Bitte warten...

29. Oktober 2007 EU-Umweltagentur: Mobilfunk birgt Gesundheitsgefahr

Grenzwerte sollten neu definiert werden

Hirntumorrisiko steigt zwischen 20 und 200 % an

Mainz. – Erstmals warnt eine europäische Fachbehörde ausdrücklich vor gesundheitlichen Gefahren des Mobilfunks. Im ARD-Politikmagazin REPORT MAINZ sagte die Direktorin der Europäischen Umweltagentur (EEA), Professor Jacqueline McGlade: „Handys mögen schwach strahlen, aber es gibt genügend Beweise für Wirkungen auch bei schwacher Strahlung, dass wir jetzt handeln müssen. Es gibt klare Beweise, dass starke Handy-Nutzer, die also ihr Handy etwa 460 Stunden im Jahr genutzt haben und das mehr als 15 Jahre lang, dass sie Ausprägungen von Hirntumoren gezeigt haben, wie Gliomen und anderen Arten von Tumoren.“
Die Europäische Umweltagentur in Kopenhagen bezieht sich dabei auf einen 600-seitigen Bericht der so genannten „Bioinitiative Group“, ein Zusammenschluss von Wissenschaftlern, die 2000 Studien zur Wirkung von Elektromagnetischen Feldern ausgewertet haben. Die Umweltfachbehörde der Europäischen Union ist Mitautor dieses Berichts. Ein zentrales Ergebnis im Bericht: „Nach mehr als 10 Jahren Handynutzung erhöht sich das Hirntumorrisiko um 20 bis 200%“.

Außerdem gebe es, so die EEA-Direktorin Jacqueline McGlade, durch Mobilfunkstrahlung unterhalb der geltenden Grenzwerte Effekte in menschlichen Zellen: „Sie stören Zellprozesse, den Signalaustausch zwischen Zellen. Wenn das über einen langen Zeitraum passiert, können diese Störungen natürlich zu Langzeiteffekten wie Krebs führen. Und das sind die Effekte, die uns am meisten beunruhigen.“

Deshalb rät die EU-Umweltagentur dazu, die geltenden Grenzwerte im Hinblick auf solche biologischen Effekte neu zu definieren und damit zu senken. Bisher sind allein thermische Effekte, also die Erwärmung von Gewebe durch Mobilfunkfelder, ausschlaggebend für die Festlegung der Grenzwerte.

Eine Senkung der Grenzwerte fordert im Politikmagazin des SWR-Fernsehens auch Prof. Franz Adlkofer, Koordinator des von der EU finanzierten Mobilfunkforschungsprogramms REFLEX. In mehreren Versuchsreihen der REFLEX-Forscher waren im Zellversuch gentoxische Effekte durch Mobilfunkfelder unterhalb der Grenzwerte festgestellt worden. In einer noch nicht publizierten Versuchsreihe mit der modernsten Handytechnologie UMTS seien diese Effekte bestätigt worden, nämlich DNA-Strangbrüche und Mikrokernbildung, sagte Prof. Franz Adlkofer im Interview mit REPORT MAINZ: „Wir haben im Reflex Projekt biologische Effekte weit unterhalb der Grenzwerte gefunden. Bei der letzten Untersuchung, bei der es um die Frage ging, ob auch UMTS biologisch wirksam ist, bei einem 40igstel der Grenzwerte, das heißt bei 0,05 Watt pro Kilogramm.“

Die EU-Umweltagentur sieht beim Thema Mobilfunk Parallelen zu anderen Umweltrisiken wie Asbest, Röntgenstrahlen, Rauchen oder Blei-Belastungen. In der Vergangenheit seien viel zu oft Umweltrisiken unterschätzt worden. Diese Fehler sollte man beim Mobilfunk nicht noch einmal machen. Die EEA-Direktorin Prof. McGlade sagte im ARD-Politikmagazin REPORT MAINZ: „Warum die Bevölkerung einer Gefahr aussetzen, wenn man jetzt etwas tun kann. Es ist Zeit für uns alle, öffentliche Entscheidungsträger, Eltern, jeden Einzelnen, in der Gesellschaft, sich den Hinweisen bewusst zu werden und dementsprechend zu handeln.“

Mehr zum Thema im SWR: