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29.04.2014
21.45 Uhr, Das Erste

Fritz Frey

REPORT MAINZ vom 25.03.2014

Report Mainz,  25.3.2014 | 29:18 min

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Nachgefragt am 21.04.2011  Säuglingsheime werden Thema im Deutschen Bundestag

REPORT MAINZ berichtete am 11.04.2011

Bis Mitte der 1970er Jahre wurden in Westdeutschland rund 260.000 Babies in katholischen oder evangelischen Säuglingsheimen untergebracht, weil ihre Eltern nicht für sie sorgen konnten, wollten oder durften. Die meisten waren unehelich geboren. Die Babies wurden deshalb als "Kinder der Sünde" oder als "Bastarde" beschimpft.

Die Säuglingsheime waren überbelegt. Das Personal hatte deshalb kaum Zeit, sich mit den Kindern zu beschäftigen. Durch die Massenpflege verkümmerten viele Säuglinge seelisch und blieben in ihrer sprachlichen, sozialen und motorischen Entwicklung zurück. Wer unruhig war wurde im Gitterbett festgebunden oder mit Medikamenten "ruhig gestellt".

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Verdrängtes Unrecht

Das tausendfache Leid der Kinder in westdeutschen Säuglingsheimen.

REPORT MAINZ,  11.4.2011 | 6:51 min

Nachgefragt am 21.04.2011

Säuglingsheime werden jetzt auch Thema im Deutsche Bundestag. Sibylle Laurischk, FDP, Vorsitzende des Bundestagausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erklärt zu dem Film über Säuglingsheime in REPORT MAINZ: "Die Berichterstattung macht die Gefühlskälte deutlich, mit der selbst Säuglinge und Kleinkinder bis in die 1970er Jahre behandelt wurden. Ich werde dies im Familienausschuss thematisieren. Es ist uns Mahnung für eine sorgfältige Reform des Kinderschutzgesetzes. Die Empfehlungen des runden Tisches Heimkinder werden im Familienausschuss in den kommenden Monaten beraten. Die Opfer brauchen unseren Respekt und Fürsorge."

Auch Katja Dörner, die Kinder- und Familienpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Grüne spricht sich dafür aus, dass sich der Bundestag mit dem Thema "Säuglingsheime" beschäftigt. Zu dem Bericht in REPORT MAINZ sagt Katja Dörner: "Der Beitrag dokumentiert fürchterliche Missstände in den Einrichtungen, in denen Säuglingen offensichtlich Gewalt angetan wurde, sie massiv vernachlässigt und in ihrer gesamten Lebensperspektive beeinträchtigt wurden. Die Bilder machen fassungslos und wütend." Nach der Sendung melden sich viele Betroffene in der Redaktion und berichten über ihre persönlichen Erfahrungen.

Klaus Dewes aus Saarbrücken schreibt uns:

"Ende der 1960er Jahren war ich (Jahrgang 1957) mit einem Freund in einem von Nonnen geführten Heim im bayerischen Polling. Wir waren beide Bettnässer und sollten dort geheilt werden.

Die Methoden, die bis heute nicht vergessen sind, waren zum Beispiel Strenge in jeglicher Hinsicht mit latenter Gewaltandrohung, baden in 60 Grad Celsius heißem Wasser, ab mittags ohne Getränke, Zähneputzen mit 'Rückendeckung'. Die Nonnen standen hinter uns und hielten Stöcke und Schlauchstücke in den Händen. Ziel war es, beim Zähneputzen kein Wasser zu schlucken...

Erbrochene Suppe musste ich auf dem Boden sitzend noch einmal essen ...

... Ein sechswöchiges Martyrium, in dem uns die Eltern einmal besuchen durften - und keiner von uns traute sich zu beschweren oder zu weinen..."

