen Meter und zwanzig hohe Eingang. Ob er einst die Türken daran hindern sollte, einfach in die Basilika zu reiten? Da gewesen zu sein ist alles, Ruhe Gott zu begegnen finden Wenige. Die meisten der vierzig monolithischen Säulen, stammen noch aus der ersten Basilika, die Kaiser Konstantin 326 über der Geburtsgrotte erbauen ließ. Einst sollen sie golden geschimmert haben. Später wurden sie mit Bildern von Heiligen übermalt. Sie sind so kostbar, dass sie jetzt, wo man das baufällige Dach saniert aufwendig eingepackt wurden.

Der Ort der Geburt Jesu ist von Anbeginn das Ziel zahlreicher Pilger. Dann der Samariteraufstand im 6.Jahrhundert : Kirchen brennen. Von der Basilika Konstantins bleiben nur Grundmauern, die Säulen und ein wunderschöner Mosaikfußboden. Er liegt sechzig Zentimeter unter der heutigen Kirche. Der festungsartige Bau, wie er heute dasteht, stammt aus dem Jahr 540. Wieder ein Kaiser, der Byzantiner Justinian, ist der Erbauer. Vom ursprünglich prächtigen Portal sind nur noch Steinbögen und fünf Meter über der Pforte ein Fries vorhanden.

Griechisch-orthodoxe Messe vor dem Hauptaltar. Noch ist die sog. Königstüre in Mitten der Ikonenwand geschlossen. Ganz selten wird sie geöffnet. Wie in vorchristlichen Tempeln darf kein normal Sterblicher diesen geheiligten Bereich dahinter betreten – nur die Priester. Drei Konfessionen teilen sich die Stätten: griechisch-orthodoxe, armenische und katholische Christen. Vor allem um den Besitz der Geburtsgrotte gab es in der Vergangenheit immer wieder Streitigkeiten. Sie liegt direkt unterhalb der Ikonenwand. Auch hier haben die Griechen das Sagen. Sie ist der Sehnsuchtsort aller. Fünf Meter hinab führen die Stufen, dorthin wo vor zweitausend Jahren der Stall, die Krippe gestanden haben soll. Wem im Gedränge die Andacht nicht gelingt, der nimmt wenigstens ein Foto mit.

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Bethlehem - Heiliger Ort zwischen Mauern und Tourismus, Palästina

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Armenische Messe in der Geburtsgrotte

Armenische Messe in der Geburtsgrotte

Mirna und ihre zwei moslemischen Freundinnen kommen aus der Schule

Herrschaftliche Wohnung in der Pilgerstrasse

Die monolithischen Säulen stammen noch aus der konstantinischen Basilika aus dem 4.Jahrhundert

Jamal vor seiner Werkstatt

Griechisch-orthodoxe Messe vor der geöffneten 'Königstüre'

Griechisch-orthodoxe Messe vor der Ikonenwand des Hauptaltars

Gläubige warten vor der Geburtsgrotte

Das Bethlehemtor

Jamal der Holzschnitzer

Glockenturm des armenischen Klosters

Bürgerhaus mit romanisch-byzantinischen Stilelementen in der Pilgerstrasse

Armenischer Priester beugt sich unter der Demutspforte

120 cm hoher Eingang in die Basilika, die Demutspforte

Kirchen an der Pilgerstrasse vom Dach der Moschee

Fassade der Basilika mit den Türmen der drei Konfessionen

Nur 150 m gegenüber der Kirchen liegt die Omar-Moschee

Star Street oder Pilgerstrasse

Kreuzgang aus fränkischer Zeit

Byzantinisches Wandmosaik von 1169

Die Glocken künden die Messe der Armenier an. Dazu muss, wie jeden Tag um diese Zeit, die Grotte geräumt werden. Keine hundertfünfzig Meter trennen die christlichen Kirchen vom moslemischen Gotteshaus. Mittagsgebet. Mirna und ihre beiden moslemischen Freundinnen Malek und Zayna kommen aus der gemeinsamen Schule. Die Eltern der Kinder arbeiten außerhalb der Stadt. Daher sind die drei öfter bei Mirnas Oma zu Mittag.

