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21.45 Uhr, DasErste

REPORT MAINZ vom 17.04.2012

REPORT MAINZ,  17.4.2012 | 27:17 min

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Gefährliche Sicherheitslücken Wie schlampig am Frankfurter Flughafen kontrolliert wird

aus der Sendung vom Montag, 6.11.2006 | 21.44 Uhr | Das Erste

Wenn wir mit dem Flugzeug unterwegs sind, wollen wir nicht, dass einer unserer Mitpassagiere so etwas mit an Bord schmuggelt. Damit dies nicht passiert, gibt es Sicherheitskontrollen. Die aber versagen häufig, zumindest die am Frankfurter Flughafen, wie die Recherchen von Beate Klein und Jan-Philippe Schlüter zeigen.

Bericht:

Drehkreuz Frankfurt. Der größte Flughafen Deutschlands. Potenzielles Anschlagsziel. Die Fluggast- und Gepäckkontrollen, hier entscheidet sich, ob ein Terrorist es schafft eine Bombe an Bord zu schmuggeln. Was ist harmlos, was gefährlich? Das müssen die Angestellten des Flughafenbetreibers in wenigen Sekunden entscheiden. Wird alles gefunden?

Das prüft die Bundespolizei regelmäßig, macht so genannte Realtests. Dabei versuchen Beamte versteckte Pistolen, Messer oder Sprengsätze durch die Kontrollen zu bringen. Die Ergebnisse sind streng geheim. REPORT MAINZ hat die vertraulichen Zahlen dennoch bekommen.

In den ersten Monaten dieses Jahres lag die Realtestquote gerade einmal bei 63 Prozent. Das heißt, fast vier von zehn Gegenständen wurden nicht gefunden.

O-Ton, Josef Scheuring, Gewerkschaft der Polizei GDP:

»Die Ergebnisse sind, überhaupt keine Frage, gerade auch in der Betrachtung der aktuellen Gefährdungslage, inakzeptabel. An dieser ganz sensiblen Nahtstelle der Luftsicherheit, dürfen so massiv Fehler nicht passieren.«

O-Ton, Sebastian Edathy, SPD, Vorsitzender Innenausschuss des Bundestages:

»Das ist ein fatal schlechtes Ergebnis. Das macht deutlich, hier besteht Handlungsbedarf. Es kann nicht sein, dass von zehn Gepäckstücken, die problematisch sind, vier nicht entdeckt werden.«

Nach Recherchen von REPORT MAINZ liegt die Quote zum Beispiel in Stuttgart bei fast hundert Prozent. Wie sieht der Frankfurter Flughafenbetreiber angesichts solcher Zahlen die eigene Quote?

O-Ton, Manfred Schölch, stellv. Vorstandsvorsitzender Fraport AG:

»Also ich kann diese Quote nicht bestätigen, einfach weil ich sie so nicht kenne. Dabei, das ist auch sicherlich vielleicht auch nur eine punktuelle Geschichte.«

Nur eine punktuelle Geschichte? REPORT MAINZ liegen die internen Berichte vor. Sie belegen, die Probleme bestehen seit Jahren. 2004 wurden nach Auswertung von REPORT MAINZ von den versteckten Gegenständen nur 62 Prozent gefunden. Und im Juli 2005 liegt die Quote laut internem Fraport-Schreiben:

Zitat:

»Momentan deutlich unterhalb dessen, was unser Ziel ist, und was die Behörde fordert.«

Realtestberichte der vergangenen Jahre. Handgranate im Rucksack, nicht gefunden. Schusswaffe am Oberschenkel, nicht gefunden. Sprengsatz in einem Buch, nicht gefunden.

Frage: Sehen Sie im Moment Defizite in diesem Bereich?

O-Ton, Manfred Schölch, stellv. Vorstandsvorsitzender Fraport AG:

»Ich sehe die Notwendigkeit, kontinuierlich an einer Verbesserung, an einer noch größeren Präzisierung der Kontrollen zu arbeiten dabei.«

Das hat über die Jahre offenbar nicht funktioniert. Bis heute. Im Mai dieses Jahres schlägt ein Sicherheitsbeauftragter intern Alarm. Er kommt angesichts der aktuellen Quote von 63 Prozent zu dem Schluss:

Zitat:

»Es ist nicht akzeptabel, dass theoretisch bis zu 4 von 10 gefährlichen Gegenständen in ein Luftfahrzeug gelangen könnten. Es zeichnen sich dieses Jahr deutliche Defizite bei der Körperkontrolle ab.«

Wie kommt es zu diesen schlechten Quoten? Die Mitarbeiter machen vor allem die Arbeitsbedingungen dafür verantwortlich. Sie äußern sich nur verdeckt, aus Angst um ihren Arbeitsplatz.

