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29.05.2012
21.45 Uhr, DasErste

REPORT MAINZ vom 17.04.2012

REPORT MAINZ,  17.4.2012 | 27:17 min

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Dubiose Deals Wie tief ist Roland Kochs Europaminister in die hessische Untreueaffäre verstrickt?

aus der Sendung vom Montag, 27.8.2007 | 21.45 Uhr | Das Erste

Unser nächster Film, ein Wirtschaftskrimi aus Hessen. Worum geht es? Eine Clique von Werbemanagern soll über Tarnfirmen mehr als 50 Millionen Euro in die eigene Taschen gewirtschaftet haben. Und damit nicht genug. Die Verbindungen in die Politik sind eng und facettenreich.

Unschön auch, dass das Bundesland, in dem dieser Krimi spielt, auf Landtagswahlen zusteuert. Die Akteure – nervös. Einer von ihnen ein Intimus des amtierenden Ministerpräsidenten Roland Koch, der hessische Europaminister Volker Hoff.

Daniel Hechler hat herausgefunden, dass der, wenn es um die Gründung von Firmen geht, womöglich ein Problem mit der Wahrheit hat.

Bericht:

Frühschoppen auf der Rüsselsheimer Kerb vor ein paar Tagen. Hessens Europaminister Hoff ist eigens angereist, um den Taktstock zu schwingen. Der CDU-Politiker ist für einen Gag immer zu haben. Und einen Hektoliter Bier hat er auch spendiert. Schließlich sind in fünf Monaten Landtagswahlen.

Anfang 2006 hob Ministerpräsident Koch ihn ins Amt. Seit 25 Jahren ist Hoff einer seiner engsten Mitstreiter. Der Minister gilt als PR-Profi. Nur wenn es um seine frühere Tätigkeit geht, wird er einsilbig.

Frage: „Darf ich Sie um kurzes Statement zu ‚Zoffel Hoff Partner’ bitten? Haben Sie sich in der Zeit als Inhaber...“

Worum geht es? Hier arbeitete Hoff über viele Jahre. Als Inhaber und Geschäftsführer der Werbeagentur ‚Zoffel Hof Partner’ in Wiesbaden. Hoff hat die Firma mit Reinhard Zoffel aufgebaut. Es gab engste Drähte zur CDU, vor allem zu Roland Koch. Für ihn, aber auch Helmut Kohl und Jürgen Rüttgers hat man schon gemeinsam Wahlkämpfe bestritten.

Bei Werbekampagnen mit im Boot: die Wiesbadener ‚Aegis-Media’. Über sie werden Anzeigen in Zeitschriften oder Werbespots im Fernsehen platziert. Der Konzern macht damit Milliardenumsätze. Jahre lang an der Unternehmensspitze: Vorstandschef Alexander Ruzicka, ein schillernder Selbstdarsteller. Seit knapp einem Jahr sitzt er hinter Gittern.

O-Ton, Hartmut Ferse, Oberstaatsanwalt, Staatsanwaltschaft Wiesbaden:

»Wir legen ihm und seinen Mittätern zu Lasten in einer Vielzahl von Fällen gewerbsmäßig gemeinschaftlich Untreue im schweren Fall begangen zu haben. Es handelt sich um einen Gesamtschaden in der Größenordnung von 52 Millionen Euro.«


Ruzicka und Kompagnons sollen die Millionen aus dem Geschäft mit Werbespots abgezweigt und über ein verschachteltes Firmennetz in die eigenen Taschen gewirtschaftet haben. Und zwar auch über ‚Zoffel Hoff Partner’.

Frage: „Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Firma ‚Zoffel Hoff Partner’?“

O-Ton, Hartmut Ferse, Oberstaatsanwalt, Staatsanwaltschaft Wiesbaden:

»Über diese Firma sind Gelder abgeleitet worden in einer Größenordnung von etwa 10 Millionen Euro.«

Doch wie genau liefen diese Geldschiebereien zwischen Ruzicka und ‚Zoffel Hoff Partner’? Und was wusste Hoff davon? Gegen seinen Partner Zoffel wird schon ermittelt. Nicht aber gegen ihn. Fest steht, ‚Zoffel Hoff Partner’ verkaufte auch im Auftrag einer ominösen ‚Bestof AG’ weltweit Werbekonzepte. In den Verträgen wurden Geheimhaltungsklauseln vereinbart. Niemand sollte erfahren, wer hinter der ‚Bestof AG’ steckte. Aus gutem Grund.

