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SENDETERMIN Mo, 10.12.2007 | 21:45 Uhr | Das Erste

Antisemitismus und Schwulenhass NPD-Funktionäre reden Klartext

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Nächstes Thema: Die rechtsextreme NPD verbieten? Die Innenminister haben sich letzte Woche darauf verständigt, bis zum nächsten März weiteres Material zu sammeln und dann zu entscheiden – Verbotsverfahren, ja oder nein?

Und wir Journalisten? Wir haben aufzuklären, was die NPD will. Das aber ist schwer, denn die reden selten mit uns. Für die NPD sind wir meist nur „Hetzer“. Wenn aber iranische Journalisten kommen, um ein Interview zu führen, dann werden sie mit offenen Armen empfangen. Sozusagen als Abgesandte des iranischen Präsidenten und Holocaust-Leugners Ahmadinedschad persönlich. Da wird dann munter über Homosexuelle schwadroniert, und dass der Iran ein prima Bündnispartner wäre.

Thomas Reutter hat die denkwürdigen Aussagen der NPD-Spitzenfunktionäre zusammengefasst.


Bericht:

O-Ton:

»Hier marschiert die NPD!«


Die NPD, eine verfassungsfeindliche Partei, will an die Macht in Deutschland. Wofür steht diese Partei, welche Gesellschaft will sie? Interviews der Spitzenfunktionäre mit iranischen Journalisten geben jetzt einen aktuellen Einblick in die verquaste Weltsicht der Nationalisten.




O-Ton, Udo Voigt, NPD-Parteivorsitzender:

»Wir denken, dass sowohl der derzeitige Versuch, eine multikulturelle Gesellschaft in Deutschland zu errichten, und die Zerstörung der Familie Hand in Hand gehen und Pläne sind, die die Alliierten nach dem Kriege beschlossen haben, um Deutschland zu zerstören.«




O-Ton, Sascha Roßmüller, stellv. NPD-Parteivorsitzender:

»Ich sage das so: Die uns auch von den Amerikanern schmackhaft gemachte bittere Medizin der multikulturellen Politik ist unter Umständen die Fortsetzung des Zweiten Weltkrieges nur mit anderen Mitteln.«





Den Weltkrieg fortsetzen, das wollte er, Heinrich Himmler, der Reichsführer SS. Seine Wehrwolf-Einheiten sollten nach Kriegsende als Nazi-Guerilla aus dem Untergrund heraus Anschläge gegen die Alliierten verüben. Viel Erfolg hatten sie nicht.


O-Ton, Sascha Roßmüller, stellv. NPD-Parteivorsitzender:

»Es wäre vielleicht vieles anders gelaufen, wenn unter Umständen vielleicht direkt nach 1945-46-47-48 mehrere Wehrwolf-Einheiten hier sich noch erfolgreicher hätten zur Wehr setzen können. Aber es ist eben leider nicht so gewesen.«


Dann wäre Deutschland womöglich heute etwas größer, wovon die NPD immer noch träumt.


O-Ton, Udo Voigt, NPD-Parteivorsitzender:

»Ein Drittel des Gebietes des Deutschen Reiches steht nach wie vor unter polnischer Verwaltung. Pommern, Westpreußen, Ostpreußen, Schlesien. Ob das Königsberg ist, ob das Danzig ist, ob das Breslau sind, das sind alles deutsche Städte für uns. Und die uns nach den Ereignissen des Zweiten Weltkrieges entgegen dem Völkerrecht abgenommen wurden und auf die wir natürlich Anspruch erheben.«


Völkerrechtlich hat Deutschland längst keine Gebietsansprüche mehr, doch die NPD will das Deutsche Reich zurück.


O-Ton, Udo Voigt, NPD-Parteivorsitzender:

»Aber es sind ja nicht nur diese Gebiete. Es gibt ja auch Österreich, zählt ja auch zu Deutschland. Wien war tausend Jahre länger Hauptstadt als Berlin.«


Inzwischen hat sich Deutschland zu einer offenen, toleranten Gesellschaft entwickelt.


