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Buchstaben Hartz IV aus Scrabble-Steinen auf Deutschlandfahne

Geschleift, vernachlässigt, aussortiert Missstände auf dem deutschen Arbeitsmarkt

"Rekord! 1 Millionen Hartz-IV-Empfänger in Jobs vermittelt" verkündete die Bild-Zeitung im Jahr 2011. Diese Zahl war den Bild-Journalisten von der Pressestelle der Bundesagentur für Arbeit genannt worden. Doch offenbar wollte die Behörde nur einmal positive Schlagzeilen machen. Die Recherchen von REPORT MAINZ ergaben, dass lediglich 120.000 Arbeitslose von der Agentur selbst vermittelt wurden. Fast 540.000 hatten sich ihren Job hingegen selbst gesucht. Und abzüglich der ebenfalls fast eine Millionen neuen Arbeitslosen gab es unterm Strich nur knapp 60.000 Hartz-IV-Empfänger weniger als im Vorjahr (REPORT MAINZ berichtete am 11.4.2011).

Die deutschen Arbeitsagenturen stehen auch wegen anderer Missstände in der Kritik. Unsere Recherchen ergaben, dass Hartz-IV-Empfänger oft vergeblich versuchen, ihre Sachbearbeiter zu erreichen, da ihnen die Herausgabe von Durchwahlen verweigert wird (REPORT MAINZ berichtete am 29.04.2014). Ehemalige Mitarbeiter berichten zudem von fragwürdigen psychologischen Tests, die oft als Begründung verwendet werden, um Berufsausbildungen und Weiterbildungen nicht finanzieren zu müssen (REPORT MAINZ berichtete am 20.08.2013).

Doch auch wer Arbeit hat, steht in Deutschland nicht unbedingt gut da. Bei Rewe werden viele Mitarbeiter nur noch zum Mindestlohn beschäftigt, seit 40 Prozent aller Rewe-Märkte von selbständigen Kaufleuten geführt werden und damit aus der Tarifbindung fallen (REPORT MAINZ berichtete am 04.08.2015).

Versicherungsschutz für Menschen in Berufen wie Dachdecker, Maurer oder Krankenschwestern kann nicht mehr gewährt werden, seit 2001 der damalige SPD-Arbeitsminister Walter Riester die Absicherung gegen Berufsunfähigkeit aus der staatlichen Rentenversicherung gestrichen hat. Seitdem werden Menschen in sogenannten "Risikoberufen" sowie Menschen mit Vorerkrankungen von den Versicherern systematisch aussortiert (REPORT MAINZ berichtete am 24.11.2015).

Seit Jahren beschäftigt sich die REPORT MAINZ-Redaktion immer wieder mit Ungerechtigkeiten wie diesen. Wir haben die spannendsten Beiträge noch einmal für Sie zusammengetragen:

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