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Gedankengebäude verantwortlich für „eliminatorischen Antisemitismus“ und das „nationalsozialistische Menschheitsverbrechen"
Chef deutscher Pius-Brüder: Wir wollen „nicht 200 Jahre, sondern 2000 Jahre zurück“
Mainz. Bei der Auswertung hunderter Veröffentlichungen der deutschen Priesterbruderschaft St. Pius X. ist REPORT MAINZ wiederholt auf antijüdische und antisemitische Äußerungen gestoßen. So heißt es zum Beispiel in einer vom „Verlag Vereinigung St. Pius X. „ im Jahr 2000 verbreiteten Schrift: „Es unterliegt keinem Zweifel, dass jüdische Autoren an der Zersetzung der religiösen und sittlichen Werte in den zwei letzten Jahrhunderten einen beträchtlichen Anteil haben.“ An anderer Stelle wird formuliert: „Das Ausleihen von Geld gegen hohe Zinsen und der so betriebene Wucher...machten die Juden verhasst.“
Der Distriktobere der Pius-Bruderschaft für Deutschland, Pater Franz Schmidberger, sagt im Interview mit REPORT MAINZ: „Ein bisschen etwas Wahres ist da schon dran.“ Anliegen der Bruderschaft sei es aber „mit allen Menschen, auch mit den Juden, ein friedliches Zusammenleben zu pflegen.“ Nach Recherchen von REPORT MAINZ ist allerdings im aktuellen Mitteilungsblatt der Priestervereinigung erneut die Rede vom Starrsinn und der Blindheit des jüdischen Volkes. Das sei keine ethnische, sondern eine religiöse Aussage, rechtfertigt Schmidberger diese Passage: Schon der Hl. Paulus spreche „von einem Schleier, der über dem jüdischen Volk liegt... und dass sie so gehindert sind, den Erlöser, den Messias anzuerkennen und anzunehmen.“
Die Auswertung der Veröffentlichungen der Pius-Bruderschaft hat REPORT MAINZ dem Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden, Prof. Salomon Korn, zur Einschätzung vorgelegt: „Ich habe mit Erschrecken feststellen müssen, dass diese Pius-Bruderschaft antisemitisch eingestellt ist. Wenn gleich nicht, sagen wir mal im Sinne von Williamson, aber Williamson ist die Spitze eines Eisberges und die Pius-Bruderschaft stellt sozusagen das Meer dar, in dem dieser Eisberg schwimmt. Das ist leider eine niederschmetternde Erkenntnis für mich gewesen.“
Grundlage des Gedankengutes der Priesterbruderschaft seien, so Korn außerdem, sehr alte Vorurteile gegen die Juden: „Auf der Grundlage dieses religiös motivierten Ansatzes, der nun Jahrhunderte alt ist, ist der eliminatorische Antisemitismus gewachsen. Und wir haben diesen Gedanken das nationalsozialistische Menschheitsverbrechen zu verdanken. Und wer diese Zusammenhänge nicht erkennt, der ist entweder naiv oder nicht bereit, die Lehren aus der Geschichte zu ziehen.“
Das Glaubens- und Theologieverständnis der Priesterbruderschaft ist nicht 200 Jahre, „sondern 2000 Jahre zurück, wo Jesus Christus gesagt hat: ‚Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.’“, meinte Pater Schmidberger im Interview mit REPORT MAINZ.
Letzte Änderung am: 09.02.2009, 10.35 Uhr