Eine Zuschauerin, die anonym bleiben möchte (Name und email-Adresse liegen der Redaktion vor), schreibt:

"Am 19. März 1973 in Hannover geboren wuchs ich direkt nach meiner Geburt und die folgenden 16 Monate in einem Kinderheim in Hannover-Langenhagen auf. Meine Adoptivmutter erzählte mir später, sie sei in Tränen ausgebrochen, als sie und mein Adoptivvater mich das erste Mal im Heim besuchten. Im Flur hätten große Mülltonnen mit leeren Verpackungen schwerster Beruhigungsmittel gestanden.

Ich war fast eineinhalb Jahre alt, konnte nicht sitzen, nicht krabbeln, nicht stehen. (...) Ich bin so froh und irgendwie erleichtert, dass endlich publik wird, was mein und sicher auch das Leben vieler anderer Menschen so negativ geprägt hat.

Bitte, bitte, melden Sie sich bei mir und/oder führen Sie mich mit anderen Kindern zusammen, die in der Zeit März 1973 bis Juli 1974 in dem Kinderheim in Hannover-Langenhagen 'gelebt' haben."

Ein anderer Zuschauer (Name und email-Adresse liegen der Redaktion vor) teilt uns mit:

"In der Mitte der 1950er Jahre erkrankte meine Großmutter sehr schwer, woraufhin sie drei Wochen ins Krankenhaus musste. In dieser Zeit wurde mein Vater und seine vier Geschwister (im Alter von einem knappen halben Jahr bis zehn Jahren) vom (Vorläufer des) Jugendamtes in einem Kinderheim untergebracht.

Der jüngste Bruder war nur weniger als ein halbes Jahr alt und kam auf die Säuglingsstation.

Genau wie in Ihrem Bericht (ab Minute 2:34) waren die Nonnen im Heim der Meinung, dass ein Kind in diesem Alter seine Milchflasche selbst halten können musste. Dazu war mein Onkel aber offenbar nicht in der Lage, denn sie rollte ihm immer wieder aus den Händen. Die Nonnen gaben ihm zwar immer wieder die Flasche in die Hände, aber sie blieben nicht bei ihm, oder kamen auf die Idee ihn einfach zu füttern. Meine älteste Tante, sie war damals zehn Jahre alt, fragte ob sie ihn füttern und helfen dürfte, aber man ließ sie nicht zu ihm. Es gab aber einen vergitterten Bereich von dem sie ihn wenigstens täglich sehen durfte. Dort mussten sie und die anderen Geschwister mit ansehen, wie man ihren jüngsten Bruder sterben ließ.

Meine Tante beschwerte sich mehrmals täglich bei den Nonnen, aber niemand nahm sie ernst. Als meine Großmutter nach drei Wochen wieder das Krankenhaus verlassen konnte, hatte sie nur noch vier statt fünf Kinder. Offiziell war es plötzlicher Kindstod.

Zwar habe ich das nicht selbst erlebt, doch dieses Trauma wurde innerhalb der Familie (vor allem von meiner Tante) immer wieder thematisiert und daher hat mich dieser Beitrag ebenfalls sehr beschäftigt."

An ihren Aufenthalt in einem Kinderheim im mittelfränkischen Coburg erinnert sich eine Zuschauerin, die ebenfalls anonym bleiben möchte (Name und email-Adresse liegen der Redaktion vor).

"Wir wissen von Leuten aus Coburg, dass das Kinderheim für jede Schwesternschülerin, die dort hin musste ein Grauen war.
Die Missstände waren auch unter der Bevölkerung von Coburg bekannt. Die Kinder wurden auf den Stühlen festgebunden und zum Essen gezwungen, sie wurden im Bett festgemacht, damit sie nicht abhauen mit Fesseln am Fuß und Händen.
Wir wissen, dass die Kinder auch auf den Toiletten fest gebunden wurden bis sie ihr Geschäft verrichtet haben."

Letzte Änderung am: 21.04.2011, 10.45 Uhr

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