Bitte warten...

ARD-exclusiv | Immer mehr Ältere rutschen ab Alt, arm, arbeitslos

Eine Reportage von Oliver Heinsch und Thomas Reutter

Mittwoch, 24.8.2011 | 21.45 Uhr im Ersten

MAINZ. Die Bundesregierung malt ein rosiges Bild: Die Älteren seien die Gewinner am Arbeitsmarkt. Immer mehr ältere Arbeitnehmer seien in Beschäftigung, wie Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen gerne betont. Die Unternehmen würden wieder auf die Älteren setzen. Doch stimmt die Erfolgsgeschichte überhaupt?

Dieser Frage gehen die beiden REPORT MAINZ-Autoren Oliver Heinsch und Thomas Reutter nach. Für ihr ARD-exklusiv "Alt, Arm, Arbeitslos – immer mehr Ältere rutschen ab" haben sie ältere Arbeitslose begleitet, im Alltag zwischen Jobcenter, Jobsuche und Minijob und dabei festgestellt: Es gibt offenbar auch eine andere Wahrheit:

Für den Film haben sie ältere Arbeitslose mit versteckter Kamera bei Bewerbungsgesprächen beobachtet und dabei Haarsträubendes erlebt. Sie haben Menschen getroffen, die in einer Qualifizierungsmaßnahme für Ältere stundenlang spazieren gehen, Bilder malen oder Spiele spielen müssen. "Die wissen einfach nicht, was sie uns anbieten solle", sagt einer der Teilnehmer.

Der Aufschwung auf dem Arbeitsmarkt ist offenbar gerade an vielen älteren Arbeitslosen vorbeigegangen. Und das, obwohl sie gut qualifiziert, hochmotiviert und ständig auf Jobsuche sind. "Das sagt einem keiner, aber ich bin einfach zu alt", beschreibt einer der Arbeitslosen seinen Frust. Wer über 50 ist und arbeitslos wird, gilt trotz aller Klagen über Fachkräftemangel noch immer als kaum vermittelbar. So geht aus zwei bislang unveröffentlichten Studien hervor, dass sich die Jobchancen älterer Arbeitsloser in den vergangenen Jahren nicht verbessert haben. Das Institut für Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen hat ermittelt, dass Unternehmen bei der Neueinstellung nach wie vor jüngere Bewerber gegenüber älteren bevorzugen.

Um das Video abspielen zu können, benötigen Sie Javascript. Bitte aktivieren Sie dies in Ihrem Browser.

4:06 min | Mi, 14.9.2011 | 23:00 Uhr | SWR Fernsehen

Mehr Info

Prof. Matthias Knuth zu den Chancen älterer Arbeitsloser

Prof. Matthias Knuth vom Institut für Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg Essen.

Wenn Ältere einen Job finden, dann sind es häufig Billigjobs auf 400-Euro-Basis oder schlecht bezahlte Leiharbeit. Nach Informationen der REPORT MAINZ-Autoren sind Arbeitslose über 50 durchschnittlich vier Jahre arbeitslos. Wenn sie danach wieder eine Stelle aufnehmen, verdienen sie im Durchschnitt nur noch 1.400 Euro.

Die Politik hat teure "50Plus"-Programme aufgelegt, um gegenzusteuern. Zahlreiche Maßnahmen, die die Betroffen wieder in den Arbeitsmarkt bringen sollen. Unternehmen, die Ältere einstellen, werden zudem großzügig gefördert. Doch viele dieser Maßnahmen scheinen zu verpuffen.

Um die Lage zu kaschieren, tauchen viele ältere Arbeitslose in offiziellen Arbeitslosenstatistiken erst gar nicht auf. Insgesamt 850.000 ältere Arbeitslose werden nach Recherchen der Autoren aus ganz verschiedenen Gründen nicht mitgezählt. Wer zum Beispiel in einer Maßnahme ist, oder vom Ersparten lebt, der zählt nicht mit – egal wie verzweifelt seine Lage ist. "Wer nicht gezählt wird, zählt offenbar nichts", so der Eindruck vieler Arbeitsloser, die die Autoren getroffen haben.