SENDETERMIN Mo, 11.4.2011 | 21.45 Uhr

Verdrängtes Unrecht

Das tausendfache Leid der Kinder in westdeutschen Säuglingsheimen

Bis Mitte der 1970er Jahre wurden in Westdeutschland rund 260.000 Babies in katholischen oder evangelischen Säuglingsheimen untergebracht, weil ihre Eltern nicht für sie sorgen konnten, wollten oder durften. Die meisten waren unehelich geboren. Die Babies wurden deshalb als „Kinder der Sünde“ oder als „Bastarde“ beschimpft.


Die Säuglingsheime waren überbelegt. Das Personal hatte deshalb kaum Zeit sich mit den Kindern zu beschäftigen. Durch die Massenpflege verkümmerten viele Säuglinge  seelisch und blieben in ihrer sprachlichen, sozialen und motorischen Entwicklung zurück. Wer unruhig war wurde im Gitterbett festgebunden oder mit Medikamenten „ruhig gestellt“. Heute wollen die Kirchen zum Unrecht in den Säuglingsheimen kein Interview geben.


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Verdrängtes Unrecht: Bilder aus den Säuglingsheimen

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Weihnachten im Kinderheim. Schöner Schein - die Realität sah oft anders aus.

Weihnachten im Kinderheim. Schöner Schein - die Realität sah oft anders aus.

Katholische Nonnen und Diakonissen vernachlässigten die Kinder, weil die Heime häufig überbelegt waren.

Kinder, die unruhig waren, wurden angebunden. Manche bekamen auch Beruhigungsmittel.

Wer vom Topf wegwollte, wurde angebunden. Und das stundenlang. Mit fatalen Folgen für die Kinder.

Die Kinder blieben in ihrer sprachlichen, sozialen und motorischen Entwicklung zurück. Bis heute will die Kirche von einem Schuldbekenntnis nichts wissen. Und die Betroffenen leiden noch heute.

Schätzungsweise 260.000 Kindern wuchsen zwischen 1949 und 1975 in Säuglingsheimen auf. Tausende wurden systematisch angebunden.

Das Personal war häufig überfordert und kaum ausgebildet. Auf bis zu 10 Kinder musste eine Säuglingsschwester aufpassen.

Frischluft im Zehnerpack. Statt die Kinder im Kinderwagen auszuführen, wurden sie - aus Zeitnot - schlicht auf den Balkon gestellt.

aus der Sendung vom

Mo, 11.4.2011 | 21.45 Uhr

Bericht

Autor:
Thomas Reutter
Kamera:
Andreas Deinert, Ole Jürgens, Sigurd Frank, Thomas Schäfer
Schnitt:
Frank Schumacher
Sprecher:
Thomas Reutter