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Wie bei Leichenschauen geschlampt wird
Report Mainz berichtete am 17.10.2005
Ein Mensch wird in Deutschland ermordet. Aber niemand schlägt Alarm. Keine Polizei sucht den Mörder. Wie kann das passieren? Jedes zweite Tötungsdelikt in Deutschland bleibt unerkannt, schätzen Gerichtsmediziner, weil Leichenschauen schlampig oder gar nicht gemacht werden. In einigen Bundesländern sind dennoch die Notärzte von der Pflicht zur Leichenschau entbunden worden. Rechtsmediziner warnen, dass künftig noch mehr Morde unentdeckt bleiben.
Nachgefragt am 3. Juli 2007
Die Justizminister der Länder wollen nun der Vertuschung von Tötungsdelikten mit einer verbesserten Leichenschau vorbeugen. Einen entsprechenden Beschluss fasste die Justizministerkonferenz am 29.Juni 2007. Hintergrund sind wissenschaftliche Studien, wonach jährlich bis zu 1200 Fälle von Mord unentdeckt bleiben, weil Ärzte bei ihrer Leichenschau irrtümlich eine natürliche Todesursache bescheinigen. „Bundesweit ist Jahr für Jahr von Hunderten nicht entdeckter Tötungsdelikte auszugehen“, erklärte die Justizministerin von Sachsen Anhalt, Angela Kolb, SPD. Künftig sollen nur besonders dafür qualifizierte und erfahrene Ärzte den Totenschein ausstellen dürfen, sagte die nordrhein-westfälische Justizministerin Roswitha Müller-Piepenkötter , CDU. Dazu müssen die Bestattungsgesetze in den Ländern geändert werden. Dies soll zusammen mit den Gesundheitsministern erreicht werden.
In Deutschland sterben jedes Jahr etwa 850 000 Menschen. Nach einer Studie des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Münster von 1997 werden jährlich mindestens 11 000 nicht natürliche Todesursachen übersehen. Darunter seien mindestens 1200 übersehene Tötungsdelikte und 2000 Sterbefälle nach medizinischen Maßnahmen. Trifft diese Untersuchung zu, bliebe jährlich jedes dritte Tötungsdelikt unerkannt. Im vergangenen Jahr gab es laut Polizeilicher Kriminalstatistik 2468 Fälle von Mord und Totschlag. Diese Zahlen müsse man ernst nehmen, sagte Müller-Piepenkötter. Vor allem bei alten Menschen und kleinen Kindern seien Tötungsdelikte möglich, die wenig Spuren hinterließen.
Letzte Änderung am: 20.04.2006, 09.31 Uhr