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01.08.2008 Deutsche Athleten werden vom DOSB gezwungen „während der Spiele keine journalistische Tätigkeit auszuüben

Dazu zählt auch die Veröffentlichung eines Internet- Tagebuchs.“

ARD-Magazin stellt Geheimbericht des IOC zum Umgang mit den Medien ins Internet

“Nach Recherchen des ARD-Magazins REPORT MAINZ werden deutsche Athleten vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) gezwungen, „während der Spiele keine journalistische Tätigkeit auszuüben. Dazu zählt auch die Veröffentlichung eines Internet-Tagebuches.“ Dies geht aus der vierseitigen „Athletenvereinbarung für die deutsche Olympiamannschaft“ hervor, die dem SWR exklusiv vorliegt. Athleten, die gegen diese Klausel verstoßen, werden mit hohen Vertragsstrafen und dem Ausschluss aus der Olympiamannschaft bedroht
Athleten, die den von Präsident Dr. Thomas Bach und Generaldirektor Dr. Michael Vesper unterzeichneten Vertrag nicht unterschreiben, werden von der Olympia-Teilnahme ausgeschlossen.

Den 49-seitigen Bericht des Internationalen Olympischen Komitees zum Umgang mit den Medien stellt der SWR ab heute ins Internet. Der als „vertraulich“ und „nur für den internen Gebrauch“ klassifizierte Bericht „Beijing Briefing Kit“ gibt allen Mitarbeitern in annähernd 100 Fragekomplexen die genauen Sprachregelungen im Umgang mit der Öffentlichkeit und den Medien vor. Wörtlich heißt es in den detaillierten Antwortvorgaben:
„Wenn das IOC zum Beispiel gefragt wird, warum es die Olympischen Spiele trotz der Menschenrechts-Bilanz nach China vergeben hat, ist die IOC-Antwort, dass die Entscheidung auf dem Nutzen potentieller positiver Effekte basiert, die die Olympischen Spiele für China und die Welt haben werden. Es ist besser die Tür zu öffnen, als die Tür zu schließen.“

Immer wieder wird in den Antwortvorgaben auf „häufig gestellte Fragen“ (FAQ`s) betont, das „kritische Statements über China in der Öffentlichkeit nur Ressentiments und Komplikationen hervorrufen.“ Diese Argumentation durchzieht die gesamte 49-seitige strikte Handlungsanweisung. Die PR-Berater des IOC vermerken auch, wie mit kritischen Journalisten-Fragen zu verfahren ist; „eine kritische Interview-Situation kann mit einer einfachen Technik umgangen werden, in dem man antwortet: „das wirklich wichtige ist“, um dann zu einer Schlüssel-Botschaft zurückzukommen, auch wenn sie sich auf ein ganz anderes Thema bezieht.“

Detailliert listet der IOC-Geheimbericht, datiert auf den 3. August 2007, zusätzlich alle geplanten Protestaktivitäten von Nicht-Regierungsorganisationen (NGO`s) vor und während der Olympischen Spiele auf.
Das IOC liefert sogar die detaillierten Sprachregelungen für Antwort-Entwürfe von Organisationen und Personen, die sich kritisch zur Menschenrechtsverletzungen Chinas oder andere Kritikpunkte äußern. In dem Musterbrief heißt es abwiegelnd: „Wir hoffen, dass uns dieser Austausch ermöglicht, uns besser und unsere unterschiedlichen Rollen zu verstehen.“

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