aus der Sendung vom Montag, 14.2.2011 | 21.45 Uhr | Das Erste
Der weltgrößte Papierhersteller kommt aus Schweden und heißt Stora Enso. Er beliefert den deutschen Markt u.a. mit Papier, aus dem Zeitungen oder Verpackungsmaterial hergestellt wird. Diese Produkte sind FSC zertifiziert, soll heißen: Ein Umweltsiegel garantiert dem Verbraucher, dass Stora Enso kein Holz aus schützenswerten Wäldern einschlägt.
Dies aber ist falsch. Stora Enso fällt systematisch und flächendeckend in jahrhundertealten Wäldern. Schwedische Umweltschützer und Waldexperten kritisieren das großflächige Abholzen und verweisen zudem auf einen Interessenskonflikt. Der Zertifizierer werde von den Auftraggebern bezahlt; dies gehe zu Lasten der Unabhängigkeit im Zertifizierungsprozess. Die Kritiker fordern, dass es für solche Produkte kein Umweltschutzsiegel geben dürfe.
Letzte Änderung am: 07.01.2011, 23.29 Uhr
Kommentare zu diesem Artikel:
Wahre Dokumentation
Wahre Dokumentation
(Dietrich Isaak) 18.08.2011 , 20:45
Eine sehr gute Reportage, von deren Wahrheitgehalt ich in Russland erfahren habe, Wo Forstbetriebe mit FSC Zertifikaten kahliebe durchführen. Wenn Herr Drößler meint Kahlhieben Nachhaltigkeit attestieren zu können kann das nur daran liegen, dass er von der Materie keine Ahnung hat oder dass er als Lobbyist ein scheinbar neutralen Artikel verfasst hat
Ein besserer Vergleich der deutschen und schwedischen Forstwirtschaft
Ein besserer Vergleich der deutschen und schwedischen Forstwirtschaft
(Lars Drößler) 20.03.2011 , 11:32
Die Größe der Kahlschlagflächen betragen im Durchschnitt 2,5 ha in Südschweden und 5 ha in Nordschweden. Zum Ausgleich des schlechten Beitrages empfehle ich Report Mainz, den Menschen in Deutschland zu erklären, auf welcher Grundlage von Holzrohstoffen man derzeit lebt und warum Zertifizierungen länderspezifisch erfolgen. Ein gutes Beispiel finden Sie in Zürich. Dort wurden die 1000 ha Stadtwald komplett aus der Bewirtschaftung genommen. Stellen Sie dieser Maßnahme den Holz- und Papierverbrauch der Stadt gegenüber und fragen Sie die Einwohner, woher man den Rohstoff bezieht! Beide, die deutsche und schwedische Forstwirtschaft, stellen für mich weltweite Musterbeispiele einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung dar.
Nicht nur Fichte 3
Nicht nur Fichte 3
(Tobias Fiebig) 23.02.2011 , 10:35
Dem Schweden wird vom Gesetzgeber "Freiheit unter Verantwortung" vorgeschlagen. Wieviele nehmen jedoch die Verantwortung ernst? Ich könnte hier noch Storys erzählen die so manchen Forstwirt oder Naturfreund das Herz bluten liessen. In Deutschland sind viele Förster auch nicht davon zu überzeugen. Ich habe das selber gehört. Trotz allem ist Deutschland den Schweden gute 40 Jahre voraus!
Nicht nur Fichte 2
Nicht nur Fichte 2
(Tobias Fiebig) 23.02.2011 , 10:35
Um einmal aufzuzeigen wie die Menthalität der angehenden Forstleute ist, hier ein Beispiel. Wir waren in einem Mischwald (in Schweden bestehen Mischwälder aus Fichte und Kiefer) der über 350 Jahre alt ist. Dort hatte es vor rund 200 Jahren einmal gebrannt. Reste der angekohlten Baumstämme waren noch vorhanden. Diese Baumstämme stellen Biotope für unzählige geschützte Arten dar. Einige Studenten meinten jedoch Feuerholz zu benötigen, und hatten im Handumdrehen einige dieser wertvollen Baumstämme umgetreten und verfeuert. Die Parzelle sollte im kommenden Winter abgeholzt werden! 99% der angehende Forstleute haben null Naturgefühl sondern denken nur an Produktion. Sie wissen nicht wie ein Ökosystem funktioniert, geschweige denn wie sie eins bewirtschaften sollen. Um einen Wald "platt" zu machen brauche ich keine 3 Jahre Forstwirtschaftstudium. Da reichen 6 Monate: abholzen, kultivieren, pflanzen, pflegen, abholzen.
Nicht nur Fichte 1
Nicht nur Fichte 1
(Tobias Fiebig) 23.02.2011 , 10:34
Ich wohne seit fast 7 Jahren in der schwed. Taiga und bin selber in schwed. ausgeb. Forstwirt mit Einrichtung forstw. Planung und Pflege. Ich säge also keine Bäume ab sonder Plane die Abholzung. Während meiner Ausbildung war ich das schwarze Schaf. Die konnten es nicht verstehen, dass ich gegen ein Plattmachen des Waldes war. Ich habe daher mein Examen und auch mein Praktikum beim SaarForst gemacht. Dort habe ich an einem Projekt mitarbeiten dürfen das sich Prozess-Schutz nennt. Als ich das den Schweden in einem dreistündigem Vortrag vorgetragen hatte, wurde ich mit Beifall und der Bestnote verabschiedet. Keiner konnte sich jedoch vorstellen, dass so etwas in Schweden funktionieren würde.
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