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Report Mainz berichtete am 30.8., 20.9. und 11.10. 2010
Die Diskussion um die Thesen von Thilo Sarrazin hat Ressentiments gegenüber Muslimen in Deutschland offenbar deutlich verstärkt. Sarrazin-Kritiker erhalten Hass- und Drohmails. Kommunalpolitiker berichten von Übergriffen auf Muslime und Beschimpfungen. Einer neuen Studie zufolge haben islamfeindlichen Einstellungen in der Mitte der Gesellschaft deutlich zugenommen. Auch eine von REPORT MAINZ in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage kommt zu besorgniserregenden Ergebnissen: 37 Prozent der Befragten finden ein Deutschland ohne Islam besser.
Unterdessen feiern Rechtsextreme den SPD-Mann Sarrazin als neue Ikone. NPD-Chef Udo Voigt frohlockt: Wenn etablierte SPD-Leute solche Thesen vertreten, dann wird es künftig schwer, die NPD für ähnliches Gedankengut zu attackieren. Peinlich für SPD: Ein Rauswurf Sarrazins aus der Partei scheiterte wenige Monaten zuvor. SPD-Politiker werfen der Parteispitze vor, sie habe das Parteiordnungsverfahren halbherzig geführt, aus Angst vor der Stimmung ihrer Wähler.
REPORT MAINZ hat sich darüber hinaus in „Lisas Welt“ auch auf satirische Weise mit der Sarrazin-Debatte und íhren Folgen beschäftigt. Die Glosse dreht sich darum, „was man ja wohl mal sagen können dürfen muss“.
Nachgefragt am 20.4.2011
Thilo Sarrazin muss am Donnerstag, 21. April 2011, im Parteiausschlussverfahren der SPD Rede und Antwort stehen. Die Schiedskommission des Berliner Kreisverbandes Charlottenburg-Wilmersdorf hört ihn an. Ein halbes Jahr hat sich die SPD nach ihrer Ankündigung des angestrebten Ausschlusses Zeit gelassen, den 66-Jährigen zum Vorwurf des parteischädigenden Verhaltens zu befragen.
Sarrazin hatte mit seinen Thesen zur Integrationspolitik in seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ seine Partei gegen sich aufgebracht. Das Buch ist inzwischen 1,4 Millionen Mal verkauft. Darin spricht Sarrazin vor allem muslimischen Zuwanderern Integrationswilligkeit und Leistungsbereitschaft ab. Er vertritt zudem die Ansicht, dass Muslime generell schlechter gebildet seien und Intelligenz größtenteils erblich bedingt sei. Aus Sicht der SPD-Spitze verstößt Sarrazin mit seinen Thesen gegen Grundsätze der Sozialdemokratie.
Die Schiedskommission hat vier Wochen Zeit, eine Entscheidung zu verkünden. Für den Fall, dass Sarrazin unterliegen sollte, hat er bereits angekündigt, er werde sich durch alle Instanzen klagen. Er müsste dann zunächst die Landesschiedskommission anrufen.
Letzte Änderung am: 20.04.2011, 10.14 Uhr