REPORT MAINZ liegt exklusiv ein Dokument vor, das enthüllt, wer die Eigentümer waren. Es sind drei Firmen, die zu Ruzicka und anderen Beschuldigten der Staatsanwaltschaft führen. Eine ‚SX- Portal’, vertreten durch Reinhard Zoffel. Eine ‚Cascade’ Beteiligungsgesellschaft. Hinter ihr steht Heinrich Kernebeck, ein enger Vertrauter Ruzickas. Und eine ‚Live 2 Solutions’, Eigentümer Alexander Ruzicka persönlich.

O-Ton, Hartmut Ferse, Oberstaatsanwalt, Staatsanwaltschaft Wiesbaden:

»Sie ist eine von mehreren Firmen, über die das Geld in die Taschen der Angeschuldigten geflossen ist.«

Es waren also Ruzicka und Kompagnons, die hinter der ‚Bestof AG’ steckten. Mit Firmen, die allesamt im Visier der Staatsanwaltschaft sind. Und Volker Hoff?

Frage: „Hatten Sie mit Bestof irgendetwas zu tun?“

Auch auf unsere Anfragen in seinem Büro hieß es nur: kein Kommentar. Herr Hoff wolle im Verfahren als Zeuge aussagen. Gegenüber dem Wiesbadener Kurier war er im Februar noch auskunftsfreudiger. Dort heißt es unmissverständlich:

Zitat:

»Ich habe mit der ‚Bestof AG’ nichts zu tun.«

Wirklich nicht? Wir fahren zum offiziellen Firmensitz nach Mühlheim. Ein unscheinbares Familienwohnhaus. Offenbar besteht die Firma, die hier ‚Bestof My World AG’ heißt, nur aus einem Briefkasten. Erstaunlich: Im selben Haus wohnt auch die Mutter von Volker Hoff. Nur ein dummer Zufall?
Diese bislang unveröffentlichten notariellen Unterlagen vom Dezember 2003 beweisen das Gegenteil. Danach war es Hoff persönlich, der als bevollmächtigter Vertreter die ‚Bestof AG’ letztlich ins Leben rief. Er selbst veranlasste folgende Beschlüsse: Die Firma wird ‚Bestof My World AG’ genannt. Und: Der Sitz der Gesellschaft wird nach Mühlheim, in Hoffs Elternhaus verlegt. Gezeichnet: Volker Hoff.

O-Ton, Volker Hoff, CDU, Europaminister Hessen:

»Ich schwöre es, so wahr mir Gott helfe.«







O-Ton, Roland Koch, CDU, Ministerpräsident Hessen:

»Vielen herzlichen Dank, herzlich Willkommen.«

Kochs Europaminister hat demnach im Wiesbadener Kurier nicht die Wahrheit gesagt. Hoff hatte sehr wohl mit der Bestof AG zu tun.

O-Ton, Hartmut Ferse, Oberstaatsanwalt, Staatsanwaltschaft Wiesbaden:

»Es ist sehr interessant, muss genau beobachtet werden und diesen Hinweisen muss auch nachgegangen werden.«

Unangenehme Neuigkeiten für Ministerpräsident Koch. Ausgerechnet zum Wahlkampfauftakt in Hessen. Hier, auf seiner Tour durch die Provinz, wollte er eigentlich lieber über Kochrezepte sprechen, statt über die Geschäfte seines Ministers.

O-Ton, Roland Koch, CDU, Ministerpräsident Hessen:

»Wir haben in Deutschland eine unabhängige Staatsanwaltschaft. Die hat von sich aus ermittelt, die hat alles geprüft. Die hat öffentlich erklärt, dass es keinen Verdacht gegen Herrn Hoff gibt. Und ich finde, dass es dann eine Frage des Anstands ist, bei Opposition muss man da Abstriche machen, aber jedenfalls von unabhängigen Journalisten, dass sie es da auch damit bewenden lassen.«

Nur was Volker Hoff angeht, formuliert die Staatsanwaltschaft das ein wenig anders.

O-Ton, Hartmut Ferse, Oberstaatsanwalt, Staatsanwaltschaft Wiesbaden:

»Wir sind am Anfang der Ermittlungen, was diese Geldflüsse angeht. Und ich kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht ausschließen, dass sich die Ermittlungen auch einmal gegen ihn richten werden.«

Und spätestens dann dürfte es für Kochs Hoffnungsträger eng werden.

Letzte Änderung am: 28.08.2007, 16.20 Uhr

Bericht

Autor:
Daniel Hechler

Kamera:
Johannes Hörmann
Udo Lachnit
Thomas Schäfer

Schnitt:
Steffen Steup

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