aus der Sendung vom Montag, 17.9.2007 | 21.45 Uhr | Das Erste
Wie kann es sein, dass junge Deutsche, aufgewachsen mitten unter uns, bereit waren, den wahrscheinlich größten Terroranschlag in der Geschichte der Bundesrepublik vorzubereiten? Ulrich Neumann und Fritz Schmaldienst haben sich mit dieser Frage befasst und sind dabei auf eine Moschee in einem Frankfurter Vorort gestoßen. Die Wirkungsstätte eines Geistlichen, den Verfassungsschützer als Hassprediger einstufen. Aber der Reihe nach.
Bericht:
Knapp an einer Katastrophe vorbei: Der Zugriff der Terrorfahnder kam gerade noch rechtzeitig. Unter den mutmaßlichen Bombenbauern: zwei deutsche Konvertiten und ein Türke.
Der mutmaßliche Kopf der Bombenbauer, der 28-jährige Fritz Gelowicz aus Ulm. Monatelang stand er schon im Visier der Terrorfahnder. REPORT MAINZ berichtete darüber bereits im Juni: Fritz Gelowicz spionierte Sylvester 2006 als Anführer eines Spähtrupps die amerikanische Kaserne in Hanau aus. Dabei wurde gefilmt. Das waren offensichtlich die ersten Anschlagsvorbereitungen.
Wie REPORT MAINZ jetzt herausgefunden hat, hatte der Ulmer Fritz Gelowicz, zusammen mit seinen Kundschaftern, zuvor in dieser Moschee in Frankfurt-Riederwald das islamische Opferfest gefeiert. Auch diese Moschee ist seit Jahren im Visier der Sicherheitsbehörden. Vergangenen Freitag, die Stimmung ist gereizt.
O-Ton, Moscheebesucher:
»Unser Rechtsanwalt hat gesagt, dass Sie nicht hierher kommen dürfen. Fertig. Schluß. Gehen Sie weg, gehen Sie weg. Fertig... Kamera geht kaputt.«
O-Ton, Moscheebesucher:
»Wenn Sie hierher kommen, dann kriegen Sie Ärger.«
Im Fokus der Sicherheitsbehörden – vor allem der afghanische Prediger Said Khobaib Sadat. Vom hessischen Verfassungsschutz als Hassprediger eingestuft. Bereits seit 2003 ist aktenkundig, dass er massive Hetzreden gegen Amerikaner und Juden hält, zum Dschihad, also zum heiligen Krieg, aufruft.
Offensichtlich bis in jüngste Zeit – wie uns einige Moscheebesucher verdeckt vor der Kamera bestätigen.
Frage: Trifft es zu, dass er manchmal vom Dschihad spricht?
O-Ton, Moscheebesucher:
»Ja, meistens vor dem Freitagsgebet. Vom Dschihad gegen die Amerikaner, gegen die NATO, die Ungläubigen, die afghanische Regierung in Afghanistan.«
Frage: Wie sind seine Worte?
O-Ton, Moscheebesucher:
»Bringt die Ungläubigen um. Verscheucht die Amerikaner aus Afghanistan, wenn es sein muss mit Gewalt. Wenn sie nicht hören, müssen sie bluten – mit solchen Wörtern.«

Hassprediger Sadat gilt als rechte Hand des brutalen und einflussreichen afghanischen Kriegsherren Gulbuddin Hekmatyar in Deutschland. Der bekämpft, wie auch die Taliban, die heutige afghanische Regierung. REPORT MAINZ veröffentlichte bereits 2005 dieses Amateurvideo, auf dem Sadat den Kriegsherren mit „lieber Bruder“ begrüßt.
Dezember 2006 – Flughafen Frankfurt/Main. Hassprediger Sadat verabschiedet Pilger, die nach Mekka und Medina reisen. Bislang unveröffentlichte Aufnahmen. Auffallend lange und tränenreiche Abschiedsszenen von jugendlichen Gläubigen. Sadat versucht besonders junge Muslime in seinen Bann zu ziehen, sie von seinen Ideen zu überzeugen, sagte uns ein Moscheebesucher vor einem Jahr.
O-Ton, Moscheebesucher 2006:
»Das versucht er den Jugendlichen in den Kopf einzusetzen. Bei mir hat er es auch versucht.«
Frage: Was hat er denn versucht?
O-Ton, Moscheebesucher 2006:
»Ja eben halt, mir zu erzählen, dass die Juden unsere Feinde sind, dass die Amerikaner unsere Feinde sind, dass eben halt der „Heilige Krieg“ vor uns steht.«
Sadat ist für jugendliche Muslime nach wie vor so etwas wie eine Leitfigur. Er hat Einfluss, wird uns vor drei Tagen erneut bestätigt.
O-Ton, Moscheebesucher:
»Da sind ja meistens auch die Jugendlichen. Die haben keine Ahnung, was da vor sich geht. Und deswegen glauben die auch, was er sagt. Und die nehmen es auch so auf und werden es auch, glaube ich, wenn die älter sind, durchführen, was er sagt.«
Welchen Einfluss Sadat auf seine Anhänger tatsächlich hat, wissen wir nicht. Fakt aber ist: Ein weiterer Komplize aus dem mutmaßlichen Bombenbauertrio, berichtete das Hamburger Magazin „stern“, besuchte gern die Moschee im Frankfurter Stadtteil Riederwald.
Es ist der 29-jährige Adem Yilmaz. Wie die anderen Bombenbauer absolvierte auch er eine terroristische Ausbildung in Pakistan. Außerdem, so steht es in einem Papier des Bundeskriminalamtes, habe er vermutlich vier weitere junge Muslime nach Pakistan geschickt.
Sind in dieser Moschee die ins Visier der Ermittler geratenen Terrorverdächtigen tatsächlich verkehrt? Das wollten wir hier erfahren und den Imam Sadat sprechen. Doch er will nicht. Wir zeigen den Anwesenden die Fotos der Verdächtigen. Uns begegnet Desinteresse, massive Ablehnung und sogar Hass:
O-Ton, Moscheebesucher:
»Wer ist das?«
Frage: Kennen Sie die?
O-Ton, Moscheebesucher:
»Ich kenne die nicht. Außerdem, wenn Sie filmen, erzählen Sie sowieso nur Lügen und so.«
O-Ton, Moscheebesucher:
»Sie machen Lügen. Warum machen Sie Lügen hier?«
O-Ton, Moscheebesucher:
»Ach, gehen Sie mal weg. Ihr habt sechs Millionen Juden umgebracht und jetzt seid ihr hinter den Muslimen her.«
Fazit: Solche Leute wie Sadat und sein radikales Umfeld haben offenbar eine große Anziehungskraft auf Terrorverdächtige und Gotteskrieger. Sadat ist damit wie andere Hassprediger auch eine Gefahr. Wie lange noch?
Abmoderation Fritz Frey:
Warum ein Hassprediger wie Herr Sadat mitten in Deutschland noch immer unbehelligt zum Heiligen Krieg aufrufen darf, wir jedenfalls verstehen das nicht.
Letzte Änderung am: 14.09.2007, 18.25 Uhr