Das Bethlehemtor ist eines der ältesten Gebäude der Stadt. Eine Lithografie zeigt die, noch kaum bebaute Pilgerstrasse, die durch die Torbögen zu den Kirchen führt. Die Häuser stammen überwiegend aus den Anfängen des vergangenen Jahrhunderts. Sie greifen romanisch-byzantinische Stilelemente auf. Wesentlich älter sind unter manchen Bauten Keller oder Höhlen. Dass die heilige Familie bei ihrer Herbergssuche durch die Pilgerstrasse kam, scheint realistisch. Das Kind wurde aber wohl eher in einen steinernen Trog gelegt, nicht in eine hölzerne Krippe. Der Gegensatz zwischen arm und reich, zwischen Verfall und Luxus, prägt auch heute noch diese uralte Strasse, in der viele Häuser leer stehen. Sie wurde inzwischen zum Weltkulturerbe erklärt.

Bethlehem ist ein Ort an dem das Zusammenleben von Muslimen und Christen funktioniert. Die Kinder gehen zum Teil sogar in die gleichen Schulen. Die Großmutter hat ein typisch palästinensisches Essen gekocht: Reis mit Linsen und gerösteten Mandeln.

Nach der Mittagszeit erlebt die Geburtskirche einen zweiten Ansturm. In der Dunkelheit des Eingangs übersehen die meisten Besucher eine besondere Kostbarkeit:
Reste einer alten Eingangstüre, die armenische Holzschnitzer im Jahr 1227 fertiggestellt haben. Kaum beachtet auch ein Taufbecken aus dem 6.Jahrhundert. Während sich die Basilika wieder mit Menschen füllt, findet nebenan eine Messe der Franziskaner statt. Die ‚Katharinenkirche’ wurde 1880 über einem Kloster aus der Kreuzfahrerzeit erbaut.

Von hier wird an Weihnachten die Mitternachtsmesse in alle Welt übertragen. Auch Jamal der Holzschnitzer ist da. Der Kreuzgang stammt aus dem 11.Jahrhundert. Die Wurzeln der Klöster reichen bis in die Anfänge des Christentums. In diesen Mauern soll der Kirchengelehrte Hieronymus im vierten Jahrhundert unterrichtet haben. Sie gehören zum armenischen Konvent. Es sind nur wenige Mönche und Priester die zum Teil mit ihren Familien hier leben. Wie bei den Griechen dürfen die Geistlichen verheiratet sein.

‚Virabs’ Tochter ist erst wenige Tage alt. Sie ist im Kloster geboren. Kindstaufe in der Kapelle des griechisch-orthodoxen Klosters. Hier liegt das Zentrum der mit über zwanzig Tausend Mitgliedern stärksten christlichen Gemeinde Bethlehems. Sie sind lebendige und steinerne Zeugnisse des Glaubens, die Klöster. Unübersehbar der mächtige Bau der Franziskaner Mönche. Wie schützende Schilde gruppieren sich die Klöster um ihr Allerheiligstes, den Ort der Geburt Jesu Christi.

Und doch grenzt es an ein Wunder, obwohl im heiligen Land von Anbeginn die unterschiedlichsten Kräfte um die Macht streiten und wieder und wieder Kirchen in Flammen stehen, überlebt seit eineinhalb Jahrtausenden, diese eine Kirche alle Stürme – bis heute. Irgendwann wollen sie fertig sein, mit der Restaurierung des Daches. Nur Nachts, wenn die Basilika geschlossen ist, darf gearbeitet werden. Mirnas Onkel ist Architekt und so bekommen die Drei die seltene Chance, die Geburtsgrotte einmal für sich ganz alleine zu haben.

Buch und Regie: Rüdiger Lorenz, Faranak Djalali

Filmmusik & Stab

Musik:

Schätze der Welt II - Vor- und Abspann:
Oliver Kraft
Soundtrack: Matthew Jones

Stab:
Buch und Regie: Werner Meyer
Kamera: Paul Ree
Schnitt: Melanie Sandford, ASE

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