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SENDETERMIN Di, 23.2.2016 | 21:45 Uhr | Das Erste

Jobs für Flüchtlinge? Was wurde aus den Versprechungen der Wirtschaft?

Trotz großer Versprechen der Wirtschaft im Spätjahr 2015 sind bisher kaum Flüchtlinge in Jobs, Ausbildungsstellen oder Praktika gekommen. Das hat eine Umfrage von REPORT MAINZ unter allen Dax 30-Konzernen ergeben.

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Die 30 größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland haben seit dem Spätjahr 2015 nur wenige Flüchtlinge in Jobs, Ausbildungsstellen oder Praktika gebracht. Das hat eine Umfrage des ARD-Politikmagazins REPORT MAINZ unter allen Dax30-Konzernen ergeben.

Die Ergebnisse stehen damit im Widerspruch zu den von vielen Wirtschaftsvertretern im Spätjahr 2015 gemachten vollmundigen Versprechen. Beim Deutschen Arbeitgebertag am 24. November 2015 hatte der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Ingo Kramer, noch öffentlichkeitswirksam erklärt: "Wir sind bereit, Flüchtlinge in großer Zahl auszubilden und zu qualifizieren und zu beschäftigen, aus schierem Eigennutz." Ähnlich hatten sich auch andere Wirtschaftsverbands- und Konzernchefs geäußert.

Befragt zur ernüchternden Bilanz, erklärte BDA-Präsident Kramer im Interview mit REPORT MAINZ, Grund seien die mangelnden Deutschkenntnisse vieler Flüchtlinge. Wörtlich sagte Kramer: "Die Wirtschaft tut im Moment das, was sie kann, nämlich die Flüchtlinge mit Deutschkenntnissen zu integrieren." Zur niedrigen Zahl von Praktika für Flüchtlinge sagte der BDA-Präsident: "Die niedrige Zahl der Praktika orientiert sich an den Deutschkenntnissen."

Der gewerkschaftsnahe Bremer Wirtschaftswissenschaftler Prof. Rudolf Hickel erklärte zu den Recherchen von REPORT MAINZ: "Die DAX-Unternehmen haben den Mund zu voll genommen. Es ist eine Bankrotterklärung, wenn man vergleicht, das, was sie versprochen haben an Aktivitäten zu entwickeln und das, was an Aktivitäten realisiert worden ist." Er forderte die Unternehmen auf, selbst dafür zu sorgen, dass Sprach- und Integrationsbarrieren abgebaut werden.

In der Anfrage von REPORT MAINZ erklärten fast alle Dax30-Unternehmen, noch in diesem Jahr deutlich mehr Ausbildungsstellen und Praktika anzubieten.