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20.03.2010 Vorwürfe gegen Erzbischof Zollitsch

Als Personalreferent des Erzbistums Freiburg soll er in den 90er Jahren sexuelle Missbrauchsfälle vertuscht haben

Mainz. Ein Opfer sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Freiburg in den 80er und 90er Jahren erhebt schwere Vorwürfe gegen den Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch. Er soll als ehemaliger Personalreferent im bischöflichen Ordinariat Freiburg den Verdacht auf schweren sexuellen Missbrauch durch einen Pfarrer in der Gemeinde Oberharmersbach im Ortenaukreis „vertuscht und verdeckt“ haben. Nach Recherchen des ARD-Politikmagazins REPORT MAINZ wurde der Pfarrer Franz B. unter Mitwirkung von Dr. Robert Zollitsch 1991 zwar in den Ruhestand versetzt. Die Staatsanwaltschaft allerdings wurde erst 1995 tätig, als ein Betroffener Anzeige erstattete. Betroffene beklagen, dass sie jahrelang keine Hilfe bekommen hätten. Ein heute 38-jähriges Opfer sagte im Interview gegenüber REPORT MAINZ: „Man wird fallen gelassen, wie eine heiße Kartoffel.“

Nach Recherchen von REPORT MAINZ hat der Pfarrer Franz B. im Zeitraum zwischen 1968 und 1991 mindestens 17 Kinder und Jugendliche missbraucht, vor allem Messdiener. Das Opfer berichtet außerdem vor der Kamera von REPORT MAINZ, der Missbrauch habe mit Berührungen, Umarmungen und Küssen angefangen. Dann sei es immer schlimmer geworden: „Die erste Situation, wo es einem dann so richtig den Boden unter den Füßen weggezogen hat, war, als er angefangen hat, rumzufummeln. Man sollte sich dann mal freimachen. Und das allererste war dann, die Größe seines Gliedes zu messen...Wenn man dann längere Zeit dabei war, dann musste man auch von hinten probieren, wie das unter Männern ja normal ist. Das war schon ziemlich krass.“ Das Opfer berichtet, er sei zwischen seinem 11. und 17. Lebensjahr missbraucht worden: „Das war zum Teil Hardcore-Sex“.


Nach Recherchen von REPORT MAINZ schaltete sich das bischöfliche Ordinariat in Freiburg im
April 1991 ein, als es Hinweise und Gerüchte gab. Der damalige Personalreferent Robert Zollitsch soll den Pfarrer persönlich mit Vorwürfen konfrontiert haben, die dieser bestritt. Franz B. wurde dennoch in den Ruhestand versetzt, mit der Auflage, sich jeglichen Kontaktes zu Kindern und Jugendlichen zu enthalten. Über die Vorgänge wurde die Gemeinde allerdings erst 1995 informiert, nachdem sich der Pfarrer im August 1995 aufgrund der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen das Leben genommen hatte.


Der Lehrer Karl-August Lehmann, bis 1992 Mitglied der katholischen Kirche, beschäftigt sich seit fast 20 Jahren mit dem sexuellen Missbrauch der Kinder durch Pfarrer Franz B. Mit mehreren hat er persönlich gesprochen. Die Rolle des damaligen Personalreferenten Dr. Robert Zollitsch bewertet er im Interview mit REPORT MAINZ: „Also ich würde ihm unterstellen, dass er dieses Aufklärungsinteresse nicht hatte, denn sonst wäre er damals auf die Betroffenen zugegangen und hätte zumindest versucht, obwohl Pfarrer B. tot war, einfach herauszufinden, was an den Vorwürfen dran ist .... Er hat die Staatsanwaltschaft nicht eingeschaltet. Und aus dem Grund stellt sich heute für mich die Frage, warum da nicht mehr passiert ist.“


In einer ersten Stellungnahme weist ein Sprecher des Erzbistums Freiburg den Vorwurf der Vertuschung zurück. Die Verantwortlichen der Erzdiözese hätten konsequent und umgehend gehandelt: „Der Ortspfarrer wurde 1991 in den Ruhestand versetzt, obwohl es lediglich Gerüchte über unsittlichen Kontakt zu Kindern“ gegeben habe. Erst nachdem Betroffene über den Missbrauch gesprochen hätten, habe die Erzdiözese „den Opfern durch gezielte Kommunikation vor Ort ihre Hilfe anbieten“ können und jetzt würden „in Oberharmersbach erneut gezielte Hilfsangebote“ unterbreitet.

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