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Eigentlich müsste sie doch hier am deutlichsten zu spüren sein, die Krise: in Frankfurts Bankenviertel. Doch von Demut, Einkehr oder Reue ist in den einschlägigen Clubs nichts zu spüren. Die Branche wittert wieder Morgenluft und gibt sich der Feierlust hin.
Der Unmut über die Macht von Banken und Börsen hat weltweit Menschenmassen mobilisiert. In Deutschland trugen Tausende Protestierer ihren Unmut vor die Europäischer Zentralbank (EZB) und das Kanzleramt. Allein in Rom waren es mehr als 100.000 Demonstranten. Vorbild sind Dauerkundgebungen in Madrid und New York. Politiker äußerten Verständnis - und mahnten.
Die Demonstranten forderten schärfere Regeln für Banken, eine europäische Vermögensabgabe und bessere Arbeitsperspektiven. In der deutschen Bankenmetropole Frankfurt am Main protestierten Tausende Menschen vor der Europäischen Zentralbank (EZB) gegen die Rettung maroder Finanzinstitute und soziale Ungleichheit. Danach bauten sie ein Protest-Camp auf und nächtigten vor dem symbolträchtigen Ort. Sie orientieren sich an den Protesten gegen die weltgrößte Börse in der New Yorker Wall Street.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte, sie habe "großes Verständnis" für die Proteste gegen die Macht ungezügelter Finanzmärkte. Darin drücke sich ein "Gerechtigkeitsverlangen" aus, den internationalen Finanzmärkten Zügel anzulegen, wie man sie in Deutschland für richtig halte und zum Teil schon umgesetzt habe, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Er spielte damit auf Bestrebungen an, die Geschäfte an den Finanzmärkten zu besteuern.
Die weltweiten Proteste stießen auch bei der politischen Spitze der Europäischen Union auf Verständnis. "Der Finanzsektor muss verstehen, dass er ein Mindestmaß von ethischen Normen respektieren muss", sagte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso. "Das ist jüngst nicht der Fall gewesen. Und der Finanzsektor muss einen größeren Beitrag zum Gemeinwohl leisten."
Letzte Änderung am: 20.04.2006, 09.31 Uhr