O-Ton, Klaus Wowereit, SPD, Regierender Bürgermeister von Berlin:

»Ich sage es euch auch, und wer es noch nicht gewusst hat: Ich bin schwul, und das ist auch gut so.«








O-Ton, Udo Voigt, NPD-Parteivorsitzender:

»Es ist nicht normal, und muss eigentlich in dem Volksbewusstsein drinnen sein, dass es leider abnormale Menschen sind. Die gibt es, aber so, wie das heute umworben wird, werden viele Menschen homosexuell, die ansonsten gar keine Veranlagung dazu haben, weil sie einfach glauben, es gehört dazu.«


Homosexuelle als „abnormal“ ausgegrenzt. Die NPD auf einer Linie mit der Nazi-Ideologie. Und jetzt will Udo Voigt den iranischen Journalisten etwas sagen, was ihm besonders wichtig ist.


O-Ton, Udo Voigt, NPD-Parteivorsitzender:

»Die sechs Millionen kann nicht stimmen. Es kann maximal 340.000 in Auschwitz umgekommen sein. Da sagen zwar die Juden immer, auch wenn nur ein Jude umgekommen ist, weil er Jude ist, ist das ein Verbrechen. Aber es ist natürlich ein Unterschied, ob wir für sechs Millionen zahlen oder für 340.000. Das sage ich dann entsprechend wieder dagegen. Und dann ist auch irgendwann die Einmaligkeit dieses großen Verbrechens - angeblich eines großen Verbrechens - dann fällt auch die Einmaligkeit weg.«


In der Öffentlichkeit wäre diese Holocaust-Leugnung strafbar. Udo Voigt weiß, wann er das Mikrofon beiseite schieben muss.


O-Ton, Udo Voigt, NPD-Parteivorsitzender:

»Na gut, aber es wird keiner mich daran hindern, wenn ich im nächsten Deutschen Bundestag sitzen werde, was ich dort in einer freien Rede als Abgeordneter sage. Ich kann dafür noch nicht mal bestraft werden. Dann müssten sie erst die entsprechenden Gesetze ändern, das haben sie ja bis jetzt noch nicht gemacht haben.«


Frage:

»Könnte man über Holocaust auch so?«


O-Ton, Udo Voigt, NPD-Parteivorsitzender:

»Man könnte das tun. Selbstverständlich.«

Aber erst einmal in den Bundestag kommen. Dafür braucht die Partei Geld für den Wahlkampf. Ein Verbündeter könnte da nicht schaden.


O-Ton, Sascha Roßmüller, stellv. NPD-Parteivorsitzender:

»Lasst uns jetzt schon zusammenarbeiten. Also ich frage schon... «


O-Ton:

»Finanzielle Hilfe, zum Beispiel.«


O-Ton, Sascha Roßmüller, Stellvertretender NPD-Parteivorsitzender:

»Ja, wäre natürlich auch sehr wichtig.«


Parteienfinanzierung aus dem Iran? Das wäre illegal.


O-Ton, Sascha Roßmüller, stellv. NPD-Parteivorsitzender:

»Es gibt natürlich auch Probleme, die es schwer machen, vom Ausland, wie transferiert man das Geld, dass es der Bundestag anerkennt und uns nicht abzieht oder als Strafzahlungen... Aber man muss sich die Regeln, die Gesetze, man muss es genau anschauen. Es gibt immer Wege, wenn man will. Die versuchen, dass wir kein Bankkonto in Deutschland mehr bekommen. Gibt es Möglichkeiten über iranische Banken, dass die NPD Zugang zu Konten hat?«


Ein international isolierter Holocaust-Leugner als Bündnispartner für Deutschland.


O-Ton, Sascha Roßmüller, stellv. NPD-Parteivorsitzender:

»Ich hoffe auf zwei Dinge: Zum einen, dass die NPD machtpolitische Gestaltungsmöglichkeiten in naher Zukunft in Deutschland bekommen wird, und dann immer noch Herr Ahmadinedschad als potentieller Bündnispartner für ein neues Deutschland zur Verfügung stehen wird.«


Seit 2004 sitzt die NPD im sächsischen Landtag. Schon jetzt stellt sie mehr als 200 Abgeordnete in Kommunalparlamenten und Landtagen. In zwei Jahren will die verfassungsfeindliche Partei auch den Sprung in den Bundestag schaffen.


Abmoderation Fritz Frey:

Ja, schon vor der Ausstrahlung hat das Interview Wellen geschlagen. So hat der Vorsitzende des Innenausschusses, der SPD-Bundestagsabgeordnete Sebastian Edathy, bereits angekündigt, er prüfe juristische Schritte gegen den NPD-Bundesvorsitzenden.

aus der Sendung vom

Mo, 10.12.2007 | 21:45 Uhr

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