O-Ton, Stimme nachgesprochen:

»Viele Passagiere, zu wenig Personal, geringe Pausen oder gar keine Pausen. Spätestens nach zwei, drei Stunden hat man bestimmt keine Konzentration mehr von 100 Prozent. Da sinkt die Quote auf bestimmt 60 Prozent runter.«

Diese Argumente lässt der Vizechef von Fraport aber nicht gelten.

O-Ton, Manfred Schölch, stellv. Vorstandsvorsitzender Fraport AG:

»Dass es eine Arbeit ist, die unter Zeitdruck zu leisten ist, ist auch klar. Wenn wir Reisen noch komfortabel gestalten wollen. Aber Arbeiten unter Zeitdruck ist auch keine Besonderheit dieses Flughafens, das finden sie in vielen Wirtschaftsunternehmen.«

Die Mitarbeiter wiedersprechen. Sie berichten, der Druck werde immer stärker. Wichtigstes Gebot sei Schnelligkeit.

O-Ton, Stimmme nachgesprochen:

»Da ja bestimmte Leute von Fraport hinter uns stehen mit der Stoppuhr, steht man doch schon sehr unter Druck. Und in letzter Zeit sogar noch mehr, um zu sehen, wie der Durchfluss ist, an der Kontrollstelle.«

Dabei, so berichten die Mitarbeiter, blieben manche Vorschriften auf der Strecke.

O-Ton, Stimme nachgesprochen:

»Wir müssen jeden zehnten Koffer drehen und immer bei gewissen Flügen immer einen Koffer geöffnet auf dem Nachschautisch haben. Das kann man überhaupt nicht erfüllen. Das geht gar nicht. Wenn wir unsere Arbeit 100 Prozent nach Vorschrift machen würden, würde am Flughafen nix mehr laufen.«

Fraport sind diese Probleme schon lange bekannt. Beispiel: ein Workshop zur Qualitätskontrolle. Im November 2005 mahnen die Teilnehmer auch das Thema Schulungen an. Es gebe:

Zitat:

»Zu wenige Schulungen zum Auffinden von USBV.«

USBV, das ist der Fachbegriff für Sprengsätze.

Was weiß das zuständige Bundesinnenministerium von den Missständen? Wir bekommen kein Interview zu dem heiklen Thema. Schriftlich antwortet man uns, die Realtestergebnisse hätten:

Zitat:

»... bereits zu gezielten Konsequenzen geführt.«

Nämlich zwei Entlassungen, Nachschulungen und mehr Fachaufsicht. Was genau das bedeutet, erklärt man nicht. Dem Vorsitzenden des Innenausschusses im Bundestag genügt das noch nicht.

O-Ton, Sebastian Edathy, SPD, Vorsitzender Innenausschuss des Bundestages:

»Ich glaube, hier besteht eindeutig Aufklärungsbedarf. Das Bundesinnenministerium sollte darlegen, was es in den vergangenen Jahren unternommen hat, um die Quote zu erhöhen.«

Sicher ist, mit 63 Prozent Quote kann bei den Tests niemand zufrieden sein. Stellt sich die Frage, welche Quote man zu erreichen versucht.

O-Ton, Manfred Schölch, stellv. Vorstandsvorsitzender Fraport AG:

»Es ist Menschenwerk. Und die absolute Sicherheit, dass jeder Mitarbeiter wie ein Automat funktioniert und sich nie irrt, das werden sie nicht erreichen.«

Frage: Welche Quote, meinen Sie, müsste da eigentlich erfüllt werden?

O-Ton, Sebastian Edathy, SPD, Vorsitzender Innenausschuss des Bundestages:

»Also schwer zu sagen. Auf jeden Fall eine Quote, die höher ist als 65 Prozent. Das ist grottenschlecht, über 90, denke ich, ist das Minimum, was man erwarten sollte.«

Abmoderation Fritz Frey:

Seit heute gelten die neuen EU-Sicherheitsregeln für das Handgepäck. Parfum, Zahnpasta nur noch in einem solchen durchsichtigen Plastikbeutel. Gleichzeitig kommen bei Realtests Waffen oder Bombenattrappen durch die Kontrollen. Absurd ist dafür noch ein mildes Wort.

Letzte Änderung am: 03.11.2006, 00.48 Uhr

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