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REPORT MAINZ vom 24.01.2012

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26.10.2009 Termine gegen Geld: Fachärzte kürzen Sprechzeiten für Kassenpatienten

Versicherte fühlen sich in Privatsprechstunden gedrängt - GKV-Spitzenverband hält Vorgehen für „nicht akzeptabel“

Mainz. Immer mehr Fachärzte kürzen die Sprechzeiten für Kassenpatienten auf nur noch 20 Stunden pro Woche. Dadurch entstehen längere Wartezeiten in den Praxen. Gleichzeitig bieten Ärzte Kassenpatienten zeitnah Termine in der Privatsprechstunde an, in der diese reguläre Kassenleistungen aus eigener Tasche zahlen müssen. Das geht aus Recherchen des ARD-Politikmagazins REPORT MAINZ hervor.

Der Deutsche Facharztverband bestätigt den Trend. Gegenüber REPORT Mainz sagte ihr Vorsitzender Dr. Thomas Scharmann: „In großen Teilen Deutschlands werden wir dieses Modell wahrscheinlich sehen. Davon müssen wir ausgehen. Es wird sicherlich die Anforderung an die Patienten kommen, dass sie eben dann doch Teile ihrer Behandlung selber bezahlen müssen.“

Die Ärzte begründen ihr Vorgehen mit der schlechten Bezahlung für Kassenpatienten seit der letzten Honorarreform. Ein Hautarzt aus dem Westerwald sagte REPORT MAINZ: „Ich kann nicht nur mit Kassenpatienten 40 Stunden die Woche arbeiten, weil ich dann automatisch als Basisversorger wirklich in die Insolvenz gehen würde.“ Nur durch mehr private Sprechstunden könne er seine Praxis aufrecht erhalten.

Grundsätzlich ist die Reduzierung der Sprechzeiten auf 20 Stunden pro Woche erlaubt. Das geht aus dem aktuellen Bundesmantelvertrag für Ärzte hervor. Die 20-Stunden-Regelung war 2007 eingeführt worden, um niedergelassenen Ärzten Teilzeit-Tätigkeiten und die Gründung von Zweitpraxen zu ermöglichen. Nach Einschätzung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung bewegen sich Ärzte, die ihre Sprechzeiten reduzieren, im rechtlichen Rahmen, so lange die Versorgung vor Ort sichergestellt ist und Kassenpatienten nicht in die Privatsprechstunde gedrängt werden.

Der GKV-Spitzenverband sieht dieses Verhalten dagegen kritisch. Sprecherin Ann Marini gegenüber REPORT MAINZ: „Wenn Kassenärzte ganz gezielt die Sprechstunden für gesetzlich Versicherte herunterfahren, um die frei geschaufelte Zeit für die Privatpatienten oder für private Sprechstunden zur Verfügung zu haben, ist das nicht akzeptabel.“

Nach REPORT MAINZ-Recherchen fühlen sich Kassenpatienten zum Teil regelrecht in die Privatsprechstunde gedrängt. Im Fall einer neurologischen Praxis in Berlin werden Patienten bei der Terminvergabe sogar offen vor die Wahl gestellt: Entweder drei Monate Wartezeit oder die Kassenleistung selbst bezahlen und zeitnah behandelt werden. Regulär bietet der Arzt lediglich 23 Stunden Sprechzeit pro Woche für Kassenpatienten an.

Letzte Änderung am: 26.10.2009, 10.45 Uhr

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