aus der Sendung vom Montag, 29.9.2008 | 21.45 Uhr | Das Erste
Wenn man von Reportern sagt, sie seien auf dem Holzweg gewesen, dann ist das eigentlich ja kein gutes Zeugnis. Für unseren Film aber gilt: Es ist die exakte Beschreibung dessen, was Manfred Ladwig und Thomas Reutter getan haben. Sie zeichnen den Weg nach von asiatischem Hartholz aus dem Regenwald in Laos bis hin zur Gartenmöbelmesse in Köln.
Warum uns das interessiert? Ganz einfach. Weil hier bei uns mit illegal eingeschlagenem Holz aus Asien ein schwunghafter Handel betrieben wird.
Bericht:
Die internationale Gartenmöbelmesse in Köln. Besonders im Trend: Gartengarnituren aus Vietnam: aus Hartholz, besonders wetterfest und auch noch günstig. An diesem Stand aus Vietnam ist man stolz auf die edlen Tropenhölzer mit den exotischen Namen: „The Yellow Balau“ und „Keruing“.
Frage: Und woher kommt das Holz?
O-Ton:
»Comes from Laos.«
Frage: From Laos?
O-Ton:
»Yeah.«
Tropenholz aus Laos. Wir wollen herausfinden, wo genau das Holz für unsere Gartenmöbel herkommt.
Unberührter südostasiatischer Regenwald. Der Dschungel von Laos, einer der artenreichsten überhaupt, lebenswichtig für das Weltklima und ein empfindliches Ökosystem. Deshalb steht auf Schildern: geschützter Wald. Abholzen unter Strafe verboten.
Doch mitten im Urwald entdecken wir ein illegales Sägewerk. Das sind kriminelle Holzfäller, sagt man uns. Sie bestechen die Polizei. Manche arbeiten sogar mit dem Militär zusammen. Wer das offen kritisiert, lebt gefährlich in Laos. Immer wieder werden wir gewarnt. Oft können wir nur heimlich im Vorbeifahren drehen.
Die LKW fahren Richtung vietnamesische Grenze.
Der Export von Baumstämmen aus Laos ist gesetzlich verboten. Trotzdem: Vor der vietnamesischen Grenze stehen die Laster Schlange.
Raubholzhandel. Die gesamte Grenzstation ist offenbar korrupt, jeder verdient mit am Ausverkauf des Urwalds.
Wir zeigen unsere Aufnahmen Prof. Klaus Töpfer, dem ehemaligen Bundesumweltminister.
O-Ton, Prof. Klaus Töpfer, CDU, Bundesumweltminister a.D.:
»Das ist ein extrem drängendes Problem. Wir sehen es in der Klimaverhandlung. Wir sehen es bei der Verhandlung über die Erhaltung von Artenvielfalt.
Das ist der kurzfristige Profit, der sich dann hinterher nicht gegenübersieht den mittelfristigen und langfristigen katastrophalen Folgen, die ja auch wirtschaftliche Konsequenzen sind, auch für uns mit Blick auf Klimaveränderung.«
In Vietnam nehmen wir die Fährte wieder auf und verfolgen diesen Holztransporter. Als der Laster anhält, spricht unser Dolmetscher mit dem Fahrer. Der erzählt uns, er habe teueres Teakholz aus Laos geladen und nennt uns Namen der vietnamesischen Firmen, die Gartenmöbel aus Urwaldholz herstellen.
Die Suche nach den Firmen führt uns in diese vietnamesische Hafenstadt. Von hier werden die Gartenmöbel nach Europa verschifft. Viele der Firmen liefern auch nach Deutschland.
Vor dieser Fabrik lernen wir zufällig einen Mann kennen, einen Manager des Unternehmens. Er lässt sich sogar auf ein Interview mit uns ein, mit dem er seinen Job riskiert. Um ihn zu schützen, verdecken wir sein Gesicht.
Der Mann bestätigt uns: Seine Firma verarbeitet Tropenholz aus Kambodscha und Laos. Daraus würden Gartenstühle, Tische, Hollywoodschaukeln.
Wohin gehen die Möbel? „Auch nach Deutschland“, antwortet der Mann. Fragen die deutschen Einkäufer überhaupt nach der Herkunft der Hölzer? Nein, danach fragt niemand. Schließlich plaudert er noch aus: Zehn Container pro Monat liefert die Firma nach Deutschland. Die Menge wolle man bald verdoppeln.
Zurück auf der Gartenmöbelmesse in Köln. Hier kommt das Urwaldholz an, fein verarbeitet. Unglaublich: Es ist völlig legal in Deutschland Raubholz-Möbel zu verkaufen. Kein Gesetz verbietet den Import oder Handel. Keine Firma muss nachweisen, woher sie ihr Holz bezieht.
Im Bundesumweltministerium konfrontieren wir Jochen Flasbarth, den Abteilungsleiter für Naturschutz:
O-Ton, Jochen Flasbarth, Bundesumweltministerium:
»Ja, es ist schlicht und einfach ein Skandal, dass es immer noch geht. Das muss in der EU verboten sein, mit solchen illegalen Hölzern Handel zu treiben.«
Frage: Aber könnte nicht Deutschland selbst ein nationales Gesetz erlassen?
O-Ton, Jochen Flasbarth, Bundesumweltministerium:
»Ja, wir würden das ja gerne tun. Deutschland hat auch einen Anlauf dazu gemacht, hat den Entwurf eines Urwaldschutzgesetzes, wie wir es damals genannt haben, vorgelegt. Die EU hat uns das nicht gestattet, ein solches Gesetz zu machen.«
Ein massiver Vorwurf an die Kommission. Hat Brüssel wirklich ein deutsches Urwaldschutzgesetz verhindert?
O-Ton, Michael Mann, EU-Kommission:
»Wir haben das inoffiziell von Deutschland bekommen. Wir haben das ein bisschen diskutiert, und das ist nie offiziell nach Brüssel geschickt worden.«
Frage: Das heißt aber: Es gab aber auch nie ein Nein aus Brüssel?
O-Ton, Michael Mann, EU-Kommission:
»Es gab nicht ein Nein.«
Laut Kommission also ganz klar: Deutschland hätte ein Gesetz machen können. Hat es aber nicht.
Doch auch Brüssel hat geschlafen. Seit fast 20 Jahren verlangen die Umweltverbände ein europäisches Importverbot, seit fast 20 Jahren. Jetzt hat die Kommission endlich einen Entwurf angekündigt, doch bis ein EU-Gesetz erst einmal greift, kann es dauern.
Vielleicht noch Jahre. Umweltpolitisches Versagen also auf allen Ebenen. Obwohl sich in der Sache alle einig sind. Und die Vernichtung der Regenwälder geht weiter.
Letzte Änderung am: 29.09.2008, 18.11 Uhr