aus der Sendung vom Montag, 6.4.2009 | 22.00 Uhr | Das Erste
Vergangenes Wochenende in Berlin – Sonderparteitag der rechtsextremen NPD. REPORT MAINZ, die Sendung mit dem Fuchs, hat mal wieder totales Dreh- und Berichtsverbot. Und doch: Wir sind dabei – trotz eines martialischen Trupps von Ordnern und interviewen gleich mal den NPD-Pressesprecher:
Frage: Ist es richtig, dass Sie einem ARD-Fernsehteam die Dreharbeiten verweigern. Wenn ja, warum?
O-Ton Klaus Beier, NPD-Pressesprecher:
»Das war schon 2008 in Bamberg. Es handelte sich um das Team von REPORT MAINZ. Und die haben eben jede Professionalität vermissen lassen, indem sie uns gefälschte Iraner ins Büro geschickt haben, und ein Hintergrundgespräch geführt haben und daraus eine Reportage gestrickt haben. Das ist also für mich hochgradig unseriös. Damit haben sie sich aus dem Rahmen der seriösen Berichterstattung herauskatapultiert.«
Die Nerven der Kameraden liegen blank, denn die Partei ist bankrott, der Ex-Schatzmeister im Knast, die Parteikasse leer und Millionenstrafen drohen. Können die Kameraden etwa nicht rechnen?
Frage: Was ist denn sieben mal neun?
O-Ton, Holger Apfel, NPD-Fraktionschef Sachsen:
»Also diese Frage ist mir wirklich zu blöd. Und das zeigt, was Sie hier für einen plumpen Gossenjournalismus an den Tag legen, weshalb ich also keine Diskussionsgrundlage mit Ihnen sehe. Danke.«
Mit dem Rechnen bei Parteichef Udo Voigt ist das auch so eine Sache. Kürzlich sprach er in der Parteipostille von 13 Wahlen in diesem Jahr und rechnete dann einzeln vor: acht Kommunalwahlen, vier Landtagswahlen, eine Europawahl und eine Bundestagswahl.
Nach Adam Riese sind das aber nicht 13, sondern 14 Wahlen. Und auch Udos Laune ist an diesem Tag nicht die beste:
O-Ton, Udo Voigt, Vorsitzender NPD:
»Es kotzt mich auch an, dass wir heute unter diesen Bedingungen hier sind!«
Und das hat Gründe: Mit Dreck, gleich kübelweise, haben sich die beiden verfeindeten Lager von Udo I, rechts im Bild, und Udo II, namens Pastörs links im Bild, beworfen. Kostproben vom Umgang untereinander aus etlichen Pamphleten: Von Hinterfotzigkeit lesen wir, von rattenhaftem Verhalten, von Giftspritzerei, und sogar von Verarschung der Basis ist die Rede.
Dabei stand der Parteitag doch unter dem Motto vom „Ich zum Wir“. Treffender hätte es wohl heißen müssen: Jeder gegen jeden.
Und weil die Öffentlichkeit von dieser Schlammschlacht möglichst nichts mitbekommen soll, wird dann mit dem Zitat vom „Geschmeiß“, das einst Hitlers Propagandaminister, Joseph Goebbels, benutzte, die gesamte Presse vom Parteitag ausgeschlossen.
O-Ton, David Petereit, stellv. NPD-Landesvorsitzender Mecklenburg-Vorpommern:
»Hier befindet sich ein Haufen Geschmeiß. Und damit meine ich die Leute da oben.«
»Ich gehe davon aus, dass hier die einen oder anderen Sachen auch in Rechenschafts-berichte verpackt werden, wie es von dem Bundesvorsitzenden schon gemacht wurde. Und das geht die Leute da oben einen Feuchten an.«
»Die Typen haben hier nichts verloren.«
O-Ton, Sprechchöre Parteitagsdelegierte:
»Die Presse lügt! Die Presse lügt! Die Presse lügt! Die Presse lügt!«
Also: Berichtsverbot für alle – Hörfunk, Zeitung und Fernsehen. Man bleibt eben lieber unter seinesgleichen.
Am Samstagabend dann: Udo I hat es geschafft. Hier Bilder nach seiner Wiederwahl, trotz Presserausschmiss und Drehverbot.
Gerade mal etwas über 60 Prozent der Stimmen erhielt er, eines der schlechtesten Ergebnisse in der Geschichte der Rechtsextremen. Sehen so Sieger aus?
Pressekonferenz der NPD am nächsten Tag – natürlich mit REPORT MAINZ. Vorbei an martialischen Ordnern sind wir in den stickigen Saal gelangt:
Frage für REPORT MAINZ an Herrn Voigt: Herr Voigt, Sie haben REPORT MAINZ wiederholt von der Berichterstattung ausgeschlossen. Ist das Ihr Verständnis von Pressefreiheit, nach Gutsherrenart zu entscheiden, wer berichten darf oder wer nicht?
O-Ton, Udo Voigt, Vorsitzender NPD:
»Also ich habe es mehrfach den Kollegen erläutert Und ich denke, aber ich bin trotzdem dankbar für Ihre Frage, um es noch einmal klar zu machen, weil viele Dinge hätten nicht ausgesprochen werden können, wenn Sie da gewesen wären.«
Haben Sie, liebe Zuschauer, Udos Antwort auf unsere Frage verstanden?
Wir auch nicht so richtig. Macht nichts.
So ging es mehrmals, auch mit anderen Fragen, auf der PK.
Egal: Fragen beantworten oder Rechnen können ist nun mal nicht jedermanns Ding. Aber bei einem ist der Udo klar – glasklar, wenn es um die Vergangenheit geht:
O-Ton, Udo Voigt, Vorsitzender NPD :
»Ich bin von Grund auf der Überzeugung, dass jeder alte Soldat oder SS-Angehöriger selbstverständlich mit seiner Fahne begraben werden kann.«
Letzte Änderung am: 06.04.2009, 18.11 Uhr