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09.02.2009 Chef deutscher Pius-Brüder plädiert für Todesstrafe, und nennt Aids eine „Strafe Gottes“

Chef deutscher Pius-Brüder Schmidberger: die Schändung eines Kreuzes ist eine schwerere Sünde als die Terroranschläge von New York und Washington
30.000 Anhänger in Deutschland / 1,1 Millionen € staatlicher Zuschüsse für Schulen der Bruderschaft

Mainz. Nach Recherchen von REPORT MAINZ hat der heutige Distriktobere für Deutschland der Priesterbruderschaft St. Pius X., Pater Franz Schmidberger, im Oktober 2001 bei einem Vortrag folgendes geäußert: Die Schändung eines Kreuzes, bei der dem Heiland ein Arm abgerissen wird, sei objektiv eine schwerere Sünde als der Terroranschlag von New York und Washington. Im Interview mit REPORT MAINZ hat Pater Schmidberger diese Äußerung bestätigt und erneut verteidigt: „Also das ist natürlich sehr provozierend formuliert. Das muss also dazu gesagt werden. Aber die Sünde ist zunächst einmal eine Beleidigung Gottes an erster Stelle, und dann natürlich auch eine große Beleidigung seiner Geschöpfe, ein großes Unrecht, das den Menschen angetan wird. Aber der erste Aspekt ist eben Gott.“

Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, bezeichnet diese Äußerung als inakzeptabel: „Die Terroranschläge von New York, die Leid über Tausende von Menschen und Familien gebracht haben, sind in sich so tragisch, dass man sie mit nichts vergleichen kann.“

Pater Schmidberger ist einer der führenden Köpfe der weltweiten Pius-Bruderschaft. Er hat in der 1970 gegründeten Bewegung eine herausragendere Rolle gespielt als bislang bekannt. Er gilt als einer ihrer Mitbegründer, assistierte z.B. an der Seite des Bruderschaftsgründers Marcel Lefebvre 1988 bei der Weihe der kürzlich vom Vatikan rehabilitierten vier Bischöfe. Von 1983 bis 1994 war Pater Schmidberger Generaloberer, also der oberste Vorsteher, dieser weltweiten Bewegung. Seit 2006 bekleidet er das Amt des Distriktoberen in Deutschland. Hierzulande hat die Bewegung nach Recherchen von REPORT MAINZ ca. 30.000 Anhänger, zumindest lesen so viele das monatliche Mitteilungsblatt der Bruderschaft.

Hunderte von Veröffentlichungen der Priester-Bruderschaft der vergangenen 15 Jahre hat REPORT MAINZ ausgewertet. So plädiert Pater Schmidberger 2007 in den „Grundsätzen einer christlichen Gesellschaftsordnung“ für die Todesstrafe. Danach befragt äußert er im Interview mit REPORT MAINZ: „Das hat die Kirche immer vertreten, dass die Todesstrafe natürlich für Schwerverbrecher, für Schwerstverbrechen die angemessene Strafe ist einerseits als Sühne, andererseits aber auch in medizinischer Hinsicht, dass also mögliche weitere Verbrechen verhindert werden.“ Dem widerspricht der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp ausdrücklich: „Die Katholische Kirche hat eine klare Position zur Todesstrafe. Im Katechismus der Katholischen Kirche von Anfang der neunziger Jahre hat sie sich klar positioniert. Diese Position der Pius-Bruderschaft hat in der Katholischen Kirche keinen Platz.“

Antiautoritäre und liberale Erziehung lehnt Pater Schmidberger ab. Bei einem solchem Erziehungsstil sind die Kinder „nicht die vorbereiteten christlichen Persönlichkeiten, die morgen die Gesellschaft prägen sollten. Sie sind nicht vorbereitet für ein christliches Leben bei dieser Art der Erziehung.“, sagte er REPORT MAINZ.
Vier Schulen betreibt die Priesterbruderschaft in Deutschland. 1,1 Millionen Euro Zuschüsse erhielt sie dafür vom Staat 2007, geht aus internen Unterlagen der Priestervereinigung hervor, die REPORT MAINZ vorliegen. An den Schulen herrscht ein straffes Regime: Rockzwang für Mädchen, Turnschuhverbot für Jungen. Fernsehen ist strikt untersagt, Rock- und Popmusik sind tabu. Die Jugendzeitschrift Bravo darf von den Schülern nicht gelesen werden: „Nein, das würde ich ihnen nicht erlauben..., weil ich glaube, das ist wirklich der Weg der sittlichen Verderbnis und auch der intellektuellen Verderbnis.“, meint Schmidberger.

Emanzipation und Gleichberechtigung bezeichnet Schmidberger als „zumindest nicht Gotteswerk“. Homosexualität möchte er aus einer christlichen Gesellschaft verbannt wissen. Über Aidskranke will er zwar nicht den Stab brechen, aber „in vielen Fällen ist das wirklich eine Strafe Gottes.“ Sein Glaubensbruder, Pater Peter Lang, erklärte 2007 am Rande der Demonstration zum Christopher-Street-Day, dem öffentlichen Selbstbekenntnis der Homosexuellen, in Stuttgart: „Man kann ja nicht alles und jeden machen lassen, was er möchte. Das ist ja moralische Umweltverschmutzung. Man kann ja nicht jemanden mit Zyankali durch die Gegend laufen lassen und das ist eben geistiges moralisches Zyankali, was hier geschieht.“

Der Präsident des Zentralkomitee der deutschen Katholiken, Prof. Hans Joachim Meyer, bewertet die Priesterbruderschaft grundsätzlich als eine Bewegung „die Menschen in ein bestimmtes Lebensmodell hineinzwingt. Und sie behaupten allen Ernstes, die sei göttlicher Wille und das entspreche dem Evangelium. Das ist natürlich eine entsetzliche Missdeutung des Evangeliums und der Frohen Botschaft des Glaubens.“

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