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08.08.2010 Neue Studie listet 83 potentiell gefährliche Wirkstoffe für alte Menschen auf

Fast 40 Prozent aller Altenheimbewohner in Deutschland bekommen Arzneimittel verschrieben, die gefährliche Nebenwirkungen hervorrufen können.

Mainz. Fast 40 Prozent aller Heimbewohner in Deutschland erhalten Medikamente, die für alte Menschen potentiell gefährlich sein können. Zu diesem Ergebnis kommt die Pharmakologin Prof. Dr. Petra Thürmann, die das Philipp-Klee-Institut am HELIOS Klinikum in Wuppertal leitet. In der so genannten Priscus-Liste, die dem ARD-Politikmagazin REPORT MAINZ vorliegt, hat die Wissenschaftlerin insgesamt 83 häufig verschriebene Medikamente aufgelistet, die für ältere Menschen eine Gefährdung darstellen können. Die Liste wurde im Auftrag des Bundesforschungsministeriums erstellt. Besonders beim Einsatz einiger Schmerzmedikamente und Psychopharmaka drohten inakzeptable Risiken wie Nierenschädigungen, Magenblutungen und erhöhtes Sturzrisiko, teilte das Helios Klinikum in Wuppertal mit. Gegenüber REPORT MAINZ sagte Petra Thürmann, dass etwa 15 Prozent bis 20 Prozent der älteren Menschen, die zuhause leben, ein solches Medikament erhalten und in Altenheimen seien es fast 40 Prozent.

Auch der Leitende Oberarzt vom Evangelischen Geriatriezentrum in Berlin, Prof. Dr. Heiner Berthold, kritisiert den zu häufigen Einsatz von potenziell gefährlichen Medikamenten bei alten Menschen. Beim Einsatz des Blutdrucksenkers Clonidin z.B. komme es immer wieder zu Stürzen.

Gegenüber REPORT MAINZ sagte Berthold: „Das sehen wir wirklich ganz häufig. Also Übermedikamentierung mit Blutdrucksenkern, aber auch mit anderen Arzneimitteln, die aufs Gehirn in einer Art und Weise wirken, Schlafmittel z.B. oder Neuroleptika oder Antidepressiva, führen häufig in der Kombination bei alten Menschen zu Stürzen“. Die Folge seien Hüftfrakturen, von denen sich alte Menschen nur sehr schwer erholen