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Ausgabensteigerung um 285 Prozent in den vergangenen fünf Jahren
Zusatznutzen neuer Krebsmittel umstritten
Mainz. Die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung für Krebsmedikamente sind dramatisch gestiegen. Das berichtet das ARD-Politikmagazin REPORT MAINZ. Demnach beliefen sich die Kosten der Gesetzlichen Krankenversicherung bei Krebsmitteln (sogenannte Zytostatika, also Medikamente zur Tumorbehandlung) 2007 auf hochgerechnet 1, 4 Milliarden Euro; das entspricht einer Zunahme um 285 Prozent in den vergangenen fünf Jahren.
Der Vorsitzende der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft bei der Bundesärztekammer, Prof. Wolf-Dieter Ludwig, warnte angesichts der Kostenexplosion bei Krebsmitteln vor den Folgen für das Gesundheitssystem: „Man spricht im Zusammenhang mit den neuen Wirkstoffen in der Krebstherapie auch von der systemsprengenden Wirkung für die gesetzliche Krankenversicherung. Es wird sicherlich in den nächsten Jahren notwendig sein, hier neue Regularien einzuführen, weil sonst das Gesundheitssystem nicht mehr finanzierbar ist“, so Prof. Ludwig in REPORT MAINZ.
Der Vorstandsvorsitzende der Kaufmännischen Krankenkasse, Ingo Kailuweit, bestätigte die Kostensteigerung bei Krebsmedikamenten. Demnach sind die Ausgaben für Fertigarzneimittel zur Krebsbehandlung allein für die Versicherten der KKH trotz deutlich sinkender Fallzahlen in den vergangenen fünf Jahren um über 240 Prozent gestiegen. „Wir haben heute Steigerungen im normalen Markt von fünf bis sechs Prozent pro Jahr“, so Kailuweit. „Wenn man von dieser Größenordnung von über 240 Prozent spricht, dann ist das exorbitant.“ Als Grund für die Preissteigerungen nannte Kailuweit in REPORT MAINZ die freie Preisbildung für Arzneimittel in Deutschland: „Hier kommt das zum Tragen, was wir immer wieder kritisieren: Die Pharmaindustrie kann nach völlig freien Marktmechanismen den Preis für Arzneimittel festsetzen.“
Momentan sind 400 neue Krebsmittel in Erprobung. Der Pharmakologe und Mitherausgeber des von der Pharmaindustrie unabhängigen arznei-telegramms, Prof. Peter Schönhöfer, zweifelte in REPORT MAINZ den Zusatznutzen vieler neuer Krebsmittel an. Die innovativen Leistungen auf diesem Gebiet nähmen ab, so Prof. Schönhöfer. „Auf der anderen Seite haben wir eine dramatische Kostensteigerung. Hier klafft eine Schere, die immer mehr die Frage aufwirft, wie sinnvoll sind solche Therapien?“, so Prof. Schönhöfer in REPORT MAINZ.
Letzte Änderung am: 21.01.2008, 13.05